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Punkrock und Crowdsurfing im Taubertal

Jeden Tag feierten 15.000 Besucher - Altstar Iggy Pop sorgte eher nicht für Begeisterungsstürme - 14.08. 15:05 Uhr

ROTHENBURG   - Einen klaren Punkrock-Schwerpunkt setzte das 16. Taubertal Festival auf der Eiswiese in Rothenburg, das am Sonntag mit dem Auftritt der „Fantastischen Vier“ zuende ging. Schon am Freitag stand mit Iggy Pop eine Ikone des Punkrock auf der Bühne - der Höhepunkt des Spektakels war er allerdings nicht.

Begeisterte Besucher am Samstag auf dem Festival
Begeisterte Besucher am Samstag auf dem Festival
Foto: Hans von Draminski
Begeisterte Besucher am Samstag auf dem Festival
Begeisterte Besucher am Samstag auf dem Festival
Foto: Hans von Draminski

Zählt man die Zaungäste dazu, kommt das Festival inzwischen auf über 15.000 Besucher pro Tag. Aus dem einstigen Geheimtipp für jene, die Rock-Supermärkte à la „Rock im Park“ satt hatten, ist – leider – längst eine kommerziell durchaus erfolgreiche Großveranstaltung für ein Publikum geworden, dessen Durchschnittsalter in den letzten Jahren immer mehr gesunken zu sein scheint.

Da könnte man fast darauf kommen, dass einer wie Iggy Pop vor allem darum eingeladen wurde, weil sich die in etwas gesetzterem Alter befindlichen Veranstalter auch einmal etwas gönnen wollten. Zudem ist Iggy mit 64 Jahren ein echter Altstar, das Ende der rund 40-jährigen Musikkarriere schon aufgrund körperlicher Gebrechen absehbar. „Das war wohl eine der letzten Chancen, ihn zu veranstalten“, meint der für das sogenannte Booking verantwortliche Taubertal-Manager Achim Köller zu diesem Thema.

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Jede Menge Bands, tausende feiernde Menschen und eine Stimmung, wie sie sich für ein Festival gehört: Das war das Taubertal-Festival. Wir haben die besten Momente eingefangen.

Durchwachsen von daher auch der Auftritt, den Iggy Pop mit seiner Stammcombo „The Stooges“ absolvierte: Einerseits steht dieser Mann mit dem bemitleidenswert zerstörten Körper immer noch für eine fast ideale Synthese aus rotziger Punk-Attitüde, starker Rock-Performance und hammerpräsenter Bühnenausstrahlung. Andererseits schwinden bei Iggy Pop die Kräfte naturgemäß deutlich rascher als bei seinen jüngeren Kollegen und so muss der Sänger, der immer noch traditionell mit nacktem Oberkörper auftritt, öfter verschnaufen, was dem Stimmungspegel nicht unbedingt förderlich ist.


Die echten Abräumer spielten vor Iggy und Co.: „Rise Against“ segelt zwar auch unter der Punkrock-Flagge, aber die Band hat auch ein Händchen für ausgesprochen melodische Pop-Hymnen, die gut als Ohrwürmer taugen, aber definitiv zu kantig und rockig für das weichgespülte Formatradio sind. So rappelvoll wie bei dieser Formation hat man die Eiswiese in den vergangenen Jahren bestenfalls noch beim amerikanischen Superstar Pink erlebt.

"Schandmaul" auf der Pop-Schiene

„NOFX“ zählen ebenfalls in die Kategorie „starker Live-Act“ und können sich getrost als Punk-Statthalter in der Iggy-Pop-Tradition betrachten. Explosive Hochgeschwindigkeits-Läufe auf der E-Gitarre gehören hier ebenso dazu, wie kritische Texte, die für eine auch politisch engagierte Geisteshaltung stehen.

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Das Taubertal-Festival geht in die 16. Runde und präsentiert auf zwei Bühnen jede Menge Musik. Wir sind mit der Kamera dabei.

Den umgekehrten Weg geht derzeit gerade „Schandmaul“. Das Prädikat „Mittelalter-Rock“ mag die Gruppe am liebsten gar nicht mehr hören, die malerischen Kostüme sind zumindest teilweise langweiligen Pop-Outfits gewichen. Und musikalisch wandelt „Schandmaul“ inzwischen auf den Spuren von „Unheilig“, was der künstlerischen Substanz überhaupt nicht förderlich ist, den Münchnern aber gewiss kommerziellen Rückenwind verschaffen dürfte – der „Fernsehgarten“ wartet schon…

Deutlich knackiger wurde das Programm am Samstag. Die Grazer Gruppe „Klimmstein“ pflegt ungemein mitreißenden Dialektrock in der Geistesbruderschaft von Ambros und Danzer, allerdings mit deutlich aggressiverer Attitüde und virtuoser Instrumentenbehandlung. „Itchy Poopzkid“ hat man schon lustiger und kraftvoller erlebt. Eine Spaßcombo, die im Taubertal nicht ihren allerbesten Tag hat und eher routiniert als inspiriert wirkt. Was schade ist, zumal man die Band auch und gerade im Tal schon ganz anders erleben durfte.

Crowdsurfer purzeln in den Fotografengraben


Das Festivalgelände war rappelvoll...
Das Festivalgelände war rappelvoll...
Foto: Hans von Draminski
Das Festivalgelände war rappelvoll...
Das Festivalgelände war rappelvoll...
Foto: Hans von Draminski

Aus dem „Ska-P“-Dunstkreis kommen „The Locos“, deren Sänger Pipi einen Hauch von hispanischem Ethno-Rock verbreitet und das Publikum zum Tanzen und Springen bringt, obwohl die Temperaturen an diesem wolkenreichen Wochenende zwar mild, aber nicht wirklich südländisch ausfallen. Für einen Stimmungshöhepunkt sorgen die „Donots“, die als Taubertal-Dauergäste ihr „Heimspiel“ sichtlich genießen und die Eiswiese genussvoll rocken. Massen von Crowdsurfern spült die enthusiasmierte Menschenmasse in den Fotografengraben vor der Bühne und die Sicherheitskräfte haben im wahrsten Wortsinn alle Hände voll zu tun: Des einen Spaß ist des anderen Schwerstarbeit.

Eine Million verkaufte Tonträger und knüppelharte Rocker-Attitüde: Die Formation „Bullet for my Valentine“ reitet derzeit auf einer wahren Erfolgswoge. Was noch nicht zur Korrumpierung geführt hat. Diese Musik hat Ecken und Kanten und ruft die Schwermetall-Fans auf den Plan, welche allen anderen eine Lehrstunde in „Headbanging“ geben. „Pendulum“ ist ein beleg dafür, dass die Pop-Trends nicht immer, aber immer noch sehr oft in England gemacht werden. Heavy- und Crossover-Elemente vermischen sich zu wuchtigen Soundgewittern mit Elektronik-Grundierung.

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Das Taubertal-Festival geht in die 16. Runde und präsentiert auf zwei Bühnen jede Menge Musik. Wir sind mit der Kamera dabei.


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Eine handverlesene Auswahl an Musikern heizt den Besuchern in Rothenburg ob der Tauber ein und sorgt für ein erinnerungswürdiges Wochenende. Bereits am Donnerstag, 11. August, gaben sich die ersten Bands die Klinke in die Hand. Die besten Bilder der Gruppen haben wir für Sie zusammengestellt.

 



Hans von Draminski

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