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Aber die Aufgabe reize sie schon sehr, ergänzt Stamm. Sie ist die einzige Frau im Kandidaten-Quintett, sieht sich auch deshalb als echte Alternative und würde sich besonders über möglichst viele Stamm-Wähler am 11. März freuen, unterstreicht sie und nimmt damit lächelnd Bezug auf einen ihrer Slogans.
Mit den Rezepten von gestern und mit einem Verharren in alten Kategorien lasse sich die Zukunft nicht gewinnen. Mit ihr als Landrätin werde von außen jede Menge frischer Wind in den Landkreis kommen, verspricht sie und erklärt sich zur Sympathisantin aller Windräder: Der Anblick lasse ihr Herz aufgehen, ganz anders als die Kühltürme des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld, die ihr immer Angst machten in früheren Zeiten in ihrer unterfränkischen Heimat.
Es gelte jetzt die Energiewende zu gestalten, betont sie und sieht dabei in der Mischung aus Sparen, besserer Effizienz und dem Ausbau der Erneuerbaren den richtigen Weg: „Wir sind alle gefragt!“ Bayern stehe inzwischen re-lativ gut da, unter anderem weil die Bürger schon etliches investiert hätten, betont sie. Eine der Zukunftsaufgaben für den Landkreis Ansbach sei es, mit dem Mix erneuerbarer Energien einen Strom-Überschuss zu erzeugen und ihn beim Verkauf in den Großraum gewinnbringend zu Geld zu machen.
Für die Bürger würde sie die Stelle eines Energieberaters einrichten am Landratsamt, kündigt sie an. Das sei wichtig, um den Menschen die Möglichkeiten aufzuzeigen, ihnen durch den Dschungel von Förderprogrammen zu helfen und schließlich auch um die Wertschöpfung in der Region zu halten. Es werde in Westmittelfranken immer wichtiger, dem Bevölkerungs-schwund und der Überalterung der Bewohner etwas entgegenzusetzen, betont Claudia Stamm.
Sie hat sich deshalb ganz ausdrücklich eine effektive Wirtschaftsförderung zur Schaffung attraktiver Arbeitsplätze und eine möglichst gute Ausstattung des flächengrößten Landkreises im Freistaat mit sogenannten weichen Standortfaktoren auf die Fahnen geschrieben. Genügend Kinderbetreuungsplätze, ein möglichst umfassendes Angebot an Schulen und die Zusammenarbeit von Firmen und Hochschulen gehören für sie ebenso zu einem solchen Paket, das gegen die Abwanderung zu schnüren wäre, wie Jugendeinrichtungen. Angesichts großer Zukunftsaufgaben komme einer soliden Haushaltspolitik immer größere Bedeutung zu, betont sie.
Die Verschuldung des Landkreises, die derzeit mit 50 Millionen Euro noch im erträglichen Bereich liege, werde zum Problem, wenn sie weiter steige und sich die dadurch entstehenden Lasten auf immer weniger Schultern verteilen. Eigentlich sei es ja Staatsaufgabe, die Bedingungen zwischen den Ballungsräumen und dem flachen Land auszugleichen, betont Claudia Stamm. Aber durch das Festhalten an alten Mustern wie beispielsweise am Bau weiterer, oft überflüssiger neuer Straßen werde er diesen Anforderungen immer weniger gerecht.
Wenn nach Ausbesserungsarbeiten an den Asphaltpisten Politiker auch rot-weiße Trassierbänder durchschneiden dürften, würde mehr repariert werden als neu in die Landschaft gelegt, merkt die haushaltspolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Landtag süffisant an. Die sogenannte Ertüchtigung des Standstreifens auf der A 6 nennt sie erforderlich. Kritik übt sie an der neuen Kreisstraße, die im Bereich des Autobahnkreuzes Feuchtwangen/Crails-heim verwirklicht werden soll, um damit das Gewerbegebiet Interfranken zu erschließen. Datenautobahnen seien heutzutage gefordert. Aber in dieser Hinsicht sehe es gerade auf dem Land nach wie vor viel zu schlecht aus.
Ein ausdrückliches Lob gibt es aus ihrem Mund für den Landkreis zum Zustand seiner Schulgebäude. Da sei in den letzten Jahren schon in Verbindung mit energetischen Sanierungen viel Positives geschehen. Der Freistaat könne sich hier ein Beispiel nehmen. Auch die Krankenhaus-Versorgung im Landkreis mit dem Westverbund und dem kommenden Anschluss des Klinikums Ansbach befinde sich auf gutem Weg.
Auf weit weniger Pluspunkte kommt bei Claudia Stamm der öffentliche Nahverkehr. Der sei leider „nicht besonders gut ausgebaut“. Ohne Auto gehe es nicht im Landkreis. Dabei böten ge-rade die Reaktivierung von Bahnstrecken wie der zwischen Dinkelsbühl und Dombühl und der bedarfsgerechte Flächenbetrieb für Busse (mit kleineren Fahrzeugen) gute Alternativen, besonders auch im Hinblick auf die Wirtschaft und auf den Tourismus. Beim Schulsystem sieht sie einigen Änderungsbedarf. Das betrifft unter anderem den Transport der Schüler über immer weitere Strecken und den damit verbundenen Zeit- und Finanzaufwand. Noch dazu verteile der Staat hier einseitig seine Pflichten auf die Kommunen. „Die Schulen müssen viel stärker wieder zu den Kindern kommen,“ betont sie.
Außerdem spricht sich die frischgebackene Vorsitzende der ganz neu aus der Taufe gehobenen überparteilichen Kinderkommission im Landtag für ein durchgängigeres Modell mit Öffnungsklauseln zwischen den verschiedenen Schultypen aus. Wir müssten damit aufhören, dass ein kleiner Kreis Gewählter und von Verwaltungsleuten glaubt, die richtigen Antworten auf alle Fragen zu haben, sagt die Politikerin der Bündnisgrünen. Die politische Kultur müsse sich ändern. Alles müsse für jeden transpa-renter, nachvollziehbarer und auch offener für Beteiligung und Mitreden gemacht werden.
Claudia Stamm ist die Tochter von Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). Ihre Mutter macht sie an diesem Abend einmal zum Thema, und zwar als es um wichtige Voraussetzungen für Politik geht: „Den Menschen zuzuhören habe ich von ihr gelernt.“ Bürgernähe sei auch für sie enorm wichtig, auch wenn das mit viel Zeitaufwand verbunden sei. Das Vertrauen der Bürger spiele für sie eine große Rolle. Sie stehe für eine verlässliche Politik, die dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen verpflichtet ist, und sie setze sich für eine mitfühlende und gerechte Wirtschaft und Gesellschaftspolitik ein, gibt sie zu verstehen.
In der abschließenden Diskussion machte Claudia Stamm ihre ablehnende Haltung zum Gewerbegebiet Interfranken unter anderem wegen des damit verbundenen Flächenverbrauchs deutlich. Ortsvorsitzende Sabine Oerter hatte die Landratskandidatin der Bündnisgrünen eingangs erfreut zu dieser zentralen Veranstaltung begrüßt. „Living System“ mit Johannes Keitel, Lars Michael, Sebastian Treiber, Andi Wolff, Thea Neumann und Tim Kiertscher steuerte zum Abend einen jungen und stimmigen musikalischen Rahmen bei.