30°

Dienstag, 18.09.2018

|

Einstiger Bierkeller wird zum Unterschlupf für Fledermäuse

Auch die Anpflanzung einer Birkenallee diente der Wegweisung für die Tiere - 13.08.2018 09:16 Uhr

Die Vorstellung des neuen Fledermauskellers mit geselliger Feier stieß auf großes Interesse bei der Bevölkerung. © privat


In Anwesenheit von Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde, der Regierung von Mittelfranken und des Bundes für Naturschutz, die die Wiederherstellung des Kellers förderten, sowie Bürgermeister Richard Strauß, wurde das Kulturdenkmal der Öffentlichkeit vorgestellt und zugänglich gemacht. Insgesamt nahmen geschätzte zwei- bis vierhundert interessierte Bürger diese Möglichkeit wahr, und konnten diesen sehr gut erhaltenen Bierkeller in Augenschein nehmen.

Die musikalische Untermalung mit Liedern zur Natur und auch zum Bier übernahm der Männergesangverein Geslau unter der Leitung von Thomas Schwemmbauer. Die Beleuchtung im Keller wurde von der Feuerwehr Ges-lau, die auch im Rahmen der Wiederherstellung des Bierkellers beträchtliche Reinigungsarbeiten durchführte, gewährleistet. Ergänzt wurde die Veranstaltung durch zwei Informationsstände der Naturschutzbehörde.

Altlandrat Rudolf Schwemmbauer erläuterte in seiner Ansprache die Geschichte des ehemaligen Bierkellers (siehe weiter unten), und dass nach Extensivierung von Teilen der landwirtschaftlichen Nutzfläche die Reaktivierung des Kellers konkreter wurde. In Fonds einzahlen

Zwei Vertreterinnen der Unteren Naturschutzbehörde erläuterten, dass die Wiederherstellung des Kellers aus Geldern des Ersatzmaßnahmen-Fonds finanziert wurde. Wenn eine Baumaßnahme (etwa ein Windrad) maßgeblich in die Natur eingreift und nicht ortsnah ein Ausgleich geschaffen werden kann, müssen Gelder in den Fonds eingezahlt werden, damit anderweitig Naturschutzmaßnahmen gefördert werden können.

Helmut Altreuther, Vertreter des Bundes Naturschutz, der die Ausbauarbeiten des alten Bierkellers zu einem den Fledermäusen gerechten Unterschlupf begleitete, berichtete, dass im Landkreis außer der Schandtauberhöhle in Bettenfeld keine natürliche Höhle als Winterquartier für die gefährdeten Fledermäuse zur Verfügung stehe.

So habe man zahlreiche ehemalige Bierkeller bereits umgestaltet, aber der neueröffnete Fledermauskeller, der zunächst für 20 Jahre zur Verfügung stehe, sei der erste, der aus einem reaktivierten, lange Zeit nicht zur Verfügung stehenden Unterschlupf entstand. Daher war es wichtig, einen Teil des ehemaligen Hohlweges der ehemaligen Ortsverbindungsstraße nach Lauterbach als Einflugschneise freizulegen.

Birkenallee als Wegweiser

So diene auch die Anpflanzung einer Birkenallee der Wegweisung für die Fledermäuse. Es könne durchaus ein bis zwei Jahre dauern, bis die Fledermäuse den Keller entdecken und annehmen. Anschließend begrüßte Bürgermeister Richard Strauß die Anwesenden und leitete zum gemütlichen Teil der Veranstaltung über. Nun ist es für alle Beteiligten also verdientermaßen so weit, dass der Keller der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.

Und ein weiterer Fakt möge die Bemühungen der Familie Schwemmbauer um die Erhaltung eines kulturellen Erbes belohnen: sowohl die Brauerei Schwab als auch der zu ihr ehemals gehörende Eiskeller werden im Rahmen eines von der EU mitfinanzierten Pilotprojektes der Erfassung "Historischer Kulturlandschaftselemente" aufgenommen in eine zukünftige "Ebene" (Layer) des Bayernatlas.

Offensichtlich benutzte das mit Brau- und Schankrecht ausgestattete Anwesen Nr. 27 alter Zählung bis 1819 nur einen heute noch existierenden Keller aus dem Jahr 1706, denn eine Inschrift über dem Kellereingang des wiederausgegrabenen Kellers weist Besitzer und Baujahr aus. Der Keller ist im Jahr 1833 in der Karte der Uraufnahme im Hohlweg der Straße von Geslau nach Lauterbach eventuell mit einem Haus und dem Eintrag, dass hier ein Keller vorhanden sei, aufgeführt. Der Hopfen für das Bier der im 19. Jahrhundert zahlreichen Brauereien in der Umgebung wurde nach Einzeichnungen in der Uraufnahme noch in lokal vorhandenen Hopfenanpflanzungen erzeugt. Nach Erzählungen Geslauer Bürger ist im Keller noch anfangs des 20. Jahrhunderts auch Eis zur Kühlung des Bieres eingelagert worden, das in den Wintermonaten in den umliegenden Teichen geschlagen wurde.

Nach erst kürzlich erfahrenen Berichten eines Geslauer Bürgers diente der Keller der Familie Schwab in den Tagen Ende des zweiten Weltkrieges auch als Versteck für den Vater eines über verschiedene ostdeutsche Städte nach Nürnberg und von dort zu Fuß nach Geslau flüchtigen Soldaten der Wehrmacht.

Keller zugeschüttet

Im Zuge der Flurbereinigung in den 60er bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde infolge der Idee der Schaffung größerer und damit rentablerer Flurstücke die Straße von Geslau nach Lauterbach verlegt und der nicht mehr bewirtschaftete Keller im Rahmen der Neubildung von Flurstücken zugeschüttet.

Mit der Neuverteilung gelangte das Flurstück zusammen mit dem ehemaligen Kellers in den Besitz von Rudolf Schwemmbauer. Dieser äußerte sich bereits in den 1990er Jahren am Rande einer Veranstaltung anläßlich des Teilraumgutachtens "Ansbach-Nord" als Bürgermeister der Gemeinde Ges-lau gegenüber dem Verfasser des Artikels, dass so etwas wie das Verschütten eines 200 Jahre alten Felsenkellers heute wohl nicht mehr geschehen würde. Die Idee, den Keller wieder freizulegen und zu nutzen, verließ ihn nie, obwohl sich manche Ideen auf Grund verschiedener Ereignisse zerschlugen. Erst die Kontakte zur Unteren Naturschutzbehörde und dem Bund Naturschutz führten zum Erfolg.

Die Hofstelle ist wie viele der erfassten Häuser Geslaus, bis ins Jahr 1579 belegt. Wann das heutige Hauptgebäude errichtet wurde, ist nicht bekannt, 1895 wurde als Sandsteinanbau ein Postlokal eingerichtet. 1907 erfolgte der Abbruch und Neubau des Viehstalls, 1927 Neubau von Kegelbahn und Fassremise.  

beh

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Geslau