Montag, 11.12. - 10:25 Uhr

|

Pfarrerehepaar nimmt Abschied von Schillingsfürst

Nürnberg wird zur neuen beruflichen Heimat - 26.07.2017 15:08 Uhr

Alexandra und Carsten Fürstenberg werden am Sonntag feierlich verabschiedet. © Scheuenstuhl


"Wohin will man denn sonst?", antwortet Carsten Fürstenberg mit einem Augenzwinkern auf die Frage, warum sie sich vor nunmehr fast 14 Jahren dazu entschlossen haben, ihren Lebensmittelpunkt (zumindest vorübergehend) ausgerechnet nach Schillingsfürst zu verlegen. Es ist diese offene, nahbare und bodenständige Art, die ihn und seine Frau Alexandra bei den Gemeindegliedern und den Vertretern des öffentlichen Lebens sowie verschiedener Einrichtungen so beliebt gemacht hat. Und nun führt kein Weg daran vorbei – es heißt Abschied nehmen.

Die Gemeindeglieder reagierten auf diese Nachricht einerseits mit Wehmut, andererseits gönnten sie es ihnen aber auch, erinnert sich Alexandra Fürstenberg. Für die vierköpfige Familie war es der richtige Zeitpunkt für einen Stellenwechsel, der im Leben eines Pfarrers ja eigentlich nach einer bestimmten Zeit immer vorgesehen ist. "Wir sind aber nicht auf der Flucht", betont die Pfarrerin. Im Falle der Fürstenbergs kommt die Neuorientierung gerade richtig, da für die Töchter Ariane (13 Jahre) und Fiona (10) sowieso ein Schulwechsel angestanden hätte.

Zudem muss Carsten Fürstenberg seit März letzten Jahres regelmäßig nach Nürnberg, da er dort am Diakonischen Werk eine Referentenstelle bekleidet. Abgesehen davon verspricht die Aufteilung der Arbeiten innerhalb der neuen Gemeinde, dass man die Bedürfnisse von Familie und Beruf besser unter einen Hut bekommen wird. Zwar ist man für doppelt soviele Gemeindeglieder verantwortlich, aber eine weitere Kollegin wird dem Pfarrerehepaar zur Seite stehen. Familienintern kam man bei Amtsantritt in Schillingsfürst zu der Übereinkunft, dass sich Alexandra Fürstenberg vornehmlich um die Angelegenheiten der jüngsten Gemeindeglieder (Taufe und Kindergarten sowie Kinderkrippe) kümmert, während ihr Mann sich unter anderem auch federführend als Verwaltungsratsvorsitzender der Elisenstiftung und als Vorsitzender des Schillingsfürster Diakonievereins betätigt.

Zahlreiche Baustellen

In der Schloss-Stadt finde man in einem Umkreis von 100 Metern alle nötigen sozialen Einrichtungen für 0-bis 103-Jährige, so Carsten Fürstenberg. "In dieser Konzentration ist das einmalig", betont der 47-Jährige. Die Verantwortung für die verschiedenen Einrichtungen brachte im Laufe der Jahre allerdings zahlreiche Baustellen mit sich. 2005, ein Jahr nach Amtsantritt der Fürstenbergs, konnte der 4,1 Millionen Euro teure Erweiterungsbau am Elisenstift eingeweiht werden. Die Einrichtung mit 106 Mitarbeitern bietet 97 Seniorenwohn- und Pflegeplätze an.

