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Mal ernst, mal heiter-melancholisch

Mitglieder des Autorenverbandes Franken lasen vor Schülern und Erwachsenen - 28.09.2010 19:23 Uhr

Acht Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben in der Realschule anlässlich der Jahrestagung des Autorenverbandes aus ihren Werken vorgetragen. © sis


Acht Schriftstellerinnen und Schriftsteller lasen in den Realschulklassen der Neunt- und Zehnt­klässler anlässlich der Jahrestagung des Autorenverbandes in Rothenburg, der früheren Heimatstadt von Irmi Kistenfeger-Haupt. Die Nürnbergerin, sie war 25 Jahre Lehrerin an der Waldorfschule, hat das Treffen zusammen mit dem Kulturforum organisiert. Seit ihrer Jugend schreibt Irmi Kistenfeger-Haupt Erzählungen und Kurzgeschichten. Vor zwei Jahren erschien ihr erster Roman „Unterm Schnee“, in dem sie kritisch ihre Kindheit und Jugend in Rothenburg be­schreibt.

Realschulrektor Dieter Schulz nahm das Leseangebot des Autorenverbandes gern an: „Lesen und Literatur als wichtige Kulturtechnik und Frei­zeit­beschäftigung den Schülern wieder einmal nahebringen, den Reiz zu erfahren, in fremde Gedankenwelten einzutauchen zum eigenen Lesen motivieren – gerade die Jungs, die sich zum Teil medial durch die Be­schäftigung mit dem Computer in hohem Maße von der Kulturtechnik Lesen verabschieden“. Die Lesungen in den verschiedenen Klassen dauerten jeweils 45 Minuten. Danach schloss sich eine Diskussion über das jeweilige Werk und die Arbeit des Autors an.

Nach Auskunft der betreuenden Deutschlehrer und auch der Autoren waren die Schüler interessiert und aufgeschlossen. In der Klasse 10c diskutierten die Schüler so intensiv mit der Autorin Margit Begiebing aus Langenzenn, dass sie – vollkommen untypisch für Schüler – den Gong zur Pause überhörten, und noch weiter diskutierten. Die Themen bei den Lesungen waren hintersinnige Wort- und Gedankenspiele (Friedrich Ach), Drittes ­Reich (Wilfried Conrad), Freundschaft (Margit Begiebing), die Kindheit (Irmi Kistenfeger-Haupt), Albrecht Dürers Kindheit (Gisela Hoffmann-Mehrle), und Spielzeug-Autorennen (Günter Körner). Verarbeitet war der jeweilige Stoff in Mundartlyrik, Erzählungen, Gedichten oder in Kurzprosa.

Für Heiterkeit sorgte Walter Tau­sendpfund nicht nur bei den Schülern, sondern auch beim Leseabend in der Johanniterscheune des Kriminalmuseums vor Erwachsenen. Etwa wenn er den irdischen Genuss schildert, den „Glooß“ und Gänsebraten einem echten Franken bereiten können. In Verbindung mit einem frischgezapften Bier kann er sogar ganz leidenschaftlich werden: „Suu gfraid hob iich mich aaf diich“. Zum Lachen und Nachdenken gleißermaßen brachten die Verbandsmitglieder das aufmerksame Publikum. Mit all­täglichen Dingen und Begebenheiten über das Leben, zwi­schenmenschliche Beziehungen, Einsamkeit im Alter, Geldgier, Finanzskandale ging es in die Tiefe. Es wurde gesagt, was gesagt werden musste. Fritz Klingler aus Insingen packte Gesellschaftskritik und Na­tur­be­trachtungen in Lyrik.

Auch das Toppler-Theater hat er literarisch verarbeitet. Werner Saemann aus Sülzfeld bei Bad Rodach trug Kind­heits­erinnerungen vor. Der gebürtige Nürnberger hat starke Bande zu Rothenburg beziehungsweise Insingen, denn im letzten Krieg wurde er als Kind nach Insingen evakuiert (wir berichten noch). Auf literarische Spaziergänge durch Venedig und Florenz begab sich Ulrike Rauh. Bettina Stauder erzählte eine Kurzgeschichte aus dem Bamberger Raum über einen verheißungsvollen Nachmittag mit ernüchterndem Aus­klang. Verbandsvorsitzender Karl-Heinz Schneider verknüpfte Literatur, Fußball und Goethe, spielte mit Worten und Inhalten. Literatur als Performance. Dr. Fritz Kerler erheiterte mit seinen gründlichen Beobachtungen von Bahn­reisenden. Der Facharzt und Autor war kurzfristig für Karsten Eichner eingesprungen, der zu der Zeit noch im Verkehrsstau steckte. Mit überraschender Sprach­kunst ließen die Autoren den Zuhörern Platz für eigene Assoziationen und Ge­dankensprünge. Der Abend wurde musikalisch umrahmt von Otmar Kistenfeger, Robert Kern und Gerhard Wiederer. Im Rahmen ihrer Verbandstagung in der „Glocke“ begaben sich die sechzig Mitglieder bei einem Stadtrundgang auf die Spuren jüdischen Lebens, geführt von Autor Wolf Stegemann, einem ehemaligen Rothenburger. Außerdem freute sich die Gruppe über den herz­lichen Empfang durch Bürgermeister Kurt Förster im Rathaus, der die Gäste mit einem Willkommenstrunk aus dem Meistertrunkhumpen begrüßte 

sis

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