Mittwoch, 14.11.2018

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Hans Böhme: Ein Maler, der weiter Rätsel aufgibt

Seine Werke waren Thema beim jüngsten Kunstgespräch im Reichsstadtmuseum - 10.04.2014 13:16 Uhr

Eine Aufnahme von Hans Böhme in der "Künstlerklause" im Markusturm, circa 1955. © privat


Ein erstaunlich großer Teil der etwa 40 Besucher gab bei der Sonntags-Matinée an, selbst ein Bild des Rothenburger Malers zu besitzen. Aber nicht nur die überraschend hohe Anzahl der Teilnehmer, sondern auch die Tatsache, dass seine Nichte aus Eichstätt angereist war, zeigt die ungebrochene Popularität des Künstlers.

Dennoch gab und gibt der Künstler Rätsel auf. Museumsleiter Dr. Möhring versuchte im Dialog mit den kunstinteressierten Gästen immer wieder, dem Wesen, dem Denken und dem künstlerischen Verständnis Böhmes auf die Spur zu kommen.

Hans Böhme (geboren 1905) gehörte der Generation der "jungen Wilden“ um Rudolf Schacht (1900 bis 1974), Max Ohmayer (1903 bis 1970) und Ernst Unbehauen (1899 bis 1980) an, die die Kunstszene in Rothenburg vor und nach dem Krieg entscheidend prägten.

Die ersten bekannten Werke Böhmes – die meisten sind undatiert – lassen sich in die Rubrik "nationalsozialistische Propaganda“ einordnen. Obwohl handwerklich gelungen, bleibt durch die pathostriefenden Aussagen ein schaler Beigeschmack. Die Frage, ob und wieweit sich Hans Böhme mit dem Inhalt identifizierte, ist allerdings nicht mit Sicherheit zu beantworten.

Auch infiziert?

Als Angehöriger der Propaganda-Abteilung war er einerseits verpflichtet, Kampfhandlungen zu heroisieren, andererseits ist es durchaus denkbar, dass auch er vom Gedankengut des Nationalsozialisten infiziert war.

Laut Aussage eines Besuchers, der Hans Böhme wohl noch persönlich gut kannte, versteckte sich der Maler in den ersten Tagen nach dem Zusammenbruch des Regimes aus Furcht vor „Entnazifizierungsmaßnahmen“. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – trat er nach dem Krieg bis zu seinem Tod 1982 nie wieder öffentlich in Erscheinung.

"Taubertal mit Stadtsilhouette" von Hans Böhme. © privat


In den Jahren des Wiederaufbaus malte er Fresken in der Rossmühle, fertigte Sgrafittos, schuf Landschaften, Stadtansichtung und bisweilen Porträts - alles handwerklich breit gefächert, solide bis gute, aber auch recht unspektakuläre Kunst.

Bisweilen näherte er sich dem Malstil seiner Kollegen wie Harald Krasser, Rudolf oder Wilhelm Schacht an, verschwand nahezu selbst stilistisch und ist heute in einigen seiner Werke nur durch die Signatur zu identifizieren und unterscheidbar.

Spontanität in Modernem

Nur in einigen späten Ölbildern blitzt eine spontane Auffassung durch, die davon zeugen, dass er der Moderne durchaus aufgeschlossen war. Dass in seinem Werkekatalog überdies auch Motive aus Nürnberg, aus Ungarn und aus den Alpen auftauchen, zeigen darüber hinaus seine Reiselust und stehen nicht zuletzt auch für die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.

Bis heute ist vielen Rothenburgern Hans Böhme ein Begriff und sie haben dieses typische Bild vor sich. "Er war ein elegant gekleideter Mann, der in der Öffentlichkeit immer mit Fliege und Sakko auftrat“, so der Tenor derjenigen, die sich noch an ihn erinnern, "sehr höflich und zurückhaltend“ - und dennoch künstlerisch und menschlich schwer greifbar. Sein Name steht immer noch auf dem Türschild seines ehemaligen Hauses in der Rothenburger Stollengasse: "Hans Böhme/akademischer Kunstmaler“. 

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