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Peter Thoma (Saxofon), Jochen Pfister (Klavier), Gunther Rissmann (Kontrabass) und Andreas Gandela (Schlagzeug) sowie Spezialgast Gustavo Strauss (Violine) haben sich die Klassiker des Great American Songbook vorgenommen. Das können Musicalstücke aus der Feder George Gershwins oder Cole Porters sein, aber auch Standards wie Chet Bakers „But not for Me“ oder „What is this Thing called Love?“.
Dabei sind Thoma und Co. eher groovende Traditionswahrer als Grenzgänger. Hier werden unsterbliche Schlager nicht gegen den Strich gebürstet, sondern so behutsam wie einfallsreich in ein glamoureskes Jazzkleid gesteckt. Wer dieser Musicalrevue der etwas anderen Art lauscht, kommt ums Mitwippen und Fingerschnippen kaum herum, zumal hier echte Klangzauberer und Ohrwurmzüchter zu Werke gehen: Peter Thomas satter Saxofonton schmeichelt sich unwiderstehlich in die Gehörgänge, Gunther Rissmann und Jochen Pfister legen einen adäquat fetten Rhythmusteppich darunter, dem Andreas Gandela Kontur und Richtung verleiht. Gastgeiger Gustavo Strauss versteht sich auf zarten Zigeunerschmelz und gibt seinen Soli einen Hauch von rotsamtener Nostalgie mit – als würde er mit Django Reinhardt spielen.
Zu Nummern wie dem charmanten Walzer „Someday my Prince will come“ aus dem Disney-Trickfilm „Schneewittchen“ von 1937 oder „Over the Rainbow“ aus dem „Zauberer von Oz“ nach Lewis Carroll passt der angenehm unverkrampfte Retro-Ansatz ausgezeichnet. Selbst totgespielte Wunschkonzert-Dauerbrenner wie „Night and Day“ verlieren so ihr angestaubtes Kurkonzert-Image und wirken wieder so blankpoliert, wie sie es bei ihrer Entstehung in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts waren.
Zwischendurch vertauscht Peter Thoma das Sax mit dem Gesangsmikrofon und geriert sich als samtstimmiger Crooner, der die bissige Brecht/Weill-Ballade von „Mackie Messer“ im englischen Original mit feinsinniger Ironie über die Rampe bringt.
In solchen Momenten wird spürbar, dass hier fünf Feinmechaniker des Jazz agieren, abonniert auf subtile Zwischentöne, leise Wahrheiten zwischen den Notenzeilen – und auf große Gefühle. So werden nicht nur alte Filme in starkfarbigem Technicolor aus den Hallen des Vergessens geholt, sondern auch der zugehörige Herzschmerz und die Himmeljauchzer, die ihren Niederschlag in Musik ohne Verfallsdatum finden Seelenklänge.
HANS VON DRAMINSKI

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.