Dienstag, 20.11.2018

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Vom Rothenburger Bären-Wirt zum Berliner Alten Fritz

Dr. Olaf Kappelt hat in der Hauptstadt seine neue Heimat gefunden und macht Königs-Karierre - 11.05.2012 12:39 Uhr

Ist das nicht der "Alte Fritz" wie er leibt und lebt? Taugte er auch als Toppler-Führer? © Andreas Meichsner


Auch manchem Rothenburger hat er dort schon die Zusammenhänge erklärt. „Na ja die allerbesten Erinnerungen sind es nicht unbedingt“, meint der Wahl-Berliner auf seine Rothenburg-Zeit angesprochen. Hier hatte er in den neunziger Jahren aus Würzburg kommend zunächst den „Alten Ritter“ in der Klingengasse übernommen und die „Rittermahl“-Angebote eingeführt.

Jahre später versuchte er das marode Hotel „Bären“ bis zum Jahr 2000 vor dem Konkurs zu retten, wobei sein Konzept nicht aufging. Zuvor war das Traditionshotel der Familie Müller sogar auf dem Weg zum Sterne-Restaurant, ehe es wirtschaftliche Probleme gab. Kappelt versuchte es zunächst ebenfalls mit seinen Ritteressen und historischem Gepräge, schwenkte dann aber auf etwas für Rothenburg ganz Ausgefallenes um: der gut bürgerliche „Bären“ mauserte sich zum weit und breit einzigen Erotik-Hotel.

Das bescherte dem Eigentümer Olaf Kappelt durchaus Medieninteresse und die Filmteams der Privat-Fernsehsender stürzten sich auf das Thema – aber auch dieser Werbeeffekt nützte nichts. Große Aufmerksamkeit zog der gebürtige Brandenburger (aus Altdöbern im Kreis Oberspreewