5°C

Mittwoch, 03.02. - 02:36 Uhr

|

Kirchensanierung in Bockenfeld gerät zum finanziellen Kraftakt

Am 06.01. wurde der Einweihungsgottesdienst gefeiert - doch auf die Gemeide kommen hohe Kosten zu. - 12.01.2012 15:10 Uhr

Einweihungsgottesdienst am 06.01. in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Bockenfeld

Einweihungsgottesdienst am 06.01. in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Bockenfeld © sis


Zu Ehren der abgschlossenen Arbeiten an dem alten Bauwerk hielt Pfarrerin Barbara Müller am 6. Januar einen Gottesdienst. Dabei sorgten der Singkreis und Organistin Birgit Bach für die musikalische Note. Baudirektor Jürgen König vom Staatlichen Bauamt Ansbach als zuständige Behörde, dankte in seiner Rede den beteiligten Handwerkern und Restauratoren aus zehn Firmen sowie den Architekten und Ingenieuren für ihre geleistete Arbeit.

Eine Sanierung der Kirche des Heiligen Nikolaus wurde nötig, da an dem  jahrhundertealten Gotteshaus Sandsteinklumpen herunter fielen und für erhebliche Einschränkungen des liturgischen Lebens der Kirchengemeinde sorgten. Ein Gerüst mit Schutznetz wurde errichtet. Es begannen eingehende Untersuchungen über Art und Weise der Natursteinsa­nierung als Vorbereitung der Instandsetzung und der Vertragsgrundlagen.

Turm und Fassade erstrahlen in neuem Glanz

Spektakulär sei die Sanierung nicht gewesen, erläuterte König. Der Naturstein wurde mit erheblichem Aufwand erneuert, ergänzt, gefestigt und neu verfugt. Auch der Glockenstuhl erhielt ein neues Antlitz, damit alle Glocken weiterhin läuten können. Durch die Wahl des Materials – Eiche – geschieht dies substanzschonender für Turm und Glocken, sodass weniger Erschütterungen, auch für den Untergrund, auftreten. Denn ein Grundproblem der Kirche ist der Baugrund auf dem sie steht. Er ist nicht so fest gegründet, wie Statiker, Architekten, Freistaat und die Kirchengemeinde es gerne hätten. Hohl­räume unter den Fundamenten erfordern deshalb ein nachträgliches Verfüllen.

Bei einer früheren Fassadensanierung wurde der Sandstein wasserabweisend behandelt (hydrophobiert). Dies entsprach seinerzeitigen dem neuesten Stand der Technik und ist heute auch noch eine häufige Sanierungsart. Inzwischen weiß man allerdings, dass es bei bestimmten Rahmenbedingungen (Zusammensetzung des Sandsteins als Grund­lage seiner physikalischen Eigenschaften) im Laufe der Zeit zum schalenartigen Abplatzen des Natursteins führen kann. Dies war an der Bockenfelder Kirche der Fall und stellte die Restauratoren vor besondere Herausforderungen. Die teilweise noch vor­handene Wasserabweisung erschwerte die erneute Aufnahme von festigenden Materialien beziehungsweise Verfugungsmaterialien.

Die Baupflicht liegt beim Staat

Die vom Friedhof umgebene einschiffige Kirche ist in staatlicher Baupflicht. Die Verbindlichkeit des Freistaates Bayern zum Erhalt kirchlicher Bauwerke ist im Stiftungsrecht begründet beziehungsweise auch Folge der Säkularisierung – und die ist von Kirche zu Kirche unterschiedlich. Sie besteht so lange, wie das Gebäude seinem ursprünglichen Zweck entsprechend genutzt wird. Es umfasst vorwiegend die statisch konstruktiven Teile der Gebäudesub­stanz.

In Bockenfeld handelt es sich um einen Kirchenbau aus dem 19. Jahrhundert. Die weitreichende Baupflicht, manche sprechen auch von Baulast, beinhaltet Kirchhofmauer, Glockenstuhl, Geläut, Tauf­stein, Altarmensa und Kanzel. „Für uns ist es eine Pflicht, und zwar nicht nur im Sinne des alten römisch-katholischen Rechtsgrundsatzes“, so Jürgen König, „sondern die ernste, aber auch schöne Pflicht, geschichtliches und baukulturelles Erbe für die Zukunft zu erhalten.“

Hohe Kosten für die Gemeindemitglieder

Rund 360.000 Euro wird die Instandsetzung kosten. Der Freistaat Bayern übernimmt 300.000 Euro, die restlichen 60.000 Euro müssen die nur knapp 120 Gemeindeglieder aufbringen. Pfarrerin und Kirchenvorstand tragen deshalb auch in finanzieller Hinsicht viel Verantwortung und müssen Entscheidungen entsprechend abwägen.

Gefahr besteht zur Zeit keine – die Setzungen und Risse werden streng überwacht, heißt es. Die Kirche ist auf Gipskeuper gegründet, der gegen Zutritt von Wasser (sowohl von oben als auch von unten durch Grund- und Schichtenwasser) sehr empfindlich ist. „Diese Gründung ist mittelfristig zu optimieren durch ein spezielles Injectagesystem “, rät der Baudirektor, „da übliche Baugrundverbesserungen hier aus geologischen Gründen ausscheiden.“

Bockenfeld gehört kirchlich zur kombinierten Kirchengemeinde Insingen-Lohr-Bockenfeld mit einer ganzen Pfarrstelle, die seit Ende 2004 von Pfarrerin Barbara Müller ausgefüllt wird. Bis zur Gebietsreform war der Ort selbstständig, ehe er in die neu gebildete politische Gemeinde Gebsattel eingegliedert wurde. 

sis/smo

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.