Sonntag, 18.11.2018

|

Schillingsfürster Schlossherr verstärkt sein kulturelles Engagement

Hochkarätiges Angebot und ein frischer Wind in den alten Mauern - 17.03.2011 13:05 Uhr

Frischer Wind in alten Mauern: In Schillingsfürst bewegt sich einiges. © NN


Im Liszt-Jahr steht der berühmte Pianist und Komponist Franz Liszt im Mittelpunkt, der sich zu gelegentlichen Besuchen bei seinem größten Freund, Kar­dinal Gustav zu Hohenlohe auf Schloss Schillingsfürst aufhielt und im Großen Salon auf dem Blüthner-Flügel spielte.

Franz Liszt und Schillingsfürst – da gibt es eine mehrfache Beziehung. Zum einen durch die Freundschaft zum Kardinal, dem jüngeren Bruder des Reichs­kanzlers Chlodwig, zum anderen durch die Heirat des jüngsten Bruders Konstantin, dem Ururgroßvater des heutigen Schlossherrn Constantin, mit Marie zu Sayn-Wittgenstein, deren Mutter Carolyne die Lebensgefährtin Liszts war. Marie lebte bis zu ihrer Hochzeit mit ihrer Mutter und Liszt gemeinsam in Weimar und sie, die zeitlebens eine große Förderin von Künstlern und Kulturschaffenden war, hat auch kurz nach Liszts Tod die erste Lisztstiftung ins Leben gerufen.

Messwein vorkosten lassen

Noch zu Lebzeiten Liszts ließ der Kardinal am 10. Juli 1884 am Stammsitz seines Geschlechtes in Bayern ein Denkmal errichten – an der Stelle, wo heute das Mausoleum steht. Zur feierlichen Einweihung trug der Gesangverein mit Instrumentalbegleitung mehrere Lieder vor. Dem Festakt im Kardinalsgarten folgte ein Fest im Freien („obwohl ein Gewitter drohte und es mehrere Male blitzte und donnerte“). Zu Gesangs- und Musikvorträgen gab es „vorzügliches“ Bier aus der Fürstlichen Brauerei.

Später wurde der Standort des Liszt-Denkmals wegen der Grundsteinlegung für die Fürstliche Begräbnisstätte geändert und etwa zweihundert Meter nördlich des Mausoleums auf einen kleinen Hügel verlegt.
Für die Schillingsfürster Bevölkerung war der Besuch von Franz Liszt oder ein längerer Aufenthalt des sonst in Rom weilenden Kardinals in Schillingsfürst eine Attraktion. Spaziergänge seiner Eminenz sowie dessen Besucher Franz Liszt im Fürstlichen Park sollen an der Tagesordnung gewesen sein.

Wegen des jesuitischen Einflusses fühlte sich der Kardinal im Vatikan höchst unwohl. Im Kollegium sah er sich isoliert. Er hielt es in Rom immer weniger aus, waren doch seine Bemühungen um deutsche Bistümer gescheitert. Von Kaiser Wilhelm und Bismarck hatte er sich dazu überreden lassen, seine Ernennung zum Botschafter des Deutschen Reiches beim Heiligen Stuhl zuzustimmen. Doch der Kirchenkampf in Preußen spitzte sich zu und der Papst gab seinen Kardinal schon deshalb nicht frei für ein solches Amt. Eine heftige Debatte, erst im Reichsstag, dann in der Presse, schloss sich an, bei der es auch zu persönlichen Verleumdungen und Verunglimpfungen Gustavs kam.

Der Kardinal zog sich als Gegner des Unfehlbarkeitsdogma des Papstes auf dem Ersten Vatikanischen Konzil 1870  aus Rom zurück und hielt sich nun einige Jahre in Schillingsfürst auf. Dort ließ er eine Mädchenerziehungsanstalt errichten, das ehemalige Institut, das es auch heute noch als Mädchenrealschule gibt. Erst im Februar 1876 kehrte er nach Rom zurück und erlangte bei dem neuen Papst, Leo XIII, wieder Einfluss. Den Memoiren seines Bruders Chlodwig zufolge, pflegte der Kardinal, bevor er eine Messe las, stets den Messwein von einem Geistlichen vorkosten zu lassen, weil er befürchtete, von Jesuiten vergiftet zu werden.

Im August 1877 war Liszt allein in Schillingsfürst. Dem Kardinal widmete er mehrere geistliche Werke: die Litanei „Ora pro nobis“, die Opferbereitung aus der ungarischen Krönungsmesse und acht Klavierbearbeitungen von deutschen Chorälen.  Für Prinzessin Marie zu Hohenlohe-Schillingsfürst kom­ponierte er die „Tanzmomente“. Mündlich ist überliefert, dass Franz Liszt bei jedem Besuch auf der Frankenhöhe beeindruckende Konzerte im Schloss, im Institut oder im Wohnhaus des Kardinals gab. Geistliche, Honoratioren und Freunde des Fürstenhauses waren dazu eingeladen.

Künstlerische Begegnung

In mühevoller Fleißarbeit hat Claudia Heß-Emmert, die leider viel zu früh verstorben ist, viele historische Beziehungen zwischen Franz Liszt und dem Hause Hohenlohe-Schillingsfürst recherchiert. Das beeindruckende Ergebnis ihrer Sammlung erscheint als Buch, das am Sonntag, 22. Mai, zur Eröffnung einer Bilderausstellung um 11 Uhr im Schloss vorgestellt wird. Hans Emmert hat den namhaften Ansbacher Künstler und Kulturpreisträger Reiner Grunwald animiert, sich auf seine Weise mit dem Thema „Liszt“ auseinanderzusetzen – eine spannende Begegnung.

Den Anfang einer fruchtbaren Beziehung zwischen Weimar und Schillingsfürst signalisiert ein Konzertabend am Samstag, 29. Mai, um 19.30 Uhr mit dem Alt-Rektor der Hochschule für Franz Liszt und Künstlerischer Leiter des Liszt-Jahres, Professor Rolf-Dieter Arens. Der frühere Solist des Berliner Sinfonieorchesters konzertiert in ganz Europa und begleitet mit Liszts Werken „Vie Trifurquée“, die unter anderem in der Villa d’Este, dem Refugium, das ihm der Kardinal Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst entstanden sind,  eine Lesung. Der Schauspieler Hans Lucke spricht ausgesuchte Texte von Franz Liszt, dem Kardinal, Richard Wagner und  Marie zu Sayn-Wittgenstein, eine enorm vermögende russische Prinzessin  und passionierte Jägerin, was für ihre Zeit für eine Dame der Aristokratie sehr ungewöhnlich war.

Verheiratet war sie mit Fürst Clodwig, der bedeutendsten und bekanntesten Persönlichkeit des Hauses Hohenlohe-Schillingsfürst neben seinen Brüdern Viktor, Konstantin und Gustav Adolf. Fürst Chlodwig brachte es vom Bayerischen Ministerpräsident unter König Ludwig II. bis zum deutschen Reichskanzler unter seinem nicht immer ganz einfachen Neffen Kaiser Wilhelm II. Marie war eine der ersten Fotografinnen, und es haben sich im Schloss zahlreiche von ihr aufgenommene Aufnahmen erhalten, die sie überwiegend von ihren Hausangestellten und der einfachen Landbevölkerung gemacht hatte.

Chlodwigs dritter Bruder, Prinz Konstantin war Erster Obersthofmarschall unter dem österreichischen Kaiser und ungarischen König Franz Joseph I. in Wien. Zusammen mit seiner Gemahlin Marie führte er im Wiener Augartenplais ein großes Haus, in dem seinerzeit alle bedeutenden Astristokraten, Gelehrten und Künstler der österreichisch-ungarischen Monarchie ein- und ausgingen. Anton Bruckner widmete als damaliges Mitglied der Hofmusikkapelle dem Prinzen „in tiefster Ehrerbietung“ seine 4. Sinfonie, die „Romantische“. Die Partitur befindet sich heute noch im Besitz der Familie.

Konstantin war der Begründer der Wiener Linie des Hauses Hohenlohe-Schillingsfürst und ist somit Ahnherr des heutigen Schlossherrn Constantin. Der Diplom-Ingenieur und Elektronikunternehmer wuchs mit seinen zwei Brüdern und drei Schwestern als Kinder des Bankiers Tassilo Hohenlohe-Schillingsfürst und Antoinette Gräfin von Seilern und Aspang im Stadthaus in Wien und im Schloss Baumgarten in der Wachau auf. Sein jüngster Bruder Karl ist „Österreichischer Journalist des Jahres 2011 in der Kategorie Unterhaltung“ und als Kolumnist und Drehbuchautor tätig. Seit einigen Jahren kommentiert er gemeinsam mit Christoph Wagner-Trenkwitz den Wiener Opernball sowie weitere gesellschaftliche und royale Großereignisse und Prinzenhochzeiten.

Mozart für Kinder

Im Jahr 1993 übernahm Constantin als künftiger Erbnachfolger von Karl Albrecht Hohenlohe-Schillingsfürst, dessen einziger männlicher Nachkomme sich das Leben nahm, den Familienstammsitz Schloss Schillingsfürst. Nach dem Tod des Onkels im Jahr 2005 wurde aus dem Wiener Unternehmer ein fränkischer Schlossbesitzer mit Forst- und Landbesitz, in einem nahezu unbekannten Haus, das er lediglich einmal als Junge besucht hatte.

Fürst Constantin, den Titel trägt er nach hohenloher Hausrecht, widmet sich mit großem Engagement dem Erhalt des historischen Besitzes. Keine leichte Aufgabe, denn Witterungs- und Umwelteinflüsse setzen dem aus weichen Gailnauer Sandstein erbauten Schloss zu. Um die hohen Restaurierungskosten wenigstens in einem gewissen Maße aufzufangen, etablierte das Haus 1993 den Bayerischen Jagdfalkenhof, der mit seinem im Sommerhalbjahr stattfindenden Greifvogelflugvorführungen und dem Falknereimuseum um die 25000 Besucher lockt, wovon auch das Schloss­museum profitiert. Momentan leiden die Beziehungen unter der schlechten Zahlungsmoral des Geschäftsführers, der die Geduld des von Natur aus zurückhaltenden Fürsten erneut auf eine harte Probe stellt – wie schon vor etwa zehn Jahren. Constantin Hohenlohe-Schillingsfürst bemüht sich um eine einvernehmliche Lösung, denn juristische Auseinandersetzungen sind ihm zuwider.

Mit Unterstützung des neuen Kulturvereins möchte der 61-Jährige ein fes­tes Kulturprogramm im Schloss installieren. Im Juni spielt die junge russische Pianistin Marina Goshkieva, die schon einmal ein hochkarätiges Konzert in den historischen Räumlichkeiten mit dem altertümlichen Charme gab. Ende Juli folgt die Zeitreise ins Jahr 1805 auf den Spuren Napoleons in Bayern, wo vor den mittelalterlichen Toren Günzburgs ein erbittertes Gefecht zwischen Franzosen und Österreichern tobte. Auch dazu gibt es interessante historische Bezüge zu Schillingsfürst. Die Fremdenlegion wurde zum Teil aus der älteren Legion Hohenlohe gebildet und im Schloss gegründet. Die Gebäude des heutigen Schlosscafé und „Falkenhof­imbiss“ am Zugang zum Schloss waren die Kaserne des Regiments Hohenlohe.

Auch im Rahmen des „Hohenloher Kultursommers“ gibt es auch wieder einen Konzerttag auf Schloss Schillingsfürst. Im September will der Schlossherr die Kinder am Vormittag mit dem Singspiel „Die Zauberflöte“ für den lustigen Vogelfänger und Mozart be­geis­tern. Nachmittags kommen die erwachsenen Mo­zartfreunde bei einem Klavierkonzert auf ihre Kosten.

Fürst Constantin pflegt zur „Neuen Lisztstiftung“, im November 2006 in Weimar gegründet, einen engen Kontakt, der ausgebaut werden soll. Es gibt auch konkrete Gespräche zur Liszt-Musikhochschule in Weimar mit der Idee, Meisterkurse für renommierte Gastprofessoren und Studierende im Schloss an­zubieten und Schillingsfürst als Weimarer Außenstelle zu etablieren. 

sis

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Schillingsfürst