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Samstag, 22.09.2018

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Zum 15. Mal rockte es hinter der Hilpoltsteiner Burg

Kultveranstaltung für Jugendliche wartete mit einem attraktiven Musikprogramm auf - 26.08.2018 15:30 Uhr

Eines auf die Ohren gab es von der Band „Mobhead“, die solide Rockmusik im Stil der 1970er Jahre zelebrierte. Und was gehört zu dieser Art von Musik? Richtig: ein zünftiges Drum-Solo.


Bei der Auswahl der Stilrichtungen hatten die Organisatoren ein gutes Händchen bewiesen. Die Musik von Sarah Dorner und ihrer Band, die das Festival am frühen Abend eröffneten, konnte man zwar noch eher als ruhig bezeichnen, aber die Festivalmacher Daniel Fürnkäß und Martin Rook, die die Organisation zusammen mit dem Jugendreferat der Stadt Hilpoltstein stemmten, wollten angesichts der überwiegend lauten und rauen Klänge der vergangen en Jahre etwas Abwechslung in das Line-Up bringen.

Mit Erfolg, denn auch viele Besucher, denen man schon rein optisch ansah, dass sie eher Fans von "harter" Musik sind, lobten den angenehmen, poetischen Gesang und die tiefgründigen Texte der Kulturpreisträgerin, während deren Auftritt rosablassblaue Wolken über die Burgruine hinwegzogen.

Diese dramatischen Wolken verschwanden zusammen mit dem Tageslicht, und gaben die Bühne frei für die Überraschung des Abends: "KleinstadtEcho" aus Gunzenhausen. Zwei Jungs, zwei Mädels und jede Menge Energie im Gepäck! Mit ihren perfekt arrangierten Songs wie "Land über Bord", "Ohne Plan" oder "Freier Fall" demonstrierte die Formation rund um die charismatische Frontfrau Christina Benk nicht nur eine zügellose, mitreißende Show mit hoher musikalischer Qualität, sondern überzeugten auch mit nachdenklich stimmenden Texten, die frei von jeglicher Sentimentalität waren. Gegen Ende ihrer Show reichte die Sängerin auf einem zum Tablett umfunktionierten Pizzakarton dem begeisterten Publikum auch noch eine (vermutlich hochprozentige), grüne Flüssigkeit, die schnell vergriffen war. Die vielen anwesenden Kinder durften davon leider nicht probieren, was auch auf den Alkoholgehalt schließen lässt, aber dennoch ließen sie sich nicht aus der ersten Reihe vertreiben.

"Achtung, das wird jetzt ganz schön laut", sagte Michael "Kirschi" Kirschner, der Bassist der nächsten Band "Mobhead". "Mir doch egal", erwiderte ein etwa achtjähriges Mädchen trotzig, und stemmte die Hände in die Hüften. Aber "Mobhead" machten ernst, und überzogen den Burganger mit ausladenden, grummeligen Riffs, die an die guten alten Bands der 1970er Jahre erinnerten, wenngleich auch progressiver. Bei diesem Auftritt durfte auch ein langes Drum-Solo nicht fehlen. Bassist Kirschner, der früher am Mischpult bei "Rock hinter der Burg" stand, dankte stellvertretend für alle anderen Bands den Organisatoren und allen Mitarbeitern für das tolle Festival, das in Hilpoltstein und darüber hinaus Kultstatus genieße.

Christina Benk von der Band „KleinstadtEcho“ aus Gunzenhausen reichte den Fans Flüssiges. Vermutlich Alkohol. © Fotos: Tobias Tschapka


Nach diesen rockigen Klängen war mit der letzten Band des Abends Kontrastprogramm angesagt. Eine Band im Stil von "Zulu" gab es in der langen Geschichte von "Rock hinter der Burg" wohl noch nicht. Die sphärischen Klänge des Trios aus der Nähe von Würzburg legten sich wie ein dichter Klangteppich über die Burg, fast so wie die dichten Nebelschwaden, in denen der Gitarrist und Sänger Max Seeger, der mehr säuselte als sang, mit anhaltender Regelmäßigkeit verschwand.

Elektronische Beats und markante Lichteffekte von "Zulu" erzeugten eine fast schon hypnotische Wirkung in den Köpfen der Zuschauer, die vom wesentlich rockigeren Auftritt von "Mobhead" noch ganz durchgeschüttelt waren. Aber vielleicht war diese in digitale Klänge gegossene Melancholie genau das Richtige, um gegen Ende von "Rock hinter der Burg" wieder runterzukommen, und wem der Puls zu sehr in den Keller ging, dem empfahl der Zulu-Frontmann einen Band-Pullover zu kaufen. Und man möchte es nicht glauben, ausgerechnet zu dieser Musik fand sich ein Stage-Diver, der sich von der Bühne stürzte – in die Arme eines Kumpels. Alles in allem war dieses 15. Rock hinter der Burg wohl das Festival mit der größten musikalischen Vielfalt.

  

TOBIAS TSCHAPKA

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