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Mittwoch, 26.09.2018

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Kräuterfrau Sonja Weigand: Die Kraft der Heilpflanzen

Das Wissen bewahren und weitergeben – Räuchern im Rhythmus des Jahres - 06.09.2018 09:44 Uhr

Gibt Kurse: Kräuterfrau Sonja Weigand. © Bek-Baier


Es duftet aromatisch nach Kräutern und mehr. Eine Einladung bei Kräuterfrau Sonja Weigand ist wie ein Urlaub für alle Sinne. Auf dem Tisch warten Schnittchen mit Bärlauchpesto und Möhrenbutter. Aber zuvor gibt es einen kleinen Aperitif: Das "Blaue Wunder". Die Lösung des Wortspiels lässt nicht lange auf sich warten: Es handelt sich um ein erfrischendes Getränk, dem sie ein Lavendelhydrolat – also ein Destilat, das sie aus Blüten gewinnt – und Brombeeren mit Holundersirup beigemischt hat. Alkoholfrei oder mit einem Schuss Prosecco: ein erfrischend anderer Aperitif nach ihrer eigenen Kreation.

"Ich suche für meine Produkte immer Namen aus, unter denen man sich etwas vorstellen kann, die die Phantasie anregen", sagt Weigand. "Ich mag Lavendel so gerne!" Jetzt im Hoch- und Spätsommer spielt Lavendel natürlich eine große Rolle, aber auch andere Kräuter, die ihr kleiner paradiesischer Garten hergibt, finden Verwendung. Auch wenn der trockene und heiße Sommer in Weigands kleinem Garten seine Spuren hinterlassen hat, sieht man auf den ersten Blick, hier dreht sich alles um Kräuter und Blüten.

Begonnen hat die große Liebe zur Natur und besonders den Kräutern schon in ihrer Kindheit. "Meine Kräutergeschichte hat bei meinen Großeltern begonnen", erzählt die gebürtige Frankfurterin. "Da war ich den ganzen Sommer über in Germersheim bei ihnen zu Gast." Ihr Vater stammt aus Rothenburg. "Ich bin in Frankfurt geboren. Meine Eltern waren selbstständig und viel beschäftigt, so war ich immer im Sommer dort in der Pfalz im Garten", erinnert sie sich. "Da waren so viele Blumen, vor allem Rosen; und Obstbäume – ja, und viele, viele Kräuter", schwärmt sie. "Ich war als Stadtkind dort sehr gerne, denn die Stadt hat mir nie richtig gefallen."

Daher hat es sie später auch nicht in der Großstadt gehalten. Sie kehrte wieder in die Heimat ihres Vaters zurück. "Die Kultur, die so eine Stadt bietet, ist schon schön und gut, aber das brauche ich nicht so sehr, ich wollte wieder aufs Land." In Neusitz betreibt sie nun ihr kleines Gewerbe. Das ist zum einen das Herstellen von Produkten aus dem eigenen Garten: Kosmetika, Salben, Kräutersalze, Essig und Öle. Und zum anderen hält sie Seminare für kleine Gruppen oder auch Einzelpersonen.

Der nächste Kurs am 22. September ist mit "Wohlbefinden für Haut & Seele, schöne Haut und starke Nerven" überschrieben. "Diese Veranstaltung ist eine Einladung, in die Welt der wohltuenden Heilkräuter und die vielfältigen Möglichkeiten ihrer Zubereitung hineinzuschnuppern". In einer kleinen Gruppe und in entspannter Atmosphäre lernen die Teilnehmer die Kräuter und ihre Wirkung kennen. Weigand möchte die Freude am gemeinsamen Tun und am Experimentieren vermitteln, wie sie sagt. Die Kräuterfachfrau ist dem Fachbegriff nach Phytotherapeutin. "Die Leute verstehen immer Physiotherapeutin und wollen Massagen bei mir buchen, daher sage ich ich bin eine 'Kräuterfrau'." Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das "Räuchern". Spricht man das Thema an, merkt man schnell, dass hier ihre ganz große Leidenschaft steckt. "Geräuchert haben die Menschen schon in der Steinzeit und haben Kräuter und Harze in ihren Feuern mit verbrannt.

Auch die alten Ägypter räucherten." Die ägyptische Räuchermischung Kyphi, in der auch in Rotwein eingelegte Rosinen Verwendung finden, vertreibt die Sorgen des Tages und wird von der fränkischen Kräuterfrau für die Abenddämmerung empfohlen. "Bei den Kelten und Germanen hat sich bei uns dann der Räucherkult richtig entwickelt." "Ich möchte eine Brücke von den Ursprüngen dieser alten Tradition zu unserer heutigen Zeit schlagen", sagt die Therapeutin. "Wir erinnern in einem Räucher-Workshop an die Ursprünge der christlichen Feste, die früher oft von anderen Religionen besetzt waren." Das heißt aber nicht, dass sie die alten Feste feiert. "Das Räuchern nach den alten Traditionen steht dem christlichem Verständnis nicht entgegen."

Es gibt das Verbrennen und das Verglimmen von aromatischen Stoffe über einem Sieb. "In der Zeit der großen Epidemien, wie der Pest, hat man auf sogenannten Pest-Feuern geräuchert und vor allem Wacholder vor den Städten verbrannt." Die Pflanze hat nachgewiesenerweise antivirale Wirkung, so Weigand. Die Substanzen, vor allem in den Harzen, wirken desinfizierend.

Daher hat man früher Taubenschläge oder Ställe ausgeräuchert. In manchen Gegenden wird das heute noch praktiziert. "Wenn jemand krank war oder gestorben war, wurde der Raum ausgeräuchert. Daher sieht man unter dem Dachgiebel alter Häuser manchmal noch das sogenannte Herrgottsfenster. Da konnte sich der Rauch in den Himmel verflüchtigen – und mit ihm die Seele in den Himmel entweichen, wie man glaubte." 

mbb

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