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Für Renate R. (54) ist es selbstverständlich, dass sie täglich bei ihrer verwitweten Mutter (78) vorbeischaut, ihr bei der Hausarbeit zur Hand geht. Denn seit einem Schlaganfall lebt die alte Dame zwar noch in ihrer Wohnung, ist aber auf Hilfe angewiesen. Zusammen mit einem ambulanten Pflegedienst sind alle mittlerweile ein eingespieltes Team.
Da passiert es: Renate R. stürzt, muss ins Krankenhaus. Aber ihre Mutter rechnet doch mit ihr…?! – innerhalb weniger Stunden haben Gerhard Kunz und sein Team vom „Pflegestützpunkt Roth“ (PSP) einen Kurzzeitpflegeplatz organisiert, die Aufnahmeformalitäten erledigt und Renate R. kann sich auf ihre eigene Gesundheit konzentrieren.
Was für Renate R. eine Ausnahmesituation darstellt, ist für das Team des Rother Pflegestützpunktes, Gerhard Kunz (Landratsamt Roth), Petra Lobenwein (Fachstelle für pflegende Angehörige der Diakonie Neuendettelsau), Beate Loy und Brigitte Kupfer (Vertreterin der Pflegekassen), Alltag. Das vierköpfige Team steht hinter dem Pflegestützpunkt, der mit wöchentlichen Sprechstunden auch von Seiten des Bezirks Mittelfranken in Gestalt Michael Eckerts unterstützt wird.
Die berufliche Herkunft der Beratermannschaft zeigt’s: Hier sind Fachleute aus den verschiedensten Bereichen am Werk. Aus gutem Grund: Von Anfang an ging es den Machern darum, Wissen, Kompetenz und Angebot zu bündeln, um mit ihrer kleinen Institution auf schnellem und einfachen Weg Hilfe suchenden Menschen zur Seite zu stehen.
Von der Betreuung des an Demenz erkrankten Vaters, der Suche nach ambulanten Hilfen, Heim- und Pflegeplätzen, über die Vermittlung ehrenamtlicher Helfer bis hin zu Beratungen rund um die Pflege-Bürokratie reicht das Aufgabenspektrum der Pflegestützpunkt-Mitarbeiter, die übrigens alles andere als reine Schreibtisch-Täter sind.
Geht es beispielsweise um die barrierefreie Gestaltung des Wohnumfeldes, sei es eine Selbstverständlichkeit, dass einer aus dem Pflegestützpunkt-Team die Situation mit den Betroffenen vor Ort bespricht. Wenn nötig, auch öfter. Erst reden, den Bedarf ermitteln dann handeln – auch das eine Devise im „Pflegestützpunkt“, die sich sogar anhand einer Statistik festmachen lässt: Seit der Gründung wurden knapp 1900 persönliche Beratungen im Büro, rund 3200 telefonische Informationsgespräche und an die 190 Hausbesuche gezählt. Tendenz steigend.
Warum, liegt für Gerhard Kunz auf der Hand. Die in den zwei Jahren gewachsene vertrauensvolle Kooperation zwischen Landkreis, Pflegekassen, den Pflegeeinrichtungen im Landkreis, der Fachstelle für pflegende Angehörige der Diakonie Neuendettelsau und dem Bezirk ist ein Grund. Die gute Mundpropaganda, die laut Kunz „bei dieser sensiblen Klientel eine wesentliche Rolle spielt“, ein weiterer.
„Ohne ein gewisses Vertrauensverhältnis ginge das nicht“, machen Kunz und seine Kolleginnen deutlich. Schließlich müssten bei dem Einzelnen oft sehr persönliche Angelegenheiten, Probleme und Krankheits-Geschichten angesprochen werden. Kunz: „Gerade vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass wir als Landkreis-Stelle nicht unter dem Dach der Behörde, sondern hier, im Gesundheitszentrum unser Büro haben. Alles, war hier zwischen uns und den Ratsuchenden besprochen wird, behandeln wir absolut vertraulich“.
Allerdings – und diese Erfahrung haben die Sprecher des Pflegestützpunkts durch die Bank gemacht – „kommen Viele viel zu spät zu uns“, bedauert Petra Lobenwein. „Es gibt Angebote, die von der Pflegekasse bezahlt werden, um die Angehörigen zu entlasten“.
Oft könne der Alltag schon früh erleichtert werden – mit einem Lieferdienst, einer ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe, dem Einbau einer Rampe, eines Treppenlifts oder einer Hebebühne. Kosten würden dabei oft komplett übernommen.
Rat weiß aber nicht nur die Rother „Hauptstelle“, an die sich mittlerweile auch eine wachsende Zahl Ratsuchender aus dem Schwabacher Bereich wendet. In jüngster Vergangenheit nahmen in einigen Landkreis-Gemeinden verschiedene „Filialen“ des PSP Roth ihre Arbeit auf.
Solche Kontaktstellen gibt es in Abenberg, Allersberg, Hilpoltstein und Wendelstein. Weitere Außenstellen sollen folgen. Schließlich „geht die Pflege jeden etwas an“, so Gerhard Kunz. Und: „Es ist nicht immer einfach, wenn dieses Thema plötzlich zum eigenen Alltag gehört. Dann ist es gut, einen kompetenten Partner an der Seite zu haben…“
Der Pflegestützpunkt ist erreichbar unter Telefon (09171)81-500. Für die individuelle, kostenlose Beratung bittet das Team um Terminvereinbarung. Die Beratungsräume sind im Gesundheitszentrum I, Weinbergweg 16 (zweites OG). Öffnungszeit: Montag bis Mittwoch, 9 bis 13 Uhr; Donnerstag 13 bis 18 Uhr; Freitag 9 bis 12 Uhr.

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