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Im Wonnemonat eiskalt erwischt

Frosteinbruch trifft die Kulturen in den Gärten, im Weinberg und in der Flur schwer - 13.05.2011 13:05 Uhr

Siegfried Köhl (links) zeigt Willi Schleicher erfrorene Stachelbeeren. © Pfänder/Weber


„So schlimm war es noch nie“, klagen langjährige Besitzer von Klein­gärten auf der Leonhardshöhe und können sich an keine ähnlich gravierende Eiszeit im Wonnemonat Mai erinnern.

Bis minus fünf Grad hat in den vergangenen kalten Nächten die Gärtnerei Wagner in Gebsattel gemessen. Zu Schaden gekommen sind allerdings nur ein paar japanische Ahornstämme, die im Kübel draußen gestanden waren. Die Blätter sind braun, aber der Ahorn treibt wieder aus.

Auch die Blätter der Magnolie hat der Frost erwischt. Sie sehen jetzt aus wie vertrocknet. Die schwarz verfärbten und schlaff herabhängenden Blätter an Esche oder Walnussbaum zeigen, dass auch diese von den Nachtfrösten schwer gezeichnet sind. Große Frostschäden weisen auch Kirschen- und Zwetschgenbäume auf.

Nach dem letzten Stand muss man sich darauf einstellen, dass bei uns in diesem Jahr die Ernte dieser Obst­sorten so ziemlich ausfallen wird. Als wir uns jetzt in Rothenburg in den Kleingärten „Leonhardshöhe“ umgesehen haben, waren die Wasserwarte des Vereins gerade dabei, drei aufgefrorene Wasseruhren auszutauschen. „Wir haben den Garten nun 37 Jahre, aber dass es einmal so schlimm war, wie jetzt kann ich mich nicht erinnern“, lässt der Vereinsvorsitzende Willi Schleicher wissen und zeigt uns beim Rundgang die diversen Schäden, die der Nachtfrost hinterlassen hat.

Robuste Pfingstrosen

Während zum Beispiel die frischen Austriebe der Weinstöcke und die jungen Blätter der drei vor dem Vereinsheim stehenden Platanen total erfroren sind, hat es Pfingstrosen oder Margaritenstamm (obwohl dieser veredelt ist) nichts gemacht.

Auf ein und demselben Beet habe es Erdbeeren und Radieschen erwischt, den Krausesalat aber nicht, wundert sich Vereinsvorsitzender Willi Schleicher. Sogar im Folienhaus habe es die eine Pflanze (wie etwa den Enzianstrauch) getroffen, andere wieder kaum.

„Die ganze Welt spinnt heut“, umschreibt Kleingartenbesitzer Siegfried Köhl den neuen Trend, immer früher mit der Gartenarbeit zu beginnen, zu säen und die kleinen Pflanzen möglichst bald ins Beet zu setzen. Früher habe es beim Gärtner vor den Eisheiligen keine jungen Pflanzen zu kaufen gegeben, heute könne man es nicht erwarten, betont der ehemalige Vorsitzende des Kleingartenverein, der als Fachberater weiß wovon er spricht.

„Vor dem ersten Mai geht mer nit in Garten nei“, verweist Vorsitzender Willi Schleicher auf einen Spruch der Kleingärtner, der früher als Gesetz galt. Diese Regel hat heuer bei den verfrüht einsetzenden Eisheiligen wieder einmal mit schmerzlicher Nachdrücklichkeit ihre Gültigkeit bewiesen.

Schlag für Tauberzeller Wein

Besonders schwer betroffen von den zurückliegenden heftigen Nachfrösten ist der Wein am Rebhang des gemeindlich zu Adelshofen gehörenden Tauberzell. Bürgermeister Johannes Schneider sprach gestern gegenüber unserer Redaktion von rund 90 Prozent betroffenen Stöcken. Es müsse mit großen Einschnitten bei der Ernte gerechnet werden, sagte er. Anders als die Weinstöcke am Hang kamen die an Hauswänden, auch beispielsweise in Tauberscheckenbach, ohne Schäden davon.

Die Tauberzeller Winzer setzen nach diesem Tiefschlag jetzt all ihre Hoffnungen auf die zehn Prozent Weinreben ganz oben am Hang, die der Frost nicht erreicht hat. Um unter dem Strich wenigstens einen kleinen Ausgleich schaffen zu können, sind für diesen Bereich die sonst zur Qualitätsverbesserung üblichen Vorgaben für den Rückschnitt ausgesetzt worden. Jetzt gehe es nur noch darum, wenigstens etwas Quantität gut zu machen, betont der Bürgermeister. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Versprechen der Staatsregierung, den besonders betroffenen Winzern unter die Arme zu greifen.

Aus Tauberscheckenbach berichtet Horst Beck, Zweiter Bürgermeister von Adelshofen, von hier – wie im gesamten Taubertal – erfrorenen Blüten und Fruchtansätzen an Zwetschgen- und Kirschbäumen: „Die Ernte ist gelaufen.“ Auch Walnussbäume und Eschen im Ort und entlang des Flusses zeigen sich schwer getroffen. 

hap/-ww-

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