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Großübung des Gefahrgutzugs in Schillingsfürst

Mehrere Wehren des Landkreises Ansbach beteiligten sich an der Simulation - 21.04.2017 14:50 Uhr

Ein Großaufgebot an Einsatzkräften fand sich für die Übung in Schillingsfürst ein.

Ein Großaufgebot an Einsatzkräften fand sich für die Übung in Schillingsfürst ein. © Guttropf


Im Flächenlandkreis Ansbach ist der Gefahrgutzug nicht bei einer Feuerwehr stationiert, sondern wird gemeinsam von den Wehren Feuchtwangen, Rothenburg und Schnelldorf betrieben. Die Aufteilung erfordert einen großen Übungsaufwand, der in den einzelnen Wehren und bei gemeinsamen Übungen absolviert wird.

Schon vor Jahren hat man die Erkenntnis gewonnen, dass es sinnvoll ist, diese Übungen gemeinsam mit Ortswehren abzuhalten, die nicht am Gefahrgutzug beteiligt sind, aber Unternehmen mit gefährlichen Stoffen in ihrem Einzugsgebiet haben. Der erste Alarm geht nämlich immer an die Ortswehr, die die Lage erkunden muss und für die Brandbekämpfung zuständig ist.

Simuliert wurde in Schillingsfürst das Auslösen eines Brandmelders in einem Fabrikgebäude mit anschließendem Chemikalienaustritt aus einem Behälter im Lager. Die Sicherheitsbeauftragten des Unternehmens nutzten die Chance, einen realen Alarm durchzuspielen und unterrichteten den Wachdienst, bei dem der Brandalarm aufläuft nicht von der Übung. So konnte bereits der Ablauf der Alarmierung minutiös dokumentiert werden.

Gefahrgut in drei Metern Höhe

Die Feuerwehr Schillingsfürst, die als erstes am Einsatzort eintraf, erkundete das Gebäude und hatte den Brand zu bekämpfen. Für die Stützpunktwehr der Schloss-Stadt, bei der der frischgebackene Zugführer Markus Baumann als Einsatzleiter seine Feuertaufe zu bestehen hatte, war das Szenario sehr lehrreich. Vor allem das Erkennen des defekten Gefahrgutbehälters, der in drei Metern Höhe positioniert war, erwies sich in dem stark verrauchten Raum als sehr zeitintensiv, da sich die Atemschutzträger auf allen Vieren am Boden bewegen und aufgrund der Rauchentwicklung weder den Behälter sehen noch den ausgelaufenen Stoff riechen. So wurden die Feuerwehrleute schnell kontaminiert, da sie mit dem ausgelaufenen Gefahrgut am Boden in Kontakt kamen.

Dekontaminierung der Atemschutzträger in der Reinigungsstation.

Dekontaminierung der Atemschutzträger in der Reinigungsstation. © Guttropf


Doch wie unterscheidet man, ob die Flüssigkeit unter sich ein Gefahrstoff ist oder Löschwasser und darf man nach dem Erkennen der giftigen Stoffe einfach weiter löschen? Diese Fragen müssen in folgenden Schulungen aufgearbeitet werden. Nachdem der Gefahrgutzug alarmiert wurde fuhr ein Großaufgebot an Feuerwehrfahrzeugen an. Die Wehren aus Feuchtwangen und Schnelldorf rüsteten sich für den Innenangriff. Die Feuerwehr Rothenburg ist im Zusammenspiel für die Dekontaminierung der Einsatzkräfte zuständig und baute hierfür eine Reinigungsstation auf. Auch für die Atemschutzträger in den Chemikalienschutzanzügen erwies sich das Szenario als Herausforderung.

Das sehr eingeschränkte Sichtfeld erschwerte das Auffinden des hoch gelagerten Behälters, der abzudichten war. Die drei Kameraden an der Front hatten dafür zu sorgen, dass sehr viele Gerätschaften an den Ort des Geschehens kamen. Während vor der Halle viele Helfer bereitstanden, musste in der Fabrik der Einsatz zu Dritt abgearbeitet werden.

Abdichten und Abstreuen

So wurden zum Beispiel eine Steckleiter, ein großer Auffangbehälter, Abdichtmaterial, Bindemittel und eine Arbeitsbühne zum Einsatz gebracht. Der auslaufende Gefahrstoff wurde schließlich erkannt und an die Einsatzleitung gemeldet, von wo aus man das weitere Vorgehen koordinierte. Durch Abstreuen wurden die Gefahrstoffe am Fabrikboden gebunden und gesammelt. Auch das Abdichten der Kanalschächte wurde angeordnet, damit keine Gefahrstoffe in die Kläranlage gelangen konnten.

Nach Beendigung des Einsatzes wurden die Schutzanzüge unter Duschen gereinigt, bevor sie abgelegt und durch Wechselkleidung ersetzt werden mussten, hierbei waren viele helfende Hände und Bürs­ten gefragt. Wie bei jedem Feuerwehreinsatz konnte man auch bei dieser Groß­übung auf die Unterstützung der Hilfskräfte des Roten Kreuzes unter der Leitung des neuen stellvertretenden Schillingsfürster Bereitschaftsleiters Slawa Nikitin bauen.

Gute Zusammenarbeit

Der Ablauf wurde durch die zuständigen Führungskräfte der Feuerwehren geplant und intensiv beobachtet. Kreisbrandrat Thomas Müller verschaffte sich über das Zusammenspiel der eingesetzten Kräfte ebenso einen Überblick, wie die Kreisbrandmeister Dominik Wenninger und Manfred Grasser, der als Fachberater Gefahrgut als Leiter des Gefahrgutzuges fungiert. Stadtbrandmeister Thorsten Haack aus Rothenburg und die Kommandanten der beteiligten Wehren Marcus Lechner (Schnelldorf), Carsten Halter (Feuchtwangen) und Stefan Sterner (Schillingsfürst) begleiteten die Großübung als Beobachter, um Erkenntnisse für weitere Einsätze zu erlangen.

Die Führungskräfte bedankten sich bei den Ehrenamtlichen für die gut durchgeführte und zeitintensive Übung. Der Dank galt auch der Firma C.F. Maier, deren Werkleiter Davor Prosinecki gemeinsam mit seinen Sicherheitsbeauftragten viele Erkenntnisse über den Ablauf eines Schadensfalles in ihrer Firma gewonnen haben. 

sg

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