Dienstag, 13.11.2018

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Altfränkische Tradition blüht in Ohrenbach wieder auf

Schnupftabakabend als gemeinschaftsbildende Kultur - Vielfältiges Angebot - 03.04.2018 15:05 Uhr

Beste Laune beim Bieranstich (v.l.): Königin Alexandra I, Markus Schoch, Bierkönigin Nicole I, Max Gundel, Patrick Volkert und Christoph Klenk. © Klenk


Mit dieser überwältigenden Resonanz war allerdings nicht zu rechnen. Was vor vier Jahren als Treffen von Freunden und Interessierten aus der Gemeinde und des örtlichen Stammtischs begann, um den Geschmack neuer Tabaksorten in der Gemeinschaft zu erleben, fand in der jüngsten Auflage ihren bisherigen Höhepunkt. Der Einladung der "Ohrenbacher Schnupferjungs" und der Landwehr-Bräu waren so viele Gäste gefolgt, dass der Festsaal des Gasthauses gerade groß genug war.

Kultur für alle Sinne

Beim diesjährigen Programm sollten neben der Nase auch alle anderen Sinne angesprochen werden, um die einst in der hiesigen Region so starke und gemeinschaftsbildende Kultur beim Dorfwirt wieder aufleben zu lassen. Unterstützung gab es dabei von Bierkönigin Nicole I. und der Königin der Schnupferjungs, Alexandra I. Sie brachte per Bus gleich ihre eigene Fangemeinde mit. Im Mittelpunkt stand die Verkostung sechs verschiedener Sorten Schnupftabak vom jeweils äußeren Rand des Geschmacksspektrums: Von den drei gängigen Herstellungsarten "Klassisch“, "Schmalzler" und "Snuff" wurden je eine schwache und eine sehr starke Sorte zusammen verkostet und in die eigens dafür ausgelegte Skala der Schnupferjungs nach sogenannten "tasting notes“ bewertet und eingeteilt.

Da die Tabake auch für die Veranstalter meist unbekannt sind, entpuppte sich neben einer hervorragenden Neuentdeckung einer Frankfurter Marke einige vorher angepriesene Schmalzler nur als schwaches "Schlafpulver". Dabei konnte man auch Wissenswertes über die Herstellungsverfahren und die Eigenheiten erfahren, die aus einem schwachen eine echt "harte" Prise machen. Passend dazu hatte die Landwehr Brauerei ihr Bockbier dabei. Auf die erste Tabakprobe folgte der Anstich, der mit drei Schlägen vollzogen wurde. Vertriebsleiter Markus Schoch informierte über die Herstellungsbesonderheiten des Bocks.

Für die Befriedigung der weiteren Geschmacks- und Sinnesrezeptoren sorgte das Essen des Gasthauses, wo der Jungwirt, der selbst Gründungsmitglied der Schnupferjungs ist, Abende im Sinne der alten Wirtshaustradition abhält. Dazu spielte Michael Döppert, ebenfalls ein begeisterter Schnupfer, mit der "Quetschn" die traditionellen Lieder, bei denen kräftig mitgesungen wurde.

Vielfältiges Angebot

Eine Schnupfmaschine im Gitarrenkorpus. © Klenk


Im großen Saal gab es an allen Ecken kleine Besonderheiten wie Autogrammstunden der Hoheiten, die Kürung des besten Schnupferbildes 2017 oder die Einweihung einer neuen Schnupf-Maschine: Ein junges Mädchen hatte sich von ihrer Leidenschaft inspirieren lassen und die Automatik in den Korpus einer Gitarre eingepasst. Alles zusammen ergab einen nach Aussage der Veranstalter, "legendären vierten Schnupferabend“, bei dem sie mit ohrenbetäubendem Lärm und "Schnupferjungs"-Sprechchören verabschiedet wurden. Die Verrücktesten unter den Schnupferfans hatten sich selbst gestaltete Fan-Shirts mit dem Spruch "Wir folgen Eurer Priis" mit gebracht.

Noch lange nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung saß man bei Musik, Tabak und Bier im Gasthaus zusammen und ließ den Abend ausklingen. Die einfachen Dinge zählen Tradition für jeden Geschmack, Tradition die verbindet: Ein leckeres Bockbier, "a gscheide Priis“, zünftige Wirtshausmusik und ein Gasthaus wie das "Rote Ross" – "ein schöner Abend kann so einfach sein", finden die Ohrenbacher Schnupferjungs.

Der große Zuspruch zeigt, dass besonders Leute im Alter um die 20 Jahre Tradition und Gemeinschaft auf Veranstaltungen wie etwa einem Stammtisch, einem Blasmusikfestival oder dem Bierfest der Landwehr-Bräu vermehrt suchen. Über die sozialen Netzwerke finden sie zusammen, auch die Schnupferjungs haben über ihren Youtube-Kanal und die Facebook-Seite schon viele Fans gewinnen können. 

ck

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