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Anwesen ging in Flammen auf

Brand in Kloster Sulz: Verzweiflungstat eines 57-jährigen alkoholkranken Mannes? - 05.11.2010 11:15 Uhr

Die Polizei verdächtigt den Hauseigentümer als Brandstifter.

Die Polizei verdächtigt den Hauseigentümer als Brandstifter. © Schäfer


Am Donnerstagfrüh gegen 3.15 Uhr wurden Nachbarn durch Feuerschein, berstende Fensterscheiben und Dachziegel aus dem Schlaf gerissen. Ein älteres Wohnhaus mit Anbau stand in Flammen und griff bereits auf die daneben stehende Scheune über. Auch die Wohnhäuser der Nachbarn wurden durch Hitze und Rauch in Mitleidenschaft gezogen. Rolladen­käs­ten schmorten, Fensterscheiben bekamen Risse, Fassade und Balkon haben schwarze Rußflecken.

Die alarmierten Feuerwehren konnten Schlimmeres verhindern. Der 57-jährige Eigentümer des Anwesens wurde verletzt in einer angrenzenden Wiese aufgefunden und nach der Erstversorgung durch Notarzt und Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht.



Eine Anwohnerin erzählte, sie habe gesehen, wie der Nachbar im Bademantel aus dem brennenden Haus rannte und über die Wiese flüchtete. Nicht weit entfernt wurde er stark blutend im Gras gefunden. Er soll sich offensichtlich mit einem Küchenmesser mehrere Stichverletzungen in Hals, Oberschenkel und Bauch zugefügt haben und wollte aus dem Leben scheiden. Er erlitt schwere, aber keine lebensgefährlichen Verletzungen und wird ärztlich betreut.
Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Ansbach sowie die noch in den Morgenstunden begonnene Spurensicherung lässt den Verdacht zu, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden war. Möglicherweise wurde sogar Brandbeschleuniger benutzt. Gegen den Eigentümer beantragte die Staatsanwaltschaft Ans­bach Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts der schweren Brandstiftung.

Die Nachbarn hatten schon länger befürchtet, „dass eines Tages etwas Schlimmes passiert“. Der vor etwa fünf­zehn Jahren aus Rumänien übersiedelte Mann lebte in schwierigen Familienverhältnissen. Alkohol verstärkte die Probleme. Es gab häufig Streit mit seinem Sohn, der schließlich auszog. Auch mit seiner Lebensgefährtin aus Schillingsfürst kam es immer zu Auseinandersetzungen. Die Nachbarn erzählen von Streitereien und Schlägen, „manchmal gingen sogar Fensterscheiben zu bruch.“ Vor etwa einem Jahr erlebten sie, wie ein Sondereinsatzkommando der Polizei das Anwesen einnahm, weil der Mann lautstark gedroht hatte, „alles in die Luft zu sprengen“. In letzter Zeit hatte er immer wieder angekündigt, „das Haus anzuzünden“.

Einsamer Mensch mit großen Schulden

Bürgermeister Helmut Auer, der sich momentan im Krankenstand befindet und sich in seinem Haus in Rehau kuriert, sagte gestern im Gespräch mit der Redaktion, dass er versucht habe, dem Mitbürger, der in ärztlicher Behandlung war, zu helfen. „Er hat mir leid getan, denn er war ein einsamer Mensch. Er hatte kein Geld, aber viele Schulden.“ Das Gemeindeoberhaupt verschaffte dem Mann sogar eine Zeitlang Arbeit: „Wenn er nicht getrunken hat, war er ein vielseitiger Handwerker.“ Ohne Autoführerschein konnte er ihn jedoch nur begrenzt für Gemeindetätigkeiten einsetzen. Zuletzt jobbte der 57-Jährige in Wörnitz und fuhr mit dem Mofa zur Arbeitsstelle, ehe er erneut arbeitslos wurde.

Aus Mitleid übernahm Helmut Auer die offene Strom- und Wasserrechnung über 600 Euro und versuchte ihn in langen Gesprächen von seinen selbstzerstörerischen Gedanken abzubringen. Wegen seiner eigenen gesundheitlichen Probleme habe er sich nicht mehr kümmern können, so Auer. Mit Schrecken habe er von dem Vorfall erfahren. 

sis

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