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NSU-Ausstellung: Schüler für Führungen besonders geschult

"Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen" im Rathausgewölbe - 20.03.2014 11:21 Uhr

Katharina Schmidt und Naemi Jahn (v. l.) führten durch die Wanderausstellung.

Katharina Schmidt und Naemi Jahn (v. l.) führten durch die Wanderausstellung. © Scheuenstuhl


Auch Ausstellungsmacherin Birgit Mair vom Nürnberger Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) war hierfür nach Rothenburg gekommen. Etwa 80 Interessierte lauschten den Worten der Nürnberger Sozialwissenschaftlerin sowie den Initiatoren des Rothenburger Bündnisses „Buntenburg“ Eva Hulsman-Knoll und Günther Heckmann.

Musikalisch umrahmt wurden die Reden durch die Rothenburger Band „Cinemascopes“ mit ihrem Sänger und Frontmann Lukas Möhring. Noch bis zum 28. März kann die öffentliche Ausstellung im Rathausgewölbe täglich von 14 bis 18 Uhr besucht werden.

Blick auf die Opfer lenken

Sie hat vor allem das Anliegen, das durch die Täter dominierte Bild von den Morden des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) zu ergänzen und den Blick auf die Opfer zu lenken. Darüber hinaus wird sie gezielt genutzt, um den Nachwuchs für rechtsradikale Gesinnung und daraus resultierende Gewalt zu sensibilisieren.

Neun Schülerinnen und Schüler aus den achten bis zehnten Jahrgangsstufen der Montessori-Schule Neusitz-Rothenburg sind hierfür im Februar in einem fünfstündigen Kurs von Birgit Mair für ihre Aufgabe als Ausstellungsführer fit gemacht worden. Dabei ging es nicht nur um die bloßen Fakten, sondern auch wie man mit Jugendlichen über dieses Thema in Diskussion tritt.

Nur eine Klasse pro Führung

Die anfängliche Resonanz ist erfreulich: Sieben solcher Führungen sind bereits vor dem offiziellen Start fest gebucht gewesen. Da es im Rathausgewölbe sehr hallt, kann aber immer nur eine Schulklasse durch die Ausstellung geführt werden. Und selbst wenn die Akkustik optimal wäre, wäre eine doppelt so große Gruppe wahrscheinlich der Konzentrationsfähigkeit der Jugendlichen nicht sehr zuträglich.

Die beiden Achtklässlerinnen halten ihre handgeschriebenen Notizzettel in Händen und blättern sie immer wieder durch, während sie auf die Klasse 10e der Realschule warten. Naemi Jahn und Katharina Schmidt sind bereits zum zweiten Mal an der Reihe eine Führung durch die Ausstellung zu leiten. Ihre Premiere tags zuvor klappte sehr gut, da es ihre eigene Klasse war. Das gab Selbstvertrauen.

Die Schüler sollen nicht nur die Plakate lesen, sondern auch miteinander diskutieren.

Die Schüler sollen nicht nur die Plakate lesen, sondern auch miteinander diskutieren. © Scheuenstuhl


Schulcharakter soll abgemildert werden

Die beiden machen das freiwillig und gerne, weil sie an dem Thema interessiert sind. Gerade auch die NPD-Kundgebung in Rothenburg im vergangenen Jahr hat sie für das Thema Rechtsextremismus sensibilisiert. Interesse und Vorwissen sind bei Schülern bei einem so vielschichtigen Thema wie der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds oftmals nicht vorhanden.

Dementsprechend schwierig ist es, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen von Anfang bis Ende aufrechtzuerhalten. Die Idee, die Schüler zwanzig Minuten lang auf eigene Faust die Ausstellungsplakate durchzulesen und so in Ruhe auf sich wirken zu lassen hilft, dabei den Schulcharakter abzumildern.

Simone Lindner, Geschichtslehrerin der 10e bestätigte, dass es von Klasse zu Klasse ganz unterschiedlich ist, wie stark die Schüler daran interessiert sind, sich mit dem Thema Rechtsextremismus zu beschäftigen. Eine konkrete, intensive Vorbereitung im Unterricht kann nicht immer stattfinden.

Ausstellung läuft vielerorts parallel

Im Vorfeld des Ausstellungsbesuchs hat sich die 10e mit Hilfe von Informationsmaterial der Bundeszentrale für politische Bildung mit Rechtsterrorismus und Nationalsozialistischer Untergrund vertraut gemacht. Simone Lindner plant, mit der Klasse die Eindrücke aus der Ausstellung noch einmal nachzubereiten.

Die Ausstellung, für die es ein ergänzendes Begleitheft gibt, läuft in mehreren Ausgaben parallel. Sie konnte bisher in zehn Städten gezeigt werden. Am Freitag, 21. März, wird sie in Kassel eröffnet, wo der 21-jährige Schüler Halit Yozgat vom NSU ermordet wurde.

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