Montag, 17.12.2018

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Toppler-Darsteller Klösel spielt Hauptrolle in BR-Film

Rothenburg war der Drehort - 07.01.2011 11:33 Uhr

Vorbereitung der Hexen-Verhaftung mit Willi Genthner (Mitte) im Reichsstadtmuseum. © diba


Bereits 2009 hat der Bayerische Rundfunk für das Fernsehen eine dreiteilige Dokumentation „Profile des Dreißigjährigen Krieges“ erstellt. Autor des Stoffes ist Redakteur Christian Lappe, Regie führte Michael Appel. Und dafür hatte man erneut in dem Toppler-Darsteller Matthias Klösel vom Rothenburger Toppler-Theater einen geeigneten Hauptdarsteller entdeckt. Klösel war bereits vorher für den Film „Der Pate von Rothenburg“ verpflichtet worden, wo er seine Bühnenrolle als Bürgermeister Toppler auch für den Film in ganz anderer Inszenierung wahrnahm.

Bis in das zwanzigste Jahrhundert hinein, also für mehr als 250 Jahre, blieb der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) das große Trauma der Deutschen. Begonnen hatte er als Religionskrieg, ausweiten konnte er sich, weil zunehmend unterschiedliche und divergierende Interessen von seinen Auswirkungen berührt waren, nicht enden wollte er, weil den streitenden Parteien die Politikfähigkeit, die Kunst des Ausgleichs, abhanden gekommen war.

Soldatendasein geschildert

Ebenso wie die Ursachen und Denkmuster der Akteure ist der Verlauf des Krieges kompliziert und filmisch kaum nachzuzeichnen. Der aufwändig inszenierte BR-Dreiteiler bietet ein Panorama dieser einschneidenden Epoche der deutschen Geschichte aus der Perspektive der Miterlebenden.

Drei Figuren stehen im Mittelpunkt jeder Folge. Ihre Schicksale sind typisch für das Zeitalter des „Großen Krieges“ und dennoch einzigartig. Sie leben mit dem Krieg, was er an Schrecken und Ängsten, Not und existentielle Bedrohung auch mit sich bringt, sie leben aber auch vom Krieg, sei es als Akteure, Organisatoren, Profiteure oder Mittelsmänner- und -frauen, was vielleicht sogar einer überraschenden Entdeckung gleichkommt. Abenteuer und Tragik, Wagemut und Apathie wechseln einander ab – ein Auf und Ab der Emotionen. Wer sind diese Menschen in der Mitte Europas vor fast 400 Jahren? Was können sie erwarten von der Zeit in die sie hineingeboren wurden?

Da ist der hochadelige Feldherr, Christian von Braunschweig-Wolffenbüttel, der, wo er auftaucht, alles in Angst und Schrecken versetzt, aber auch der einfache Soldat, Peter Hagendorf, dessen Geschäft das Töten ist, dessen liebevolle Vorsorge aber seiner Frau und seinen Kindern gehört, die im Tross des Heeres mit ihm ziehen. Diesen Hagendorf stellt Matthias Klösel dar, wobei wesentliche Szenen im Taubertal zwischen Detwang und Topplerschlösschen spielen. Und da ist einer, der es von ganz unten bis an die Spitze der Gesellschaft, zum hochberühmten Reitergeneral und reich begüterten Freiherrn gebracht hat, Jan von Werth. Ferner gibt es den Spekulanten, Hans de Witte, der seine Chancen zu nutzen versteht, aus dem Unglück anderer seinen Vorteil zieht.

Auch Rothenburger dabei

Aber auch der Gastwirt, Seneca Schreiber, der aufmerksam das Kriegsgeschehen verfolgt, an den bei ihm einkehrenden Soldaten gut verdient und doch dem Schicksal seiner Heimatstadt Augsburg nicht entfliehen kann. Und schließlich ist da noch ein Künstler, Matthäus Merian, der begreift, dass sich mit Nachrichten nicht nur Stimmung, sondern auch Geld machen lässt.

Die Folgen von Missgunst und kollektiven Ängsten erfährt die Frau eines wohlhabenden Bamberger Ratsherrn, Dorothea Flock,  am eigenen Leib; sie wird unschuldig als Hexe verdächtigt. Wie eine Frau in schweren Zeiten ihren „Mann steht“, zeigt das Leben der Äbtissin von Frauenwörth, Magdalena Haidenbucher. Wesentliche Szenen wurden auch im Reichsstadtmuseum gedreht. Der Ro­t­henburger Willi Genthner zum Beispiel spielt den Kanzleisekretär, der die vermeintliche Hexe festnehmen lässt. Die Szene entstand im Museum, wo auch die Klosterküche begehrtes Objekt für die Filmleute war. Es lohnt sich also den Historienbeitrag anzusehen. 

diba

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