Donnerstag, 15.11.2018

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Emsländer plant Millionen-Investition in Steinacher Gasthof

Festsaal soll Hotelzimmern weichen - Unterkunft für preisbewusste Gäste - 12.01.2018 15:52 Uhr

Erste Investitionen wurden schon getätigt: Im altehrwürdigen Gasthof Sämann soll neues Leben einziehen © sis


Nachdem der insolvente Landgasthof Sämann einige Jahre geschlossen war, soll sich das Haus nun wieder neu mit Leben füllen. Schon im Frühjahr letzten Jahres hat das Unternehmer-Ehepaar Sascha und Miriam Kleinhaus die Gastronomie-Immobilie am Bahnhof günstig erworben, als gute und zentrale Übernachtungsmöglichkeit für seine Mitarbeiter, aber auch für preisbewusste Schläfer.

Saal und Kegelbahn sollen verschwinden

Aufgrund des momentan nicht ausreichenden Brandschutzes und der zum Teil noch ausstehenden Renovierung werden die Zimmer derzeit ausschließlich von Monteuren bewohnt. Die Satellitentechnik im Gebäude ist bereits erneuert und für jeden Gast wurde eine Wlan-Verbindung installiert. Küche und Gaststätte mussten den behördlichen Anforderungen angepasst werden.

In weiteren Schritten will der Investor die vorhandene Zimmeranzahl vervielfachen, denn das Gelände ist sehr weitläufig. Das Konzept sieht die Neuausrichtung des Landhotels zur modernen Variante Bett und Frühstück vor mit 70 Betten. Der Saal und die Kegelbahn werden zurückgebaut. Im heutigen Saal sollen ebenfalls Hotelzimmer entstehen. Der Keller soll zum Sauna- und Fitnessbereich umgestaltet werden. Scheune, ehemalige Stallungen und Garagen weichen dem Neubau einer Pension – architektonisch gestaltet als zwei baugleich sich gegenüberstehende Gebäude. Geplant sind 96 Betten im Doppelzimmer. Die Gäste nutzen jeweils Gemeinschaftsbäder und Gemeinschaftsküchen.

Bahnreisende könnten profitieren

Das Schlacht­haus wird zurzeit entkernt. Im Anschluss beginnt der Umbau der Räume zu einer Betriebsleiterwohnung mit etwa 130 Quadratmeter Wohnfläche. Im Bereich der Grünfläche unter dem vorhandenen Baumbestand soll ein großer Biergarten und ein neuer Spielplatz entstehen. Im ehemaligen Metzgereiverkauf ist ein Kiosk angedacht, um die Hotel- und Pensionsgäste, die um- und einsteigenden Bahnreisenden und die Bewohner in der Umgebung mit Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen. Der örtliche Traditions-Handwerksbetrieb Beisbart gab zum Jahres­ende auf, weil für die Un­ternehmens­nach­folge aus Altersgründen kein geeigneter Kandidat gefunden wurde. Der Kiosk wird verpachtet.

Für das Lokal hat Sascha Kleinhaus einen geeigneten Pächter gefunden, der ein Potential zur Weiterentwicklung am Standort sieht. Von einer bestmöglichen und professionellen Bewirtschaftung des Hotel- und Gaststättenbetriebes würden Gemeinde und Bahnverkehr profitieren, aber auch Berufs­pendler und Fahrradtouristen in der Region. Für den Erfolg müssen Kommune und Investor an einem Strang ziehen und ein gemeinsames Interesse verfolgen. Dass mit dem Zimmerausbau der Veranstaltungssaal wegfallen soll, wäre fatal.

Zielgruppe: Kurzurlauber und Lkw-Fahrer

Damit würde man auf einen Anziehungspunkt für gelungene Landhochzeiten, Familienfeste und Firmenveranstaltungen mit mindestens zweihundert Teilnehmern verzichten. Die große Stube böte eine chancenreiche Variante neben Restaurant und Biergarten. Damit würde am Standort eine weitere verlässliche Einnahmequelle geschaffen, um gutes Personal zu finden und zu fördern – ein wichtiger Faktor für den Geschäftserfolg.

Zum Wohlfühlen und Wiederkommen braucht es eine professionelle Struktur. Die Zimmerbewirtschaftung will der Un­ternehmer mit eigenen Leuten bewerkstelligen. Das Hotel soll nach der Fertigstellung zwei Interessensgruppen ansprechen. Die 70 Hotelbetten mit dem "Standard 3 Sterne plus" den durchreisenden Handelsvertreter sowie die Urlaubsreisenden. Die zweite Zielgruppe sind die Kurzurlauber in der Region. Die 96 Pensionsbetten sind für den Monteur, für Studenten, für Lkw-Fahrer oder für Reisende mit einem geringeren Budget vorgesehen.

