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Neusitz mit vielen neuen Kandidaten zur Gemeinderatswahl

Erfahre verzichten - Junge Generation rückt nach - 15.01.2014 13:30 Uhr

Neusitz tritt bei der Wahl zum Gemeinderat mit vielen neuen Gesichtern an. © mes


Die Erstellung der Bewerberliste war dementsprechend arbeitsintensiv. Das Ergebnis: viele Jüngere stehen auf der Liste, alle Ortsteile außer Södelbronn sind vertreten und fünf Frauen stellen sich zur Wahl.

Kanalsanierung, Abwasserbeseitigung, Bauvorhaben oder Energiekonzept – das sind einige der Themen, die für die Entwicklung einer Gemeinde grundlegend sind, zumal sie ja auch in Hinblick auf die kommenden Generationen umgesetzt werden. Deshalb ist es bemerkenswert, dass viele Vertreter der jüngeren Generation sich in der politischen Gemeinde Neusitz engagieren wollen und in diesem Wahljahr für den Gemeinderat kandidieren. Etwa die Hälfte der 21 Bewerber für die 14 Sitze im Gemeinderat ist im Alter von Anfang bis Mitte dreißig. Die beiden jüngsten Aspiranten sind Jahrgang 1984. Einer davon ist Hannes Ilgenfritz. Der gebürtige Schweinsdorfer ist auch sonst sehr aktiv in der Gemeinde. Als Vorstand der Dorfjugend Schweinsdorf, stellvertretender Feuerwehrkommandant der Schweinsdorfer Wehr und Mitglied in der Evangelischen Landjugend Neusitz, sammelte er schon einige Erfahrungen bei der praktischen Gemeindearbeit. Dementsprechend liegt ihm auch das Thema „Jugend“ sehr am Herzen.

Mit seiner Kandidatur tritt er auch ein Stück weit in die politischen Fußstapfen seines Vaters Karl Ilgenfritz, der sich für die kommende Wahlperiode nicht mehr aufstellen lässt. Durch ihn bekam er einen Einblick in die Arbeitsprozesse dieses Gremiums und wurde dennoch nicht davon abgeschreckt. Im Gegenteil: Er sieht den Rat als eine gute Möglichkeit seine Meinung miteinzubringen.

Junge Generation rückt nach

Das verstärkte Nachrücken der jungen Generation empfindet er als positive Entwicklung. „Es ist aber auch wichtig, dass ältere und erfahrenere Ratsmitglieder weiterhin vertreten sind“, erklärt Hannes Ilgenfritz. Allerdings wird über die Hälfte des zukünftigen Gemeinderates mit diesem Amt politisches Neuland betreten. Denn acht Gemeinderäte stellen sich aus unterschiedlichen Gründen (Alter, Wohnortwechsel, Unvereinbarkeit mit dem Beruf) nicht mehr zur Wahl. Einiges an Erfahrung geht somit verloren.

Zu der Gruppe der scheidenden Gemeinderäte gehört auch Reinhard Büttner, amtierender Zweiter Bürgermeister, der nun schon seit 24 Jahren mit dabei ist. Er blickt positiv auf diese Zeit zurück, die ihm „Spaß gemacht“ hat und in der „viel bewegt“ wurde. Die Entscheidung, endgültig aus dem Gremium auszuscheiden, begründet er damit, dass nun einfach der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen sei. Der Wegfall von gleich acht Räten bedeutete, dass man mehr neue Kandidaten finden musste. Seit vergangenem Sommer war man deshalb in den verschiedenen Ortsteilen auf Leute zugegangen, um sie für eine Kandidatur zu gewinnen. Heraus kam eine Einheitsliste von CSU und der Freien Wählergemeinschaft Neusitz, die in drei Gruppen unterteilt werden kann.

Da sind zunächst die sechs Gemeinderäte, die bei der Wahl 2008 gewählt wurden und heuer wieder antreten. In der zweiten Gruppe befinden sich diejenigen, die bei der vergangenen Wahl zwar kandidiert haben, aber nicht gewählt wurden. Und schließlich 12 Leute, die nun zum ers­ten Mal auf der Bewerberliste stehen.

Liste des Volkes

Insgesamt hat man versucht eine Liste zusammenzustellen, die dem Bevölkerungsdurchschnitt entspricht. Neben der bereits erwähnten Riege von jüngeren Bewerbern, sind auch alle Ortsteile bis auf Södelbronn vertreten. Ebenso gibt es auch einige, die nicht gebürtig aus einem der sechs Ortsteile stammen. Vielleicht war hier das selbstgewählte Motto der Gemeinde „Jung, Vital, Innovativ“ federführend?

