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Stadtkapelle Schillingsfürst begeisterte bei Neujahrskonzert

Besondere musikalische Bandbreite zeugt von hohem Können - 08.01.2018 14:47 Uhr

Die gastgebende Stadtkapelle Schillingsfürst in großer Besetzung mit Martin Lohbauer (links), der den Gesang bei "The Lion King" übernahm. © Scheuenstuhl


Frank Hofmann, Vorsitzender der gastgebenden Stadtkapelle, hatte in seiner Begrüßung nicht zu viel versprochen. "Ganz ohne Reue" ob etwaiger Kalorien lasse sich an jenem Abend der "Hochgenuss an musikalischer Klasse" genießen. Die Ehre (und ein klein wenig Bürde) mit dem ersten Lied den Grundstein für ein gelungenes Konzerterlebnis zu legen, war dem Nachwuchs der Stadtkapelle zuteil.

Vielen im Publikum ging das Herz auf, als die jüngste Musiker-Generation der Schloss-Stadt dieser Aufgabe mehr als gerecht wurde und ihr beachtliches Können unter dem Dirigat von Edith Nützel zeigte. Acht von ihnen fieberten dem Konzert besonders aufgeregt entgegen, war es doch für sie der erste öffentliche Auftritt nachdem sie erst im Februar zu der Kapelle hinzugestoßen sind. Mögen sie auch jung an Jahren sein, ihr Spiel war im wahrsten Sinne des Wortes königlich.

Denn mit dem ersten der insgesamt fünf Märsche, die unter "Pomp and Circumstance" zusammengefasst sind, zauberten sie royalen Flair in die Aula. Dem einen oder anderen mag das Stück besser als "Land of Hope and Glory" bekannt sein, das in Großbritannien fast beliebter ist als die gediegene offizielle Hymne "God save the Queen" und bis 2010 sogar inoffizielle Regionalhymne Englands war. Auch mit "Pachelbel’s Carols" bewegte man sich weiterhin im englischsprachigen Musikraum. Dahinter verbirgt sich ein Medley aus beliebten Weihnachtsliedern, das noch einmal den Zauber der besinnlichen Zeit verbreitete.

Das Lied "Nessaja", von Peter Maffay für das Album "Tabaluga" komponiert, entsprach vielleicht mehr dem jugendlichen, träumerischen Geist der jungen Musiker - der musikalische Anspruch blieb aber unverändert hoch. Unterstützung bekamen sie dann von den älteren und erfahreneren Mitgliedern der Stadtkapelle bei dem Lied "The Lion King" ("König der Löwen"). "Er ist immer brav und schnurrt höchstens wie eine Wildkatze", stellte Martin Lohbauer, der bei dem Stück den Gesangspart übernahm, Dirigent Jürgen Strauß bei dieser Gelegenenheit vor.

Märsche und Polkas

"Wir sind böhmisch eingestellt", beschreibt dessen Kollege Hermann Riedel die Ausrichtung seiner Bucher Schützenkapelle. Und so durften sich die Zuhörer im zweiten Teil des Konzerts über ein mitreißendes Potpourri aus Märschen und Polkas freuen, das viele unweigerlich zum Mitklatschen animierte. Den Anfang machte der sogenannte "NBMB-Jubiläumsmarsch", der im Jahr 2012 anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB) gemeinsam von Rudi Fischer und Erich Weber komponiert wurde.

Ein Stimmungsgarant ist so ziemlich jedes Stück von Peter Schad und so durften auch die Werke "Neuer Schwung" und die "2er-Polka" aus der Feder des Gründers der Oberschwäbischen Dorfmusikanten nicht fehlen. Letzteres wartete zudem mit einem hervorragend gespielten Solopart für Flügelhorn und Tenorhorn auf. Dirigent Hermann Riedel übernahm höchspersönlich das Flügelhorn und bewies dabei, dass er seine Musiker auch dann im Griff hat, wenn er ihnen den Rücken zuwendet. Das Repertoire der Bucher Musikanten wurde erfrischend humorvoll und fränkisch-bodenständig von Brigitte Feez moderiert, die ihre Kollegen darüber hinaus mit der Tuba unterstützte.

Den Begriff "Zoigl" verbindet man zwar eher mit alkoholischen Genüssen, doch die gleichnamige Polka sei "a recht schee", meinte sie trocken - und sie hatte damit vollkommen Recht. Bei den anschließenden "Tango Souvenirs" erklangen verschiedene Stücke in Potpourri-Form, etwa "Du schwarzer Zigeuner" oder die "Capri-Fischer". Einen würdigen Abschluss für ihren Solopart lieferte die Schützenkapelle mit dem Stück "Für unsere Kameraden", das in einer beeindruckenden Kadenz gipfelte.

Fünfte Auflage des Konzerts

"Es ist ein Geben und Nehmen", erklärt Andreas Pfundt, Vorsitzender der Schützenkapelle Buch am Wald, die Motivation, das mittlerweile 5. Neujahrskonzert der Stadtkapelle mitzubestreiten. Denn in der Vergangenheit waren die Schillingsfürster auch schon einmal in Buch am Wald bei einem Konzert zu Gast. Für den Auftritt in der Schloss-Stadt übte die Schützenkapelle, die in Vollbesetzung 20 Instrumentalisten umfasst und sich über jeden neuen Mitstreiter freut, vier neue Stücke ein. Dass sie, wie auch ihre "Frankemer" Kollegen, gestandene Musiker sind, zeigte sich auch in dem klanggewaltigen Höhepunkt des Konzerts als beide Kapellen zusammen spielten. Jedes Ensemble übte die Stücke zunächst für sich ein. Lediglich eine gemeinsame Probe genügte, damit das große Finale des Abends in perfekter Harmonie zu Gehör gebracht werden konnte.

Doch davor hatte der Gastgeber erst einmal seinen Soloauftritt, der unter dem Motto "Filmmusik" stand. Das Ensemble schlug dabei einen mal spannungsgeladenen, mal nostalgische Erinnerungen heraufbeschwörenden musikalischen Bogen und begab sich auf eine Reise in ferne Welten - angefangen in den unendlichen Weiten des Weltalls mit "Star Wars".

"Zuckerl" fürs Publikum

Martin Lohbauer fungierte dabei als launiger "Reiseleiter", der für das Publikum so manches "Zuckerl" in flüssiger und kalorienreicher Form dabei hatte. Nach einem kurzen heiter-melodiösen Zwischenstopp bei Peggy Marchs "Chariot" ging es mit "The Magnificent Seven" ("Die glorreichen Sieben") in den Wilden Westen. Anschließend fand man sich auf dem fünften Kontinent wieder, dank der verbotenen Liebe von Pater Ralph und Meggie Cleary aus dem Fernsehfilm "Die Dornenvögel".

Fulminant leitete die Stadtkapelle mit "Pirates of the Caribbean" ("Fluch der Karibik") zum bereits erwähnten gemeinsamen Konzertabschluss über. Aber nicht ohne dem Publikumswunsch nach einer Zugabe nachzukommen. In doppelter Stärke erklang sodann "Ein halbes Jahrhundert" und "Dem Land Tirol die Treue".

Bei Letzterem bewiesen die Musiker, dass sich nicht nur ihre Instrumente, sondern auch ihre Stimmen hören lassen können. Fritz Bald, "Gründungsvater" der Stadtkapelle und Ehrendirigent, schwang als krönenden Abschluss bei einem Stück den Taktstock. 

mes

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