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Eine Umfrage in der Bevölkerung sollte zeigen, wie die Rothenburger zu diesem Millionen-Projekt stehen, bei dem Beträge von vier bis sechs Millionen genannt sind, aber noch lange keine genaue Berechnung vorliegt. Wir hörten uns am Tag vor der Stadtratssitzung um, also vor der Entscheidung und dann wenige Tage nach dem positiven Beschluss, der sich noch nicht bei allen herumgesprochen hatte.
Viele der Rothenburger, die man am Tag der Sitzung auf der Straße, beim Einkauf oder Bummeln trifft, sprechen sich für eine Mehrzweckhalle aus. Doch viele unter Vorbehalt, wie eine Rothenburgerin, die lieber anonym bleiben will: „Ich bin für eine Halle, doch nur wenn die auch wirklich genutzt wird.“ Oft hört sie sowohl von Jung und Alt, dass die Stadt nichts zu bieten hat, sei aber das Angebot da, werde es dann häufig doch nicht wahrgenommen.
Eine ältere Dame, die selbst noch in einer Turngruppe aktiv ist, muss da nicht lange überlegen. Sie und ihre „Mit-Turner“ mussten von der Halle der Topplerschule in die der Realschule umziehen, in der ihrer Meinung nach zu wenig Platz ist. Keine Frage für sie deshalb: „Diese neue Halle muss her“.
Das meinen auch Kathrin und Gisela Kustra, selbst Mutter und Oma. Die Jugend habe ohnehin keine richtige Interessensvertretung und ihr fehle auch die Möglichkeit als Gruppe aufzutreten. Da müsse wenigstens ein gewisses Angebot vorhanden sein. Auf das Argument „die Stadt hat kein Geld“ meinen die beiden nur: „ Es ist doch nie wirklich Geld da, aber deswegen nichts zu tun, hilft den Jugendlichen und Kindern auch nicht weiter.“
Genau dieses Argument spreche gegen den Bau einer Halle, erklären zwei Rothenburger. Die Stadt habe doch sowieso kein Geld. Sie solle lieber sparen. Außerdem müssten bei einer neuen Halle ja auch neue Angestellte gezahlt werden und in dieser Größenordnung reicht ein Hausmeister sicher nicht aus.
Katja Sendel, die mit ihrem Sohn in der Stadt unterwegs war, meinte zu solchen Äußerungen nur: „Für was anderes ham’ se doch auch Geld, also warum nicht mal dafür?“
Eine andere Mutter, ebenfalls mit ihrem Sohn unterwegs, spricht sich auch für Investitionen der Stadt im sozialen Bereich aus. Das Geld sollte ihrer Meinung nach eher in die Kinder gesteckt werden. „Der Spielplatz im Burggarten ist schön und gut, aber im Sommer knallt da die Sonne hin. Die anderen Plätze werden zudem vernachlässigt. Für die Jugend sei doch genügend da, an die Kinder solle mehr gedacht werden. „Die Stadt investiert zur Zeit nur in den Tourismus.“
Auch Sebastian, Marcel und Henrik, die viele Tage in der Woche auf dem Skaterplatz verbringen, fühlen sich vernachlässigt. Sebastian hat durch seinen Opa von der Diskussion mitbekommen und er und seine Freunden fänden so eine Halle eine gute Sache. In ihren Skaterplatz steckt die Stadt nicht viel meinen sie. Vor einiger Zeit haben sie beim Oberbürgermeister nach einer neuen Tischplatte gefragt, weil die alte fast auseinander fiel. Die haben sie auch bekommen, doch jetzt soll sich der Platz halbieren und ein neues Grünfeld entstehen, was die Jungen völlig unsinnig finden. Alle hätten kein Problem damit selbst mit anzupacken, wenn sich denn mal jemand interessieren würde. Bis dahin fahren die Jungs auch weiter nach Würzburg oder Hof, da können sie mit den Plätzen wirklich etwas anfangen. Oder sie „streeten“ – nutzen die Straße zum Springen und die Bordsteine als Schanzen.
Nach der Abstimmung im Stadtrat findet man auf den Straßen und in den Geschäften zwar Befürworter, aber auch sehr starke Gegenpositionen, wobei man die Kostenfrage aufwirft oder eine andere Priorität setzen würde.
