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Freitag, 16.11.2018

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Gaben der Natur wertschätzen

Bei Obstversteigerungen ergänzen sich ethisches Handeln und Eigennutz - 03.09.2018 12:51 Uhr

Bevor man sein Gebot abgibt, wird der jeweilige Baum ganz genau begutachtet und die Früchte probiert. © Scheuenstuhl


An zwei Samstagen machten sich also einige Liebhaber von ungespritzten Birnen, Zwetschgen und Äpfeln auf, in den einzelnen Ortsteilen die gemeindlichen Obstbestände unter die Lupe zu nehmen und darauf zu bieten. In Mörlbach und Bergtshofen fanden sich einige Interessenten, wodurch ein doch recht ansehnlicher Betrag eingenommen werden konnte, freut sich Bürgermeister und Auktionator Emil Kötzel.

Bei diesen Versteigerungen geht es aber weniger darum, finanziell möglichst viel herauszuholen, um den Gemeindesäckel aufzustocken. Vielmehr steht die Wertschätzung der kostenlosen Gaben der Natur im Vordergrund – sowie die Bewegung an der frischen Luft und das gesellige Plaudern. Und darum kann auch der jüngste Termin in Gallmersgarten und Steinach/Ens durchaus als Erfolg gewertet werden.

Beim Abgehen des Obstbaumbestandes tut es einem in der Seele weh, wie viele Früchte bereits auf dem Boden gelandet sind und nur noch von der Natur selbst verwertet werden können. Umso erfreulicher ist es, wenn durch die Versteigerung die noch am Baum verbliebenen Früchte demselben Schicksel entgehen und stattdessen einem sinnvollen Zweck zugeführt werden können – und sei es eben für einen symbolischen Betrag von wenigen Euros.

Kurzer Prozess

Um so viel Obst wie möglich an den Mann zu bringen, macht der Auktionator dann auch gerne mal kurzen Prozess: Scheint es, dass ein kleinerer Baum aufgrund seiner recht überschaubaren Ernte keinen Abnehmer finden wird, gibt Emil Kötzel ihn einfach zu einem bereits ersteigerten Baum mit dazu – mit Einverständnis des Bieters, aber ohne Aufpreis. Bevor man sein Gebot abgibt, begutachtet man natürlich den jeweiligen Baum und testet dessen Früchte. Ein hitziges Preisgefecht mit einem stetigen Überbieten wie man das aus Filmen kennt, gibt es allerdings nicht. Diese Zeiten sind vorbei. Früher erzielte man für den "Baum der Bäume", wie Emil Kötzel einen ganz besonders stattlichen und ertragreichen Apfelbaum in Gallmersgarten nennt, durchaus bis zu 70 Euro.

Damals wurden die einzelnen Bäume im Vorfeld gekennzeichnet. Die Interessenten schauten sich diese dann auf eigene Faust an und im Wirtshaus wurde anschließend darauf geboten. Im Laufe der Zeit kam der eine oder andere Bieter zu seinem angestammten Baum, den er Jahr für Jahr aufs Neue ersteigerte – schließlich wusste er ja am besten, was dieser zu bieten hatte.

Neben diesen treuen und loyalen Teilnehmern der Versteigerungen aus der Gemeinde selbst stoßen auch immer ein paar Auswärtige zu den Aktionen in den Ortsteilen hinzu. Der angenehm unverkrampfte Charakter der Versteigerung zeigt sich auch darin, dass die alteingesessenen Bieter auch mal den "Neulingen" die Möglichkeit geben, ihre "Stammbäume" zu ersteigern. Oder man bietet dem unterlegenen Mitstreiter an, sich eine Kiste Äpfel von dem eigenen Baum zu holen, der über und über vollhängt. 

mes

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