Donnerstag, 15.11.2018

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Obermühle Bettenfeld: Erhalt eines Kulturdenkmals

Gebäudebestand und historische Besonderheiten sichern, um die Mühle zu retten - 12.11.2010 12:40 Uhr

Die oberste Mühle an der Schandtauber zu Bettenfeld birgt von ihrer historischen Mühlentechnik her überregionale Werte. © Schäfer


Stadt und Landesamt für Denkmalpflege stehen bereits im engen Kontakt mit dem Eigentümer der Obermühle, um den Gebäudebestand zu sichern. Die Statik des Hauses gerät aus den Fugen, es hat sich um 30 Zentimeter gesetzt, die angrenzende Scheune ist vom Einsturz bedroht. Der Vorstand des Fördervereins Taubermühlenweg will seinen Beitrag zum Erhalt des „hochrangigen Kulturdenkmals“ leisten. Vorsitzender Lothar Schmidt bat bei einem Ortstermin die anwesenden Vertreter von Verkehrsverein und Verein Alt-Rothenburg um Unterstützung und versucht zusätzlich Sponsoren zu mobilisieren.

Das Anwesen mit Wohnhaus, historischer Mühlentechnik, Scheune, Stallgebäuden und Hühnerhaus liegt versteckt in einer Senke. Die Schandtauber als Zufluss der Tauber führt dort vorbei und der bei Pilgern bekannte Jakobsweg. Bei Bettenfeld tritt die Schandtauber aus einer Karstquelle zutage. Manche sehen hier auch den eigentlichen Ursprung der Schandtauber. Durch das starke Gefälle wurden am Unterlauf einst sieben Mühlen betrieben, darunter die Ober- und die Mittelmühle, die Hollermühle und die Hammerschmiede. Wolfgang Strakosch, gelernter Müller aus Dillingen und Deutschlands letzter Naturstein-Mühlenbauer, der in ganz Süddeutschland umherfährt, um Mühl­steine auszutauschen oder Mühlenbetreiber bei der Restaurierung zu beraten, legte sogar schon ein Konzept für das „Mühlenkleinod“ vor.

Bei der Obermühle als oberste Mühle an der Schandtauber handelt es sich um eine „altdeutsche Mühle“. Die Bezeichnung war Ausdruck ihrer technischen Rückständigkeit im Gegensatz zu den modernen Mühlen in Frankreich, Ungarn und England. Die Mühle besteht aus drei Teilen: dem Antrieb durch das Wasserrad, dem Mahlwerk zur Zerkleinerung des Mahlgutes und dem Beutelwerk zur Sichtung des Mehles. Einst kontrollierte ein vom „Rat der Stadt“ eingesetztes Ratsherrengremium die penibel ausgearbeitete Mühlordnung. Die Obermühle ist nach Meinung von Wolfgang Strakosch dazu prädestiniert, nach der Restaurierung „ein historisches, erlebnispädagogisches Demons­trationsobjekt von herausragender Qua­lität zu bieten“.

Sowohl Touristen der Stadt Rothenburg, als auch Wandergruppen und Schulklassen könnte lebendig vorgeführt werden, wie in einer „altdeutschen Mühle“ ein oberschlächtiges Wasserrad über ein ursprüngliches Kammradgetriebe einen Mahlgang mit Naturmühlsteinen antreibt und wie somit über den angegliederten Beutelkasten Getreide nach uralter Art zu Mehl, Gries und Kleie vermahlen wird. „Die Obermühle birgt von ihrer historischen Mühlentechnik her überregionale Werte“, so Wolfgang Strakosch, „und ist einzigartig zwischen Schwarzwald und Bayerischem Wald sowie zwischen der Katzbruimühle bei Memmingen im Allgäu und der Teufelsmühle am Vogelsberg in Hessen“. Zwar findet man die „altdeutsche Mühlentechnik“ auch noch im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim, „aber dort nicht mehr in ihrer ursprünglichen Mühle und auch nicht mehr in ihren ursprünglichen Bestandteilen“.

Eine zusätzliche Besonderheit in der Obermühle ist die ursprüngliche Art der Mühlsteinlagerung. Alle Tau­­bermühlen haben nur noch die neuere Gußsteinschalenlagerung, wobei die Bodensteine völlig verdeckt sind. Man findet dort auch noch Wasserräder, Mahlgangszahngetriebe und Mahlgänge vor, aber dort wird nicht mehr die vollständige, ursprüngliche Dreieinigkeit geboten. Die Mahlgangskegelradgetriebe befinden sich bei den Taubermühlen nicht mehr auf der Wasserradwelle, sondern auf der Haupttransmissionswelle und Beutelkästen gibt es da auch keine mehr.

Eigentümer der Obermühle ist der 25-jährige Bürokaufmann Alexander Lang aus Weihenzell. Er hat den Besitz von seinem 2008 verstorbenen Vater geerbt. Als Kind lebte Alexander Lang selbst in der Mühle, die schon sein Großvater und Urgroßvater führten. Im Alter von sechs Jahren trennten sich seine Eltern und er zog mit der Mutter weg. Sein Onkel Gregor Nut bestärkt ihn bei dem Vorhaben, die väterliche Mühle zu restaurieren und der Öffentlichkeit als Kulturdenkmal zugänglich zu machen, das in Süddeutschland seinesgleichen sucht. Ohne finanzielle und fachliche Unterstützung wird das rund 200000 Euro teure Vorhaben nicht gelingen. 

sis

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