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Wieder mehr Hilpoltstein in der TT-Abteilung

Spitzenmannschaften mit eigenen Leuten aufbauen — Familie und TV teilen sich die Kosten für den Trainer von Hannes Hörmann - 11.08.2017 17:02 Uhr

Die Tischtennis-Hochburg TV Hilpoltstein will ihren Nachwuchs lieber selbst behalten und mit einem Förderkonzept, wie es der TSV Bad Königshofen mit Kilian Ort praktiziert hat, in die Spitzenmannschaft einbauen. © Foto: Tschapka


In der vergangenen Saison hat die erste Herrenmannschaft des TV Hilpoltstein wieder einmal 2. Bundesliga gespielt, mit dem Erreichen des Final Four des Pokals den bisher größten Erfolg hingelegt. Die zweite Herrenmannschaft stieg von der Bayern- in die Oberliga auf, die Jungen wurden Pokalsieger und bayerischer Meister und Fünfter auf Bundesebene. Und doch sagt Uli Eckert, Abteilungsleiter und Jugendkoordinator: "Das bisherige Konzept ist nicht mehr tragfähig."

Da ist zum einen der zeitliche und finanzielle Aufwand für das Zweitliga-Team, zum anderen dass die Akteure dort (bis auf Petr David) nicht mehr ewig Tischtennis in dieser Form weiterspielen werden. Weiter die geringere Zahl von Jugendmannschaften (drei statt einst fünf). Dass Talente, wie Hannes Hörmann nicht optimal gefördert werden konnten – auch weil die Spitzenspieler nur zu den Spielen kommen – und deshalb immer wieder der Abgang Hörmanns zur Debatte stand.

Eckert und Co-Abteilungsleiter Robert Nachtrab überlegten deshalb lange, sprachen mit den Eltern und dem Verband. Dann verpflichteten sie Ex-Profis und Spitzenspieler, wie den Slowaken Szilard Csölle (Adelsdorf) und den Polen Darius Kabacinski (Stein) als Trainer, dazu stößt vom Bayerischen Tischtennisverband (BTTV) Cornel Borsos, mehrfacher deutscher Meister.

Zurück zu regionalen Wurzeln

"In naher Zukunft soll die Herren 1 mit eigenen Talenten besetzt werden", sagt Eckert. Analog soll es mit der zweiten Mannschaft sein. In der vergangenen Saison war der TV mit zwei libanesischen Spielern angetreten, musste sich erneut vorwerfen lassen, mit den regionalen Wurzeln gebrochen zu haben. Nun sollen der Slowene Jaka Golavsek, Hannes Hörmann (14), Sebastian Hegenberger (15), Johannes Stumpf (16, neu vom TV 48 Schwabach) und Andreas Wechsler die Oberliga halten. Dahinter warten schon der zwölfjährige Matthias Danzer, der Riesenfortschritte gemacht hat, oder die Weber-Brüder Simon und Jakob.

Der Unterbau wäre also da, nun, und das ist das Ziel des Konzeptes, kommt es auf die Förderung an. Und das bedeutet vor allem, die Talente zu fordern, ihnen starke Trainingspartner gegenüber zu stellen. Felix Bindhammer, der letzte Stern aus den TV-Reihen, war so gut geworden, weil sein Vater die stärkeren Spieler verpflichtete, gegen seinen Sohn anzutreten, erzählt Eckert. In der nächsten Generation, wird das ganze über die neuen Trainer auf professionellere Füße gestellt. Mit ihnen will der TV täglich mindestens ein hochklassiges Training für seine Talente anbieten, am Wochenende folgen Turniere und Spiele. "Das ist eine gute Geschichte", sagt Nachtrab.

Beispiel Hörmann: Schon lange überlegt die Familie, wie ihr Sohn am besten zu fördern wäre. Zuletzt war schon von Stagnation beim Supertalent die Rede, weil er zwischen zu vielen Trainern hin- und herwechseln musste, im BTTV–Stützpunkt mit links gewinnt und er in Hilpoltstein regelmäßig der beste Spieler ist.

Finanzierung geteilt

Das Internat des nationalen Verbandes in Düsseldorf oder der Olympiastützpunkt in München boten sich für den Röttenbacher als Alternative zu Hilpoltstein an. Weil es in Düsseldorf aber keine Wochenendbetreuung gibt und Hörmann in München hätte eine Klasse wiederholen müssen, war beides nicht optimal. Von daher arbeiten Familie und die Hilpoltsteiner Abteilung nun zusammen. Sie teilen sich die rund 12 000 Euro pro Jahr, die für die Trainer zu zahlen sind, der BTTV trägt sein Scherflein für Borsos bei. Die Finanzierung war der Knackpunkt bei der Sache.

Auch Sebastian Hegenberger, der ebenfalls deutlich stärker geworden ist, bekommt Einzelstunden, die anderen Talente profitieren ebenso. "Wir wollen Hegenberger und Hörmann nicht verlieren", sagt Eckert. Andere Vereine stehen bereit.

Auf ein Jahr ist das Konzept vorerst angelegt. Der Hauptverein ist finanziell lediglich mit Startgebühren beteiligt, stellt aber mehr Hallenzeit zur Verfügung. Zusätzlich zu den Spitzentrainings gibt es Stunden für Einsteiger und Neulinge, Projekte wie Schulkooperationen oder mini-Meisterschaften sollen weitere junge Spieler anziehen.

Nicht auf zweite Liga fixiert

In der kommenden Saison will Eckert mit seiner Jungen-Mannschaft Landesmeisterschaft und -Pokal zum dritten Mal in Folge gewinnen, bei der deutschen Meisterschaft mindestens aufs Podest. Perspektivisch wäre es optimal, Hegenberger und Hörmann in den ersten Mannschaft unterzubringen – selbst wenn diese dann nicht mehr in der 2. Bundesliga spielen sollte. "Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu kommen", sagt Eckert.

Er hofft auch auf die Netzwerke, die bereits zwischen Hegenberger, Hörmann und anderen guten Spielern ihres Alters bestehen – vielleicht springt einmal ein Mannschaftskollege heraus. Zudem sei Bad Königshofen dank eines über ein ähnliches Konzept geförderten Kilian Ort in die 1. Liga aufgestiegen, so Eckert: "Die werden richtig gut."

Gleiches soll mit dem Hilpoltsteiner Nachwuchs geschehen, auch über Kooperationen bei gemeinsamen Übungsstunden mit anderen Vereinen, wie eben Bad Königshofen. Mit seinem neuen Jugendkonzept hat der TV ein eigenes Nachwuchsleistungszentrum geschaffen, stärker als alle anderen in der Region. Mit noch breiterer Unterfütterung wäre sogar ein bayerischer Stützpunkt in Hilpoltstein denkbar. Noch Zukunftsmusik, aber eine interessante Perspektive. 

STEFAN BERGAUER

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