Montag, 10.12.2018

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Problemfall Brauhausgelände: Neuen Anfang wagen?

Das Ringen um nachhaltige Lösungen geht weiter - 24.08.2018 09:56 Uhr

Problemfall Brauhausgelände: Viele hatten die Hoffnung schon aufgegeben, jetzt sind neue Lösungen in Sicht. © Schäfer


Im Herbst läuft die Option für die KPB-Planungsgruppe Berlin aus, deren Vorhaben im Sand verlaufen ist, auf dem Areal ein Fünf-Sterne-Hotel zu errichten.

Die Berliner Planungsgruppe um Reinhard Bauermeister hat die Kaufoption über 650000 Euro für  das Brauhausgelände mit dem markanten Industriebau, aber teils einsturzgefährdetem Gewölbeuntergrund, nicht ausgeübt. Es gibt auch keine Anzeichen dafür. Die Stadt zieht deshalb eine Neuorientierung in Erwägung und lotet die Chancen am Markt aus. Eine  einheimische Investorengruppe hat der Stadt bereits einen Vorschlag für ein realisierbares Gesamtkonzept  unterbreitet. Es gliedert  sich in drei Nutzungsbreiche: für den Wohnungs-,  Arbeits- und Betreuungsbedarf. Es sollen Wohnungen für Ein-Personen-Haushalte, für junge Familien und für Senioren mit ihren jeweiligen Anforderungen geschaffen werden, aber auch gewerbliche Räume als Laden, Büro oder Praxis. Ebenso ist an die Schaffung kleinerer Appartements mit Serviceleitung gedacht für Werktätige und Studenten des Hochschulcampus.

Bei der Investorengruppe handelt sich um die namhaften Unternehmen Stein (Wachsenberg), Kehrberger (Ansbach) und Dr. Hahn (Bad Windsheim). Die Risiken sehen die Investoren im Bereich der Altlasten des Brauereibetriebs und in den Auffüllungen der Kellerebenen. Schriftlich haben sie dazu erklärt: "Wir würden hierfür ein Gutachten erstellen lassen, um Klarheit zur baulichen Situa­tion zu schaffen. Außerdem kümmern wir uns um die Umsiedlung der Fledermäuse". Die Tiere stehen unter Naturschutz und könnten im Rahmen praktizierter Schutzbemühungen unter fachmännischer Hilfe in Ersatzquartiere umgelenkt werden. Trotz der  zu erwartenden hohen Kosten für Altlasten, Bau- und Abrissmaßnahmen bietet die Investorengruppe der Stadt für das Objekt einen "fairen Kaufpreis" an.

Doch der Kreis hat sich erweitert. Nach Würzburg fuhr der Stadtrat aus zwei Gründen. Unabhängig voneinander haben ein Hotelprofi und ein Architekt aus der Domstadt Interesse an einer Entwicklung des Brauhausgeländes bekundet. Dagmar Wagenpfahl-Lagrange, eine gebürtige Ochsenfurterin, ist Investorin und Inhaberin des 120-Betten-Hotels Kapellenberg in Eibelstadt mit gehobenem Drei-Sterne-Standard und managt als Direktorin das nagelneue Edel-Hotel Melchior Park auf dem Gelände der ehemaligen Leighton-Barracks im neuen Stadtteil Hubland. Im diesem Würzburger Hotelbetrieb sind auch ihre Schwester und deren Mann tätig.

Das im September 2017 neu eröffnete 235-Betten-Haus nahe der Würzburger Innenstadt ist das Sieger-Ergebnis eines Architektenwettbewerbs und stammt vom Büro Gerber Architekten aus Dortmund. Finanziert hat das 4-Sterne-Hotel die Freier Besitzgesellschaft mit Sitz in Rottendorf. Deren Chef ist der deutsche Milli­ar­där Bernd Freier, Gründer der Modemarke s.Oliver. Rund 24 Millionen Euro sollen in das Objekt geflossen sein.

Das viergeschossige Melchior Park Hotel auf dem 1,1 Hektar großen Areal des ehemaligen US-Casinos ist im Zusammenhang mit dem neuen Stadtteil Hubland entstanden. Im Untergeschoss des Hotelbetriebes befindet sich eine Tiefgarage und der Wellnessbereich mit Pool, Saunen und Fitnessraum.

Im Dornröschenschlaf versunken: Der Wildwuchs auf dem Areal vor der Klingentorbastei nimmt Überhand. © Schäfer


Hoteliersfrau Dagmar Wagenpfahl-Lagrange sieht im Rothenburger Brauhausgelände ein interessantes Entwicklungspotenzial. "Es gibt Ideen", sagte sie, "aber wir stehen erst am Anfang." Auf Wunsch von Oberbürgermeister Walter Hartl traf sie sich inzwischen mit dem Architekten und Geschäftsführer der Würzburger Bürgerbräu Projektentwicklungs GmbH, Roland Breunig, der schon konkretere Überlegungen zum Brauhausgelände hat, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Seine Pläne seien bereits soweit gediehen, dass er sie demnächst dem Rothenburger Stadtrat vorstellen werde, hat Dagmar Wagenpfahl-Lagrange dem offen geführten Gespräch mit ihm entnommen. Der Architekt gehörte mit der Sektkellerei Höfer zur Investorengruppe, die das ehemalige  Bürgerbräu-Gelände mit seinen historischen und denkmalgeschützten Gebäuden in der Zellerau teilweise von der Stadt Würzburg übernommen und mit Auflagen zu einem Kultur- und Dienstleistungszentrum entwickelt hat. Die bisherigen Nutzungen – Basketballzentrum, Sektkellerei, Museum – blieben erhalten. Das gesamte Gelände sollte insgesamt mehr in sein Umfeld integriert werden mit Parkanlagen, Parkplätzen und Festplatz. Die alte Bausubstanz wurde weitestgehend saniert und erhalten. Der Architekt und Projektentwickler will seine Pläne zum Brauhaus demnächst dem Stadt­rat vorstellen. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Vielleicht ist dem Brauhausgelände doch noch eine Entwicklungsgeschichte mit gutem Ende vergönt. Seit der Stilllegung des Brauereibetriebs "Brauhaus Rothenburg" in den 70er Jahren, gab es viele Überlegungen und Aktivitäten, das "Filetstück" vor der Klingentorbastei zu neuem Leben  zu erwecken. Gründe für das Scheitern waren das Fehlen einer schlüssigen und umsetzbaren Gesamtkonzeption sowie die fehlende Finanzkraft der Investoren.

Wie lange das denkmalgeschützte Brauhaus-Gebäude von 1899 und die unterirdischen Gewölbekomplexe auf dem Hanggelände dem Dämon des Verfalls noch standhalten, ist eine berechtigte Frage. Immer wieder wurden Stimmen laut, das Areal flächendeckend dem Erdboden gleichzumachen. Doch zur Stadtentwicklung gehört auch ein sensibler und angemessener Umgang mit baulichen Zeugnissen der Vergangenheit bei einer Folgenutzung – zum Erhalt kulturhistorischer Werte. 

sis

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