Dienstag, 11.12.2018

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Ein Hochzeitswäldchen der Ginkgos

Schillingsfürst hat jetzt beim fürstlichen Kardinalsgarten eine eher seltene Baumattraktion - 26.11.2018 12:45 Uhr

Insgesamt elf Paare sind mit von der Partie bei der Gemeinschafts-Pflanzaktion. © privat


Vor drei Jahren startete nach einer  Idee des Bürgermeisters die mittlerweile schon zur kleinen Tradition gewordene Aktion. Fürst Constantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst (Grundeigner und Gastgeber der Trauung) und die Stadt Schillingsfürst (Spender der Bäumchen) wirken zusammen, um die Fläche beim fürstlichen Mausoleum zur "Hochzeitswiese" werden zu lassen.
Aus der Luft betrachtet sind die Ginkgo-Bäume angeordnet, wie zwei (Hochzeits-)Ringe, die ineinander laufen, oder auch wie eine große Herzform, je nachdem wie man das auffassen möchte. Das besondere Hochzeitswäldchen sei ein sinnvoller Beitrag zur Erhaltung der landschaftsprägenden Baumkultur. Der Kardinalgarten samt Umgriff gilt als schöner Spazier- und Erholungsbereich für die Schillingsfürster und ihre Gäste sowie als wertvoller Lebensbereich vieler Tierarten.

Elf Paare bei Pflanzaktion

Gleich elf Hochzeitspaare hatten sich zuletzt zur gemeinschaftlichen Pflanzaktion am Kardinalsgarten eingefunden. Bürgermeister Michael Trzybinski freut sich, dass die Idee so gut ankommt. Unter den Paaren waren im übrigen auch Jessica und Edgar Neumüller. Die beiden hatten sich erst unmittelbar vor der Pflanzzeremonie im Musiksalon des Schlosses das Ja-Wort gegeben.
Zusammen mit einer Event-Agentur aus einem Leutershausener Ortsteil zeichnen die beiden engagierten städtischen Mitarbeiterinnen Petra Ehrmann und Claudia Schurz dafür, dass bei den Trauungen auf Schloss Schillingsfürst auf die individuellen Wünsche der Brautpaare eingegangen wird.
Nicht von ungefähr werden auf der Hochzeitswiese Ginkgos gepflanzt und keine Obstbäume, wie das sonst eher der Fall ist. Birnen-, Apfel- und Kirschbäume sind wesentlich pflege- intensiver, was Beschnitt und das Ernten des Obstes angeht. Außerdem gehören sie inmitten des Kardinalgartens schon länger zum angestammten Baumbestand. Apothekerin Maria Haack hat vor vielen Jahren bei einer Aufwertungsaktion für den Park im Bereich um das Liszt-Denkmal drei größere Ginkgos pflanzen lassen, die sich dort prächtig entwickeln.

Wie Ehe wachsen und gedeihen

So sieht typisches Ginkgogrün aus. © privat


Der Baum stehe für einen gemeinsamen Anfang, die Eheschließung, sagte der Bürgermeister in seiner Ansprache bei der gemeinsamen Pflanzung. Er wachse und gedeihe mit den Jahren, wie eine beginnende Ehe und die gegenseitige Liebe zueinander. Aus dem fernen Asien komme er und er habe schon auf der Erde geweilt, als sie von Dinosauriern bewohnt war. Nichts könne ihn unterkriegen.
Er sei zum Symbol der Hoffnung geworden, als im Jahr 1945 ein Ginkgo aus einem Tempelbezirk in Hiroshima nach dem Atombombenangriff völlig überraschend und zum Erstaunen vieler zu neuem Leben erwachte und die Menschen mit seinem frischem Grün verzauberte. Seit Jahrtausenden bereits seien die Menschen von diesem einzigartigen Baum berührt. Bereits als junges Bäumchen besitzt der Ginkgo eine besondere Ausstrahlung. Selbst Goethe war in diesen Baum verliebt und widmete ihm Gedichte.
Ein Ginkgo-Blatt sieht aus wie ein Herz. Eine am Stängel ansetzende Kerbe teilt das Blatt in zwei Hälften. Auch gibt es einen männlichen und einen weiblichen Baum. Beides lasse sich symbolisch als Einheit in der Verschiedenheit deuten: Ying und Yang sind uns als Kernbegriffe asiatischer Philosophie bekannt. Der Ginkgo sei wie kaum ein zweites Gewächs eine lebende Ausprägung des Wechsel- und Zusammenspiels der männlichen und weiblichen Facetten des Lebens.

Mächtige, ausladende Krone

Jessica und Edgar Neumüller setzen als frischvermähltes Paar ihren Ginkgobaum. © privat


Bürgermeister Michael Trzybinski: "Ein Ginkgo-Blatt ist golden. Nicht nur im Herbst, wenn es all die Sonne, die es den Sommer über empfangen hat, wiedergibt. Das ganze Jahr hindurch entzückt und entrückt es uns mit einem faszinierenden Schimmer. Der Ginkgo wächst jung in schlanker, schmaler Form, bekommt im Alter eine mächtige, ausladende Krone. Er kann 40 Meter und höher werden. Der älteste Baum in Deutschland steht in Frankfurt und stammt aus dem Jahr 1750.
Aus der Biologie wissen wir, dass das Gold das ganze Jahr hindurch bereits in den Blättern steckt, dass im Herbst nur, dass alles überdeckende Grün weicht und nun endlich sein Geheimnis preis gibt. Die anspruchslosen Bäume sind sehr robust und  unempfindlich. Sie sind resistent gegen Schädlinge, überstehen Klima-Schwankungen, Umwelt-Vergiftungen und -Katastrophen." 

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