Mittwoch, 21.11.2018

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Hüter eines Kulturguts

Fränkisch-sächsischer Austausch übers Deichelbohren - 22.10.2018 14:07 Uhr

Georg Krauß (li.) mit Enkel Julian (re.) und Hans-Jürgen Wenzel. © Timo Weber


Zugegebenermaßen hat es etwas länger gedauert, bis die Begegnung schließlich stattfinden konnte. Vor zehn Jahren wurde Georg Krauß das erste Mal auf Hans-Jürgen Wenzel aufmerksam. In einer Fachzeitschrift, die er von seiner früheren Chefin bekommen hatte, wurde Wenzel angesichts seines "Exotenstatus" portraitiert: Denn er sei, so das Magazin, der letzte bekannte Röhrmeister Europas.

Dieser Berufsstand sicherte einst die Wasserversorgung der Bevölkerung, als das kühle Nass noch in Holzleitungen von A nach B transportiert wurde. Dafür wurden Holzstämme durchbohrt. Auch Georg Krauß hat dieses Handwerk in seiner Zimmererlehre gelernt. Heute stellt er diese sogenannten Deicheln nur noch auf Anfrage her – etwa für das Schillingsfürster Brunnenhausmuseum –, damit diese Handwerkskunst nicht vollends in Vergessenheit gerät.

Im losen Kontakt

Vor einiger Zeit hat Georg Krauß nun bei sich zu Hause ausgemistet und da fiel ihm die Zeitschrift mit dem Artikel wieder in die Hände. Er machte daraufhin Hans-Jürgen Wenzel im erzgebirgischen Friedebach ausfindig und blieb telefonisch mit ihm im losen Kontakt. Angesetzte Treffen mussten aber immer wieder verschoben werden.

Vor Kurzem setzte der Schillingsfürster "Holzwurm" dann alles auf eine Karte und fuhr mit Frau und den beiden Enkeln auf gut Glück ins Erzgebirge. Und tatsächlich traf er Hans-Jürgen Wenzel zuhause in seinem "Röhrenbohrwerk" an. Die Beiden nutzten die Gelegenheit und fachsimpelten über ihre unterschiedliche Herangehensweise beim Deichelbohren. Während bei Wenzel etwa der Bohrer starr ist und der Stamm in den Bohrer geschoben wird, muss Georg Krauß sich mit dem handbetriebenen Bohrer durch das Holz mühen.

Einst wurde der Bohrer durch Wasserkraft betrieben – davon zeugt noch der Bach hinter Wenzels Werkstatt. Mittlerweile läuft er aber elektrisch. Zudem bearbeitet der Erzgebirger dünnere Stämme. Das aus den Holzstämmen herausgeholte formschöne Innenleben bezeichnet Georg Krauß als "Holzblume", bei Hans-Jürgen Wenzel heißt es "Dudel".

Bei der Führung durch die Werkstatt bekamen die Schillingsfürster Ausflügler nicht nur Maschinen-Oldtimer zu Gesicht, sondern auch einen eineinhalb Meter hohen Wasserverteiler – der natürlich aus einem Holzstamm gefertigt wurde. 

mes

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