2007 wurde auch die Generalsanierung des Kindergartens (Kostenpunkt: 520.000 Euro) abgeschlossen. Mit 25 Beschäftigten, die sich um rund 100 Kinder kümmern, ist er der größte Kindergarten im Dekanat. Während der Bauphase waren die Kleinen zwischenzeitlich im gegenüberliegenden Elisenstift einquartiert worden. Daraus hat sich ein für beide Seiten erfahrungsreicher Austausch zwischen Alt und Jung entwickelt, der bis heute weitergelebt wird. So besuchen die Kinder jeden Freitag die Senioren vor der Andacht zum Spielen und Singen. Und beim Generationentreff schauen die Senioren im Kindergarten vorbei. Nach dem Wiederbezug der sanierten Räumlichkeiten etablierte man im Kindergarten ein Konzept der offenen Arbeit, bei dem die Räume nicht nach Gruppen sondern thematisch eingeteilt sind. Dank des 2009 errichteten "Stupfelnests" kann sich Schillingsfürst mit dem allerersten Krippenneubau im Landkreis Ansbach brüsten.

Und dann war da ja auch noch die Dach- und Fassadenrenovierung von St. Kilian, die mit rund 183.000 Euro zu Buche schlug. Vor ihrer endgültigen Umsiedlung nach Nürnberg konnte das Pfarrerehepaar auch noch ein Projekt anschieben, das seit langem angedacht war. Die Kirchengemeinde benötigt für verschiedene Gruppen und Aktivitäten ein Gemeindehaus. Auch das Elisenstift würde sich über einen Saal in der geeigneten Größe für alle seine Bewohner freuen. Und auch der eine oder andere weltliche Verein hätte sicherlich keine Einwände, wenn weitere Räumlichkeiten für Treffen vorhanden wären.

"Auf einem guten Weg"

Plan A erwies sich in der Umsetzung jedoch als schwierig und langwierig, so dass Kirchengemeinde und Elisenstift sich letztlich zusammengetan haben, um auf dem Areal der Senioreneinrichtung etwas Passendes entstehen zu lassen. Man sei hierbei "auf einem guten Weg", geben sich die Pfarrersleut optimistisch. Und Carsten Fürstenberg ergänzt: "Der Zug steht auf dem Gleis und auch eine Lokomotive ist fast schon angehängt, jetzt muss nur noch jemand das Fahren übernehmen." Die Pfarrstelle in Schillingsfürst ist zwar bereits ausgeschrieben, aber ab August wird dennoch erst einmal eine Vakanz eintreten.

Alexandra Fürstenberg hofft, dass bald jemand erkennt, welches Potenzial auch in solch einer kleineren Gemeinde liegt. Die Unterstützung durch die Gemeindeglieder und den Kirchenvorstand sei immer da gewesen, lobt sie die Weggefährten der vergangenen 13 Jahre. Wie gut und unkompliziert die Bürger in Schillingsfürst zusammenarbeiten, wenn es darauf ankommt, hat man gesehen, als die ersten Flüchtlinge in die Schloss-Stadt kamen. Selbst jene, die nicht regelmäßig im Gottesdienst anzutreffen waren, schlossen sich ohne zu zögern dem überkonfessionellen Helferreigen an. Auf die Fürstenbergs hatte die Flüchtlingskrise einen ganz persönlichen Einfluss: Ein junger jesidischer Flüchtling hat mittlerweile bei ihnen Familienanschluss gefunden. Er wird auch mit nach Nürnberg ziehen, allerdings in eine eigene Wohnung, um selbstständig zu werden.

Unvergessen wird das Pfarrerehepaar den Schillingsfürstern natürlich auch dank ihrer Paraderollen als "Luther und Käthe" bleiben. Bereits mit Beginn der Lutherdekade begannen die beiden ab und an als der große Reformator und seine Frau in Erscheinung zu treten. Darüber hinaus stellte Carsten Fürstenberg auch beim Derblecken und bei der Theaterabteilung des TSV seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis.

Am Sonntag, 30. Juli, findet zur Verabschiedung von Alexandra und Carsten Fürstenberg um 14 Uhr in der St.-Kilians-Kirche in Schillingsfürst ein Festgottesdienst statt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich bei einem Empfang in der Albert-Zietz-Halle persönlich Lebewohl zu sagen. 

mes

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Schillingsfürst