Zentrale Übernachtungsstelle

Im Stil der Budget-Hotelketten will der Investor günstige Zimmer anbieten, die sich nicht billig anfühlen sollen. Die niedrigen Übernachtungkosten erkauft sich der Gast durch den Verzicht auf manches Gewohnte. Extrawünsche während des Aufenthaltes kosten einen Aufpreis – zum Beispiel ein Fön, ein zusätzliches Handtuch oder eine weitere Zimmerreinigung.

ascha Kleinhaus ist in mehreren Branchen tätig: Im Straßen- und Landschaftsbau, in der Grau- und Grünflächenpflege und als Personaldienstleister für Unternehmen wie Strabag (eines der größten Bauunternehmen Europas), denen er seine Arbeitnehmer ausleiht. Beispielsweise für den Straßen- und Brückenbau oder momentan für die Autobahn­sanierung bei Uffenheim. Die Arbeiter übernachten in Steinach, wo sie ein Dach über dem Kopf, ein Bett und etwas zu essen vorfinden. Das Haus ist eine Art zentrale Übernachtungsstelle im süddeutschen Raum für die Beschäftigten von Kleinhaus. Im Restaurant und für den Hotelgast gibt es täglich ein internationales Frühstück und die Gerichte des italienischen Restaurants.

Francesco Conocchia bewirtet seine Gäste im Steinacher Gasthof Sämann mit italienischen Spezialitäten. © sis


Seit gut sechs Wochen hat das Lokal einen neuen Pächter. Francesco Conocchia hat italienische Wurzeln. Seine aus Kalabrien stammenden Eltern kamen in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Nürnberg, wo Franceso Conocchia geboren wurde und mit sechs Geschwistern aufwuchs. Seit seiner Jugend arbeitet er in der Gastronomie. Der gelernte Restaurantfachmann und Vater einer inzwischen erwachsenen Tochter hat in leitenden Positionen in führenden Häusern in Österreich und in der Schweiz große Verantwortung getragen mit hohen Arbeitsanforderungen.

Obwohl dieser Job anstrengend ist, ist er für ihn immer noch der schönste Beruf. Er kennt sich aus in der Branche, in der er sich jetzt selbstständig gemacht hat, um sein eigener Chef zu sein. Zeitweise hat er einen Freund in Nürnberg im Gourmet-Restaurant unterstützt oder seinem Neffen in der Pizzeria am Flugplatz Rothenburg ausgeholfen, wo zu Stoßzeiten bis zu 500 Pizzen am Tag in der kleinen Gastronomieküche zubereitet werden. Es besteht eine große Hilfsbereitschaft zur großen Verwandtschaft, die in Nürnberg und Umgebung 30 bis 40 Restaurants betreibt: Jeder hilft jedem."

An Silvester komplett ausgebucht

Die örtlichen Gegebenheiten in Steinach kannte Francesco Cono­cchia von früher. In den 1990er Jahren hatte er für ein paar Monate im Bahnhof eine Pizzeria aufgemacht. "Im Winter lief das Geschäft gut, aber im Sommer hatte ich null Chancen gegen den Gasthof Sämann. Der Familienbetrieb war eine Institution mit seiner langen Tradition." Seniorchef Sämann feierte im Dezember seinen 80. Geburtstag bei dem neuen Pächter mit der italienischen Küche. Es besteht ein gutes Einvernehmen in der Hausgemeinschaft. Der Altsitzer und seine Frau wohnen mit im Haus. Unternehmer Sascha Kleinhaus nutzte die Lokalität für die Weihnachtsfeier mit seinen Mitarbeitern. Auch mit Frau und Kindern ist er immer wieder Gast. An Silvester war das Restaurant restlos ausgebucht und stieß aus Platzmangel an seine Kapazitätsgrenze.

Ein Unternehmer aus dem Emsland plant Investitionen in Millionenhöhe in Steinach, Ortsteil von Gallmersgarten © Hans-Bernd Glanz


Das leckere Essen und die durchgehende Küche an den Wochenenden und an Feiertagen von 11 bis 23 Uhr hat sich durch Mundpropaganda herumgeprochen. Unter der Woche (Montag ist Ruhetag) hat Francesco Conocchia von 11 bis 14.30 Uhr geöffnet. Drei miteinander befreundete Frauen aus Burgbernheim und Marktbergel, die gemeinsam einen Kurzurlaub in Bad Wörishofen verbracht haben, waren nach der staureichen Rückreise am Dreikönigstag froh, ihren Hunger außerhalb der Essenszeit stillen zu können. Ein Bekannter hatte ihnen die Adresse empfohlen. Die Drei waren positiv angetan vom Service und von der Qualität. Beim Erzählen schwelgte eine der Frauen auf einmal in schönen Erinnerungen. 1973 hat sie im damaligen Sämann-Saal ihre Hochzeit gefeiert. 

sis

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