Zum Teil wussten die Bürger nichts von den Plänen, konnten sich aber nach einer kurzen Erläuterung zur Thematik äußern. So auch Günter Lange, der seit sieben Jahren in Rothenburg lebt. Er findet den Bau einer solchen Halle nicht dringend erforderlich und für die Stadt auf längere Sicht hin nicht lohnenswert genug. Auch wenn eine solche Halle sicher gut für die Einwohner ist, solle sich die Stadt doch lieber in den Bereichen Industrie und Tourismus absichern und mit ausreichend Steuereinnahmen eine Grundlage für derlei Investitionen schaffen. Der Meinung ist auch Eva Hulsman, der dringlichere Dinge für Rothenburg einfallen würden. Unter anderem eine bessere Instandhaltung der Spielplätze, das Wiederbelegen leerstehender Läden oder auch Renovierungsarbeiten in der Stadt.
Paul Wulkow ist ebenfalls Gegner der Halle: Die Stadt mache lauter neue Schulden, müsste doch erst Vorhandenes in Stand setzen, wie beispielsweise die Spielplätze der Stadt. Lieber solle die alte Halle an der Erlbacher Straße saniert werden, da diese ja bereits direkt an vorhandenen Fußballfeldern und anderen Sportmöglichkeiten anschließe.
Vor allem einige Großmütter wünschen sich dagegen mehr Aufmerksamkeit für ihre Enkel, besonders wenn diese sportlich aktiv sind. In die Jugend zu investieren, halten die meisten für eine wichtige Maßnahme gegen „die Entwicklung der Stadt zum Altenheim“. „Wenn es an bestimmten Dingen fehlt, muss eben investiert werden“, ist eine der meistgehörten Aussagen bei der Umfrage.
Detlef Hirschmann sagt, er denke vor allem an die örtlichen Vereine. Für einige angebotene Sportarten werde mehr Platz gebraucht und die Hallen reichten für die vielen Mannschaften, der TSV, der allein schon 18 Fußballgruppen habe, nicht aus. „Doch was solle man auch erwarten, wenn „die meisten Stadträte keine Kinder haben und keinen Sport treiben.“ Hannelore Thieme wusste weder von den Überlegungen noch von dem Beschluss für eine solche Halle. Ihrer Meinung nach ist es aber immer positiv, wenn etwas für den Nachwuchs getan wird. Die Aussage von Hannelore Thieme hören Daniel Schiller und Reinhold Saiz sicher gerne. Sie sind Mitglieder eines Vereines in Crailsheim, der Musikveranstaltungen organisiert und ständig auf der Suche nach Orten für Auftritte ist. So sind sie verständlicherweise dafür, dass Rothenburg um eine Halle erweitert wird. Die hohen Kosten finden sie aber „einigermaßen heftig“, um aber gleich hinzuzufügen: „Was mal sein muss, muss eben sein.“
Die hohe Summe schreckt auch Jennifer Schwarz ab. Ihr würden andere Dinge einfallen, die in der Stadt dringlicher Aufmerksamkeit bedürften. Sie nennt den Ausbau der Parkplätze und die Reinhaltung der Stadt. Doch sie verstehe die problematische Situation der Vereine und sieht sich selbst in der Sache zwiespältig.
Unter den Befragten waren einige Mütter mit kleinen Kindern, die sich von dem Hallenbau nicht gerade begeistert zeigten. Für sie stellt sich die Frage, ob die Stadt neben den Bedürfnissen der Vereine und der Jugendlichen auch die Anliegen der jungen Familien entsprechend berücksichtigt, wie gesagt wurde. Befinden sich die Kinder allerdings schon im Grundschulalter, haben die Eltern eher selten etwas gegen einen Hallenbau einzuwenden.
Ottilie Geiger-Schäfer freut sich für ihren 15-jährigen Sohn, der Basketball spielt und von dem sie schon oft Klagen wegen einer Überbelegung der Hallen gehört hat. Auch eine weitere Veranstaltungsmöglichkeit neben der nahen Reichsstadthalle hält die Mutter für nicht verkehrt. In Rothenburg existiere ohnehin kein allzu großes Angebot und durch die Teilschließung der alten Halle sei das Problem jetzt eben noch drängender, meint die Grundschullehrerin Juliane Dehner.
Die Umfrage kann nicht mehr als eine wahllose Momentaufnahme sein und ist in keinster Weise als repräsentativ anzusehen, aber sie vermittelt doch einige Meinungs-Schlaglichter zum Thema, mehr als Gedankenanregung kann es deshalb nicht sein.