Mittwoch, 21.11.2018

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Dreißigjähriger Krieg: Auftakt zum Gedenkjahr

Vier ehemalige Reichsstädte gedenken dem 400-jährigen Jubiläum - 28.02.2018 16:28 Uhr

Jnnenminister Joachim Herrmann (Mitte) mit Bad Windsheims Bürgermeister Bernhard Kisch und den Oberbürgermeistern Dr. Christoph Hammer (Dinkelsbühl), Walter Hartl (Rothenburg) und Hermann Faul aus Nördlingen (unkostümiert von links) mit Darstellern des Historischen Festspiels "Der Meistertrunk" Rothenburg und vom Verein "Die Getreuen des Königs Gustaf Adolf 1632" Dinkelsbühl. © Katrin Müller


"Schreckliche Nachrichten" aus der Partnerdiözese Kongo-West des Windsheimer Dekanats machen das Gedenken an den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren aktueller denn je. Viele Tote und Verletzte bei Unruhen - damals, wie heute.  

Die vier ehemaligen Reichsstädte Bad Windsheim, Dinkelsbühl, Rothenburg und Nördlingen taten sich zusammen und machen bei verschiedenen Ausstellungen und Veranstaltungen auf das unsägliche Leid aufmerksam, welches 1618 bis 1648 auch vor deren Mauern keinen Halt machte. Zum Auftakt waren etliche Darsteller des Rothenburger Festspiels "Der Meistertrunk" und des Dinkelsbühler Vereins "Die Getreuen des Königs Gustaf Adolf 1632" unter den rund 800 Besuchern in St. Kilian. In historischen Gewändern erinnerten sie an vergangene Zeiten. Um ihre wärmenden Tierfelle beneidete sie so mancher Besucher.

Gedenken an Syrien, USA und Nordkorea

"Die Menschen hörten viel und Schreckliches und hofften doch, verschont zu bleiben", sagte Regionalbischöfin Gisela Bornowski, die den Gottesdienst mit Dekanin Hüttel, Diakon Paul Neumeier und Generalvikar Prälat Georg Kestel gestaltete. Sie spannte den Bogen in die Gegenwart. Häuser brannten nieder, Männer starben, als sie versuchten, ihre Frauen und Kinder zu retten.

Von der sterbenden Martha, über der sich die Zimmerdecke in "rote Hitze" verwandelte, las die frühere Bad Windsheimer Dekanin von Einzelschicksalen die im Dreißigjährigen Krieg ihr Leben ließen. "Anstelle von Martha stirbt jetzt vielleicht Jasmin", sagte Bornowski und erinnerte an die Konflikte in Syrien und der Türkei - aber auch an die Angst der Menschen, auch wenn es aktuell die vor den "Herrschern Russlands, der USA, Nordkorea und China sei".

Religion als Brandbeschleuniger

Bornowski bezeichnete die Religion "als Brandbeschleuniger für politische Konflikte", damals wie heute. Diese Worte griff auch Innenminister Joachim Herrmann beim anschließenden Empfang im Bezug auf den "radikalen Islamismus" auf. Dieser zeige, welch Sprengstoff religiöser Fanatismus sein könne. "Wir sehen uns einem frontalen Angriffskrieg brutaler Islamisten weltweit ausgesetzt. Dem muss sich ganz Europa entschlossen entgegenstellen", fordert Herrmann.

Festspieler in den Reihen von St. Kilian in Bad Windsheim beim Festgottesdienst. © Katrin Müller


Die vier Städte bewahren mit ihrem Gedenken ein "Stück lokale Geschichte. Sie stärken den Zusammenhalt und die kulturelle Identität in der Region". Das gemeinsame Gedenken an den Dreißigjährigen Krieg, bei dem halb Europa mit Waffengewalt vermeintlich um den richtigen Glauben rang, stehe für gegenseitigen Respekt, Akzeptanz und Versöhnung, sagte Herrmann. Nach 1648 sei Mitteleuropa nie wieder in einen Religionskrieg verstrickt gewesen. In Erinnerung an diesen Frieden gelte es, diesen als Aufgabe für die Zukunft anzunehmen.

Friedensstifter im Alltag

Herrmann forderte eine wehrhafte Demokratie und rief dazu auf, gemeinsam vereint für ein friedliches Mit- und Nebeneinander in Europa und auf der ganzen Welt einzutreten. Das betonten auch die Geistlichen im Gottesdienst. "Der Christliche Glauben verpflichtet uns, Frieden zu leben", gab Bornowski mit auf den Weg und forderte alle Menschen auf, zu Friedensstiftern zu werden - auch im Alltag bei kleineren Streitigkeiten.

"Herr lass’ uns Menschen deines Friedens werden", sagte Hüttel. Die Dekanin betonte, dass uns alle die Sehnsucht verbinde, nach einer Welt ohne Waffen und einer Welt, in der Kinder keinen Hunger leiden und Angst haben müssen. Toleranz und Kooperation statt Konfrontation forderte auch der Würzburger Historiker Stefan W. Römmelt, der in St. Kilian die Ausstellung "Echters Protestanten" eröffnete. Zwölf Schautafeln zeigen Protestanten im Dienste des Gegenreformators Julius Echter von Mespelbrunn. 

kam

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