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Mittwoch, 15.08.2018

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TCM-Tagung setzt Maßstäbe in der chinesischen Medizin

Wildbad Rothenburg ist Tagungsstätte des internationalen Kongresses - 14.05.2018 10:51 Uhr

Der Engländer Peter Deadman lehrt den Teilnehmern Taichi Shibashi Qigong im Wildbadpark. © diba


Begonnen hatte alles ganz bescheiden im Jahr 1968 mit einer Akupunktur-Arbeitstagung in der Reichsstadthalle. Aus einem Arbeitskreis für Klassische Akupunktur wurde 1982 die heutige um Traditionelle Chinesische Medizin erweiterte Arbeitsgemeinschaft (AGTCM). "Der TCM-Kongress Rothenburg ist längst zu einer festen Größe auf der Agenda der weltweit bedeutendsten derartigen Konferenzen geworden, hier findet der Austausch zwischen Fachleuten und TCM-Therapeuten aus aller Welt statt", betont Vorstandsmitglied Tom Tuchardt.

Dezentrales Tagen ideal

Ein Glücksfall für die Tagungsstadt, der es eigentlich an einem großen Kongresshotel mangelt – die es aber auch gar nicht braucht, sondern ihren Reiz gerade im dezentralisierten Tagen entfaltet, fast maßgeschneidert wirkt das auf TCM-Teilnehmer, die das Flair des mitteltalterlichen Ortes schätzen und sich an mehreren Veranstaltungsorten nicht stören. Neben dem Schwerpunkt Wildbad unverändert die Reichsstadthalle, dazu neuerdings sogar die Mehrzweckhalle in geteilten Räumen und das Tagungshaus Hotel Eisenhut. Ergänzt um die Spitalkirche und etliche weitere Hotels und Gasthöfe zur Aufnahme der jede Einzelkapazität überschreitenden Teilnehmer in der Stadt. Zubringerbusse verbinden die Tagungsorte, die Unterstützung durch die Stadt wird gelobt.

Oberbürgermeister Walter Hartl hob in seiner Begrüßungsrede am Donnerstag in der Reichsstadthalle darauf ab, dass Rothenburg nicht nur ständig internationales Publikum hat, sondern hier auch Menschen aus über achtzig Nationen friedlich miteinander leben. Der TCM-Kongress trage zu dieser Weltoffenheit bei.

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft (AGTCM), Dr. Andrea Hellwig meinte im Interview mit unserer Zeitung zur heutigen Bedeutung von TCM in der Gesellschaft: "Die Akupunktur hat sich weitgehend etabliert, auch bei den Patienten. Was es jetzt noch zu entwickeln gibt, ist die Arzneimitteltherapie als eigentliches Herzstück chinesischer Medizin und die manuelle Therapie, Quigong und Ernährungstherapie. Hier gilt es, diese Themen noch mehr den Patienten zu vermitteln und sie auch an die Öffentlichkeit zu tragen".

Probleme bei der Zertifizierung

Bei der Zertifizierung von TCM-Leistungen gibt es laut Dr. Hellwig unverändert Probleme. Manchmal müsse man Anwälte bemühen: "Aber in der Regel bekommen wir die Zertifizierung mit einer Verzögerung dann doch". In seinem Hinweis auf den gegenwärtigen Stand politischer Entwicklungen der TCM in Europa wies Gerd Ohmstede bei der Kongresseröffnung darauf hin wie wichtig es ist, politisch zu wirken. So gebe es erste Erfolge und Länder, die TCM in ihr Gesundheitssystem bzw. Leistungen entsprechend anerkennen und aufnehmen. In Portugal und der Schweiz gebe es Erfolge und auch in der Tschechischen Republik, wo sich das Parlament mit der Integration von TCM ins Gesundheitssystem befassen will. Und es geht um eine Angleichung der Vorschriften im europäischen Raum, bei denen die ETCM mit ihren Mitgliedsorganisationen aus achtzehn Ländern auf Erfolge ihrer Lobby-Arbeit setzt.

Man sieht sich nicht als Konkurrent, sondern mit jahrtausendealter Tradition ergänzend zur westlichen Medizin – vor allem als Heilkunst mit einem ganzheitlichen Ansatz. Viele Ärzte haben das erkannt, praktizieren zusätzlich Akupunktur oder setzen unterstützend Naturheilverfahren ein. Heilpraktiker haben heute ein gutes Angebot an qualifizierter und auch schon diplomierter Anerkennung in TCM. Arzneimitteltherapie, Tuina und Qigong sind neben der klassischen Nadelung Angebote mit guten Ausbildungsstandards. Die Diagnostik spielt eine wichtige Rolle.

Praxis und Theorie

Zu nahezu allen wesentlichen Aspekten chronischer Krankheiten wie Herzinsuffiziens, Arteriosklerose, Demenz und neurologische Erkrankungen konnten die teilnehmenden Heilpraktiker, Ärzte, Apotheker und Therapeuten Kurse buchen und dies häufig in Theorie und Praxis. So entdeckte man bei Vorträgen in der Mehrzweckhalle wie im Wildbad auch immer wieder Behandlungsliegen in den Sälen. Es wurde genadelt und es ertönten Klangschalen, beim Morgengruß und Abendausklang ging es um Meditation in der Wildbad-Kapelle sowie um Taichi-Übungen im Park an der Tauber. Netzwerken und Arbeitskreise sind angesagt. Der Theatersaal ist gefüllt mit Angeboten von Fachausstellern.

Themen-Schlagworte sind Traumakompetenz, Kinderheilkunde, Schädelakupunktur bei chronischen Schmerzen, Rezepturen für emotionale Störungen, neurologische Erkrankungen und die Balance-Methode, Hormonwirkungen chinesischer Heilkräuter, integrative Ernährungstherapie oder die zwölf Geistpunkte. Zum Rahmen gehören die Klangwerkstatt im Wildbad-Atelier, eine Party in der Reichsstadthalle und heute eine Musiknacht als fantastisches Finale im Rokokosaal.

Vom 28. Mai bis 1. Juni 2019 dauert der 50. TCM-Kongress in Rothenburg. Die Stadt wurde so über Jahrzehnte zu einem internationalen Begriff im Zusammenhang mit chinesischer Medizin, was die touristischen Asien-Kontakte nur fördern kann. Gynäkologie und Andrologie (aus der frühen Quing-Dynastie) lautet das Thema 2019. Auch danach will man der Stadt die Treue halten. 

diba

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