Rudolf Glas (li.) kandidiert erneut – Reinhard Büttner scheidet aus dem Rat aus. © mes


In den Gemeinderat kommt also „frischer Wind“. An der Gemeindespitze verlässt man sich hingegen auf Altbewährtes. Rudolf Glas ist seit 2002 Bürgermeister und möchte nun eine dritte Amtsperiode dranhängen. Erst die Umstellung vom ehrenamtlichen zum hauptamtlichen Bürgermeisteramt machte damals seine Kandidatur möglich. Die Anforderungen dieses Amtes sind mit seiner Tätigkeit als Tiefbauamtsleiter in Niederstetten nicht vereinbar gewesen.

Wie bei der Wahl 2008 hat der 62-Jährige auch dieses Mal keinen Gegenkandidaten. Es scheint, dass mögliche Nachfolger angesichts der Popularität des Amtsinhabers bei der Bevölkerung den direkten Wettkampf um das höchste Amt in der Gemeinde scheuen und erst bis zur nächsten Wahl mit ihrer Kandidatur warten. Dann ist Rudolf Glas nämlich 68 Jahre alt, womit er die gesetzliche Altersgrenze von 65 Jahren überschritten hat. Eine erneute Kandidatur ist für ihn dann nicht mehr möglich. „Die Arbeit macht mir Freude und ich möchte die Weiterentwicklung der Gemeinde gestalten“, erklärt Rudolf Glas seine Motivation weiterhin als Bürgermeister der Gemeinde vorstehen zu wollen. Und da werden er und der neue Gemeinderat einiges zu tun haben.

"Dorf Vital"

Ein wichtiger Punkt auf der kommunalen Aufgabenliste ist die Schweinsdorfer Innenentwicklung. Für das 2002 begonnene und mittlerweile prämierte Konzept des Aktionsprogramms „Dorf vital“ sollen noch verschiedene Maßnahmen wie beispielsweise ein Gemeinschaftshaus umgesetzt werden, um die damals ausgerufene Vision von Schweinsdorf im Jahr 2015 rechtzeitig umzusetzen.

In Neusitz steht weiterhin die Siedlungserschließung „Kreisfeld“ auf dem Programm sowie die Ausweitung des Glasfasernetztes und ein Energiekonzept, das gerade erstellt wird. Auch für den Kernort Neusitz hat Rudolf Glas die Vision, den „Alt-Ort“ trotz des Siedlungsgebiets nicht verfallen zu lassen. Der Haushalt beläuft sich laut Entwurf auf insgesamt rund 4,4 Millionen Euro ohne neue Schuldenaufnahme. Man rechnet mit 300.000 Euro Einnahmen aus der Gewerbesteuer und 870.000 Euro Einkommenssteuer. Der derzeitige Schuldenstand beträgt 145.000 Euro, entstanden vor allem durch Sanierungsmaßnahmen am Kindergarten und der Kläranlage.

In der Gemeinde herrschten schon bei Amtsvorgänger Werner Heckel geordnete finanzielle Verhältnisse, erklärt Bürgermeister Rudolf Glas. Gute Voraussetzungen also, aber auch große Verpflichtung für die kommende Wahlperiode.

Nominierte Gemeinderatskandidaten in Neusitz:

1. Florian Meyer, 32, Bezirks-Schornsteinfeger; 2. Christoph Langenbuch, 37, Agrarbetriebswirt (Horabach); 3. Romana Schön, 54, Erzieherin; 4. Helmut Hahn, 45, Maschinenbautechniker (Schweinsdorf); 5. Verena Löblein, 30, Pharmazeutin; 6. Volker Meißner, 44, Schreinermeister (Schweinsdorf); 7. Theresa Dietterle-Neumann, 33, Mediengestalterin (Wachsenberg); 8. Markus Weinmann, 29, staatl. geprüfter Medizintechniker (Schweinsdorf); 9. Thomas Schöller, 35, Agrarbetriebswirt (Erlbach); 10. Thomas Kusnierz, 50, technischer Betriebsleiter (Schweinsdorf); 11. Rainer Burger, 42, Dipl.-Ing. (FH) Maschinenbau; 12. Rainer Probst, 45, Vertriebsbeauftragter im Außendienst; 13. Edith Vogel, 53, Verwaltungsangestellte; 14. Hannes Ilgenfritz, 29, Zimmerermeister (Schweinsdorf); 15. Thomas Schweikert, 39, Elektromeister; 16. Matthias Hertlein, 41, Straßenwärter; 17. Angelika Schneider, 31, Kauffrau Groß- und Einzelhandel (Schweinsdorf); 18. Heinz Gundel, 34, Gesundheits- und Krankenpfleger (Schweinsdorf); 19. Andreas Rippl, 42, Maschinenbautechniker; 20. Martin Hellenschmidt, 31, Produktionsleiter (Schweinsdorf); 21. Christian Pöttker, 33, Kfz. Betriebswirt. 

Fränkischer Anzeiger

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