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St. Wenzeslaus bekommt eine neue Stimme

Glocke des Weißenkirchberger Gotteshauses hatte einen Riss - 13.07.2017 12:05 Uhr

St. Wenzeslaus soll wieder eine Stimme bekommen. Die älteste Glocke hat einen 18 Zentimeter langen Riss und muss geschweißt werden. Am 24. September sollen die Glocken zur Kirchweih wieder dreistimmig läuten. © Gernot Dürr


In einem festlichen Zug wird die mit einem Kranz geschmückte neue Glocke beim Gemeindefest unter den Linden am kommenden Sonntag um 14 Uhr durch das Dorf geleitet: vom Kirchweihplatz zum Kirchbuck – und dann zum Besichtigen ausgestellt, bis sie eingebaut wird. Die örtlichen Vereine und die Gruppierungen der Kirchengemeinde (Posaunenchor, Kirchenchor, Kindergottesdienstteam, Kirchenvorstand) sowie die Stadtkapelle Schillingsfürst werden neben einigen Ehrengästen dem Festzug das Geleit geben. Anschließend ist geselliges Beisammensein bei Kaffee und Kuchen mit gemütlichem Ausklingen des Abends bei einer zünftigen Vesper. Zu diesem besonderen Anlass darf ein hervorgehobener Sonntagsgottesdienst um 10 Uhr unter Mitwirkung der örtlichen Chöre nicht fehlen. Im Anschluss macht das Volksliederblasen des Posaunenchors Appetit auf das Mittagessen.

Auch Glocken halten nicht ewig. Vor gut zwei Jahren begutachtete der Sachververständige Rainer Dietz aus Dachau das Geläut und den Glockenstuhl – und stellte Handlungsbedarf fest. Der Glockenstuhl müsse erneuert werden. Außerdem entdeckte er an der großen und mit 500 Jahren ältesten Glocke einen 18 Zentimeter langen Riss. Bei einer beschädigten Glocke, sie war vor ein paar Jahren abgestürzt, verändert sich nicht nur der Klang. Mit jedem Anschlag des Klöppels besteht die Gefahr, dass der Riss wächst. Unter Umständen kann die Glocke sogar reißen. Sie durfte nicht mehr geläutet werden. Der 1400 Kilo schwere Koloss wurde abgenommen und muss geschweißt werden. Ein Glocken-Schweißwerk im niederländischen Asten erwies sich als günstigster Anbieter und unterbot seinen deutschen Mitbewerber aus Nördlingen um einige tausend Euro. Mit der Glocken­sanierung eröffnete sich für die Kirchengemeinde die Chance, die Klänge der Glocken aufeinander abzustimmen. Die kleinste Glocke aus dem Jahr 1947 mit einem Gewicht von 260 Kilo passte mit ihrem Klang nicht ganz zu den beiden anderen Renaissance-Glocken aus dem 16. Jahrhundert. Sie verbleibt im Turm, wird aber künftig nicht mehr geläutet.

Bei einer Umfrage am Erntebittgottesdienst hat sich die Mehrheit der Kirchenbesucher für eine neue Glocke entschieden. Der Kirchenvorstand schloss sich dem eindeutigen Votum an. Der niedrige Bronzepreis war einer der Gründe, die Sanierung von Glockenstuhl und Geläut mit der Anschaffung einer neuen Glocke zu verbinden. Mit der Ausführung des ge­samten Auftrags wurde als Generalunternehmen die Rothenburger Firma Dürr betraut. Die Kosten der Maßnahmen belaufen sich auf rund 68.000 Euro. Die Landeskirche hat einen Zuschuss von etwa 6.500 Euro in Aussicht gestellt. Den größten finanziellen Brocken muss die Kirchengemeinde schultern. Spenden sind deshalb willkommen. 17.000 Euro sind bereits eingegangen. Auf krea­tive Art und Weise sammeln die Gemeindeglieder wei­terhin Geld. Als nächstes beim Gemeindefest. Im November findet unter der Federführung des Frauenkreises ein Basar statt. Die Gemeindeglieder wurden im Gemeindebrief gebeten, durch Bastel- und Näharbeiten, Einkochen von Brotaufstrichen, Herstellen von Likören und Backwaren zur Angebotsvielfalt beizutragen. Der Bürgermeisterchor des Landkreises hat als aktive Unterstützung für Ende des Jahres einen Auftritt in der Kirche St. Wenzeslaus in Aussicht gestellt.

Aus einem Guss

Die neue Glocke wurde Ende Mai von einer Gießerei in der Eifel gegossen – traditionell am Freitagnachmittag, was an die Sterbestunde Jesu Christi erinnern soll. Das heute noch gebräuchliche Verfahren des Glockengusses geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Der Schmelzofen wird angefeuert, damit die Glockenspeise aus Kupfer und Zinn schmilzt. Hat die Bronze eine Temperatur von zirka 1100 Grad erreicht, kann der Guss beginnen. Die gegossene Glocke muss in der ausgehobenen Glockengrube noch einige Tage auskühlen, bis sie aus ihrem Mantel befreit werden kann. Dann wird mit der Stimmgabel geprüft, ob der Guss gelungen ist und die Glocke wie gewünscht erklingt. An der Kirchweih soll die neue Glocke eingeweiht werden und zusammen mit den anderen Glocken zum ersten Mal offiziell erklingen. Der neue Pfarrer, Roland Balzer, tritt im September seinen Dienst an. Er ist momentan noch in der Kirchengemeinde Zautendorf tätig, die zur Pfarrei Cadolzburg gehört.

Seit dem Wechsel von Pfarrerin Heimtraut Walz Ende Oktober nach Windsbach, sie wollte nach acht Jahren Neues angehen, war die Pfarrei Weißenkirchberg vakant. Mit Wirkung vom 15. Februar bekam Pfarrer Friedrich Müller vom Landeskirchenrat die Vertretung im Umfang einer halben Kirchenstelle übertragen. Mit der anderen Hälfte ist er in der Kirchengemeinde St. Lambertus in Ansbach und teilt sich die dortige Pfarrstelle mit seiner Frau Marion Scholz-Müller.  

sis

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