Sonntag, 18.11.2018

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Verzierte Keramik und eine historische Gewandschließe

Zufallsfund auf der Baustelle: Bei Arbeiten zwischen Unter- und Obermässing kamen Überreste von alten Siedlungen zutage - 12.10.2011

Peter Honig von der Ausgrabungsfirma Specht (links) präsentierte seine Funde unter anderem Landrat Herbert Eckstein (Mitte) und Gredings Bürgermeister Manfred Preischl (2. von rechs). © Kranzer


Dabei kam dem Experten der Zufall zu Hilfe: Bei einem abendlichen Spaziergang über die Baustelle fielen Honig die dunklen Verfärbungen im Boden auf, die entstehen, wenn Holz verfault. Er informierte das Landratsamt, das wiederum umgehend das Landesamt für Denkmalpflege einschaltete und die Fachfirma mit den Ausgrabungen beauftrage. „Eine Woche später, und die Spuren unserer Vorgeschichte wären weg gewesen“, weiß Honig.

Gefunden wurden Reste von Siedlungen aus der Bronzezeit, der Urnenfeldzeit sowie eine einstige germanische Siedlung. Dabei handelt es sich vor allem um Scherben verzierter Keramik, aber auch eine gut erhaltene Gewandschließe, in Fachkreisen als „Fibel“ bezeichnet und laut Honig eine Art Sicherheitsnadel. Zwar seien die Funde nur ein kleiner Ausschnitt, „aber sie zeugen von einer größeren Besiedlung“, so die Einschätzung des Fachmanns.

Ursprünglich wurde von fünf Funden ausgegangen. Mittlerweile stieg diese Zahl auf insgesamt 93. „Das war aber nicht zu erwarten“, erklärte Robert Frank vom Landesamt für Denkmalpflege beim Ortstermin auf der seit September laufenden Baustelle. Zu einem Stillstand der Baustelle kam es allerdings nicht, da die Baufirma auf der drei Kilometer langen Strecke an anderen Stellen weitermachen konnte.

Robert Frank hätte sich gewünscht, im Vorfeld um eine Stellungnahme gebeten zu werden, bevor die Baumaßnahme startete. Diesen Fehler räumte das Landratsamt ein. Gerhard Dillmann, Sachgebietsleiter vom Tiefbauamt des Landkreises Roth erwiderte jedoch: „Die Bodendenkmäler in der Umgebung waren uns nicht bewusst. Es ist seit 20 Jahren der erste Fall, dass wir auf etwas gestoßen sind.“

Laut Honig handelt es sich bei den gefundenen Siedlungen aus dem dritten, vierten und 14. Jahrhundert um Inselgruppen, die vom Kreuzfeldbach umflossen wurden. „Sicherlich gibt es in tieferen Schichten noch mehr“, mutmaßt Honig.

Der größte und letzte archäologische Fund ist ein Grubenkomplex, der derzeit freigelegt wird. Danach sollen die Ausgrabungen noch diese Woche abgeschlossen werden. Bei den vorgefundenen dunklen Verfärbungen im Boden handelt es sich nach Meinung von Honig um die Überreste eines Hauses mit einer Grube. „Es ist gut möglich, dass das Material aus der Grube für den Hausbau hergenommen wurde.“

Ins Museum

Landrat Herbert Eckstein und Gredings Bürgermeister Manfred Preischl machen sich dafür stark, dass die Funde im neuen Gredinger Museum ausgestellt werden. „Es spricht natürlich für die Werthaltigkeit und rechtfertigt die Arbeiten, wenn die Funde danach auch zu sehen sind“, so Eckstein. Preischl schlug auch eine Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit Peter Honig vor.

Die eigentlichen Bauarbeiten an der Kreisstraße RH 27 werden sich durch die Ausgrabungen übrigens nicht wesentlich verzögern. „Wir sind im Bauzeitenplan“, versicherte Gerhard Dillmann. Das bedeutet, dass an der Fertigstellung bis April 2012 festgehalten wird.

  

dk

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