Mittwoch, 21.11.2018

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Es war eine wahre Freude

Konzert im Salon zum 207. Liszt-Geburtstag und Bläser-Ständchen - 23.10.2018 12:27 Uhr

Musikalischer Genuss: Sopranistin Amelie Petrich, begleitet von Pianist Florian Glemser am Flügel. © Schwandt


Der Pianist Florian Glemser und die junge Sopranistin Amelie Petrich musizierten Werke von Freunden des großen Komponisten.

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847), Sohn einer bürgerlichen jüdischen Familie, galt als Wunderknabe und Musterkind, er brachte als 20-Jähriger die Bachsche Matthäuspassion zur Aufführung. Den gut zweieinhalb Jahre jüngeren Franz Liszt bezeichnete er im Jahr 1820 als den "dilettantischsten aller Dilletanten". Liszt nahm ihm das keineswegs übel. Im Gegenteil, er fühlte sich motiviert und angespornt, in seiner Entwicklung zu seinem Musikerkollegen aufzuschließen. Zwischen beiden bahnte sich eine enge, freundschaftliche Beziehung an: So hatte Liszt beispielsweise eine Klavierbearbeitung von Mendelssohns Sommernachtstraum komponiert.

Mit dem "Hexenlied" in g-Moll und dem "Schilflied" gelang den beiden Künstlern ein temperamentvoller Einstieg in den Liederabend, Amelie Petrich begeisterte mit ihrer glockenhellen, geschmeidigen Stimme und der Liszt-Preisträger Florian Glemser brillierte am neuen Konzertflügel insbesondere auch als Solist bei den "Liedern ohne Worte" mit einer vollendeten Darbietung.

Im zweiten Teil widmeten sich die Künstler der Beziehung von Franz Schubert (1797 bis 1828) zu Franz Liszt. Schubert sei zu seiner Zeit ein wenig geachteter Komponist gewesen, so Florian Glemser, der das Publikum gekonnt und charmant durch den Abend begleitete. Franz Liszt jedoch schätzte Schubert schon zu seinen Lebzeiten als herausragenden Musiker und setzte ihm mit einer Fülle von Liedbearbeitungen ein Denkmal.

Ohrenschmaus

Für die Zuhörer bot sich ein weiterer Ohrenschmaus, mit dem bekannten Kunstlied "Auf dem Wasser zu singen", von dem Liszt übrigens eine Klavierbearbeitung veröffentlichte. Amelie Petrich zog das Publikum mit ihrer Interpretation des Schubertschen Originals in ihren Bann, durch ihre klare Artikulation und die spannungsreiche Darstellung vereinte sie gekonnt die Textbotschaften mit der Melodie, getragen von der wunderbar-romantischen Untermalung am Klavier.

Mit Robert Schumann (1810 bis 1856) und dessen Vertonung der Loreley in cis-moll hatte die beiden Künstler einen weiteren Zeitgenossen des Geburtstagskindes in ihr Programm aufgenommen. Florian Glemser zeigte sich erneut als einfühlsamer, doch keineswegs im Hintergrund verschwindender Begleiter der ausdrucksstarken Sopranistin, die gestisch und mimisch die dramatische Handlung spannungsreich gestaltete. Schumann hatte Liszt eines seiner Hauptwerke, die große C-Dur-Fantasie gewidmet, Liszt wiederum widmete Schumann seine Phantasie in h-moll, dennoch war die Beziehung der beiden großen Komponisten von Bewunderung und Skepsis geprägt.

Ja, die Liebe

In Liederabenden spielt die Liebe eine große Rolle, es gibt wohl kaum ein Lied, in welchem nicht die verschiedenen traurigen, euphorisierenden, schönen und erschütternden Facetten der Liebe ausgebreitet werden. Im letzten Teil des Konzerts erklangen Lieder des Geburtstagskindes, ein Glückwunsch an Franz. Liszt war als Liedkomponist auch immer Pianist mit seiner harmonischen Unterfütterung der Gesangsstimme, so dass ein musikalisches Gesamtkunstwerk entstand. Dem hohen Anspruch des großen Meisters entsprechend  endeten die beiden Künstler mit dem Liebestraum: "O lieb, so lang du lieben kannst".

Zum 207. Geburtstag von Franz von Liszt hatten Bürgermeister Michael Trzybinski und Hans Emmert vom Kulturförderverein zum Liszt-Denkmal in den Kardinalsgarten eingeladen.

Das Bläserquintett bringt Liszt im Kardinalsgarten ein Ständchen zum 207. Geburtstag. © Schwandt


Dort wartete das Bläserquintett mit seinem Leiter Jürgen Strauß (Trompete), Victor Schlund (Trompete), Bernd Ehnes (Trompete), Daniel Ehnes (Tenorhorn) und Dieter Mohr (Tuba) mit einem Ständchen auf: "O Roma nobilis" hatte Liszt seinem Schillingsfürster Freund, Kurienkardinal Gustav Adolf zu Hohenlohe-Schillingsfürst gewidmet, ein Faksimile davon befindet sich im Schloss.

Das Schillingsfürster Liszt-Denkmal sei das einzige, das bereits zu Lebzeiten des großen Künstlers und wahren Europäers errichtet wurde, so der Bürgermeister der Schlossstadt. Darauf sei man sehr stolz. Anschließend sei ein rauschendes Fest im Schlosskeller gefeiert worden.

Er dankte dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kulturfördervereins Hans Emmert für sein großes Engagement ebenso wie dem neuen künstlerischen Leiter, dem Pianisten Florian Glemser. Noch einmal waren die Bläser zu hören, mit der Lisztschen Choralbearbeitung von "Was Gott tut, das ist wohlgetan" – ein würdiger Abschluss der überaus wertschätzenden Feierstunde. 

sw

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