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Schweinsdorf: "Pfarrer-Mayer-Haus" soll saniert werden

Baugeschichtlich wertvolles Gebäude im Kreis Ansbach hat neue Besitzer - 23.09.2014 12:44 Uhr

Leerstand ausgenutzt: Aus dem ehemaligen Kuhstall wurde das Heim für Familie Schneider. © Scheuenstuhl


Die Sträucher und Büsche am Straßenrand tragen dazu bei, dass man die optischen Mängel des baugeschichtlich besonders wertvollen „Pfarrer-Mayer-Hauses“ beim Vorbeifahren nicht in ihrem vollen Umfang wahrnimmt. Dennoch hebt es sich von den umliegenden Gebäuden, darunter ein bereits restauriertes und ein in der Aufhübschung befindliches Fachwerkhaus sowie einen Neubau direkt nebenan, deutlich ab.

Es scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich dies ändern wird. Denn ein junges Ehepaar aus Rothenburg erwarb dieses besondere Bauwerk in Schweinsdorf, dessen Bauweise auf den land- und hauswirtschaftlich versierten Pfarrer Johann Friedrich Mayer (1719 bis 1798) aus Kupferzell zurückzuführen ist. Die Besonderheit seines Konzepts: Der bäuerliche Wohnbereich im ersten Stock eines Hauses profitiert von der Wärme, die die Tiere im Ergeschoss abgeben.

Der frühere Neusitzer Pfarrer Christoph Schwethelm wollte vor ein paar Jahren bereits das Haus als seinen Ruhestandssitz auf Vordermann bringen. Doch aus diesem Projekt wurde am Ende nichts. Nun sind die zwei jungen Rothenburger am Zug. Der Kaufvertrag ist aber noch nicht rechtskräftig, da vorher erst geklärt werden muss, wie hoch die staatlichen Zuschüsse ausfallen werden.

Hierfür wird das bereits für Pfarrer Schwethelm geleistete und eingereichte Vorprojekt (damals wurden Zuschüsse in Höhe von etwa 174.000 Euro in Aussicht gestellt) aktualisiert. Die neuen Besitzer haben eigene Vorstellungen, wie ihr Haus am Ende aussehen soll. Deshalb verändert sich die damalige Kostenberechnung.

Der Rothenburger Architekt Andreas Burkart ist zusammen mit Restaurator Holger Wilcke aus Heideck bei Roth verantwortlich für das neue Vorprojekt. „Die Substanz ist in Teilen stark beschädigt, doch man kann das Gebäude mit entsprechendem finanziellen Aufwand retten“, erklärt der hiesige Fachmann. Es ist eine „schonende Sanierung“ geplant, bei der die historische Substanz weitgehend berücksichtigt wird und Neueinbauten nur „in notwendigem Ausmaß“ stattfinden sollen.

Charakter bewahren

Doch auch wenn man den ursprünglichen beziehungsweise historischen Charakter bewahren will, müssen baurechtliche Belange wie Wärme- und Brandschutz beachtet werden. Manchmal kann scheinbare Vernachlässigung auch ein Segen sein. Das „Pfarrer-Mayer-Haus“ wurde über Jahrzehnte hinweg nicht restauriert.

Anders als bei anderen Häusern wurde dort in den 50er Jahren nicht alles herausgerissen und erneuert, so dass viele alte Bauteile noch erhalten sind. Gerade dadurch ist das Haus für das Landesamt für Denkmalpflege besonders wertvoll, weiß Andreas Burkart. Und auch Bürgermeister Rudolf Glas gibt sich optimistisch, dass den beiden Hobby-Restauratoren eine entsprechende finanzielle Unterstützung zuteil wird. Aus dem Budget der Dorferneuerung wird ebenfalls eine Förderung möglich sein. Schließlich ist dieses Projekt ein weiterer Schritt zur Reaktivierung des Ortskerns(momentan wird auch an einem Plan zur Neugestaltung des Kirchenumfelds in Schweinsdorf gearbeitet), um diesen auch für junge Familien attraktiv zu machen.

So zog es auch die Familie Schneider nach Zwischenstationen in Rothenburg und Neusitz nach Schweinsdorf. Familienoberhaupt Sven Schneider, der in dem Ortsteil aufgewachsen ist, liebäugelte eigentlich mit dem damals noch zum Verkauf stehenden Ferienhaus im Fachwerk-Stil neben dem „Pfarrer-Mayer-Haus“, das ebenfalls eine Verschönerungskur nötig hatte. Letztlich entschloss er sich aber dazu, den leerstehenden Kuhstall neben seinem Elternhaus für seine mittlerweile fünfköpfige Familie plus Hund auszubauen.

Drei Jahre lang werkelten sie an dem 1893 erbauten Stall. Etwa 25 Jahren ist er leergestanden, wurde aber gepflegt, da er als Abstellraum genutzt wurde. Die Substanz war noch recht gut erhalten. Nur ein Holzbalken musste unterfüttert werden, laut Sven Fischer. Seit fünf Jahren wohnen sie nun schon darin und die eine oder andere kleine Baustelle im Obergeschoss muss noch in Angriff genommen werden.

Außen sollte der Charakter des Kuhstalls noch erhalten werden. Innen entstand eine außergewöhnliche Mischung aus Modernität und Rusti­kalität, wo man in einem ­Zimmer den urigen Kaminofen und die alten Holzbalken hat und im nächsten Raum die moderne, rote Küche eingebaut wurde. Im Badezimmer wurde sogar noch die originale Kalksandsteinwand des Stalls er­halten.

Zufriedene Tochter

Tochter Celina ist froh, dass ihre Eltern die Herausforderung des Umbaus in Schweinsdorf auf sich genommen haben. Der aufgeschlossenen Jugendlichen, die auch im Kindergottesdienst aktiv ist, gefällt es sehr in dem kleinen Ort. Fortziehen komme für sie nicht in Frage, sagt sie. Im Gegenteil: Sie hat sich schon das nebenstehende Haus ihrer Großeltern als künftigen Wohnsitz ausgeguckt, das vielleicht dann auch eine Generalüberholung erhalten wird.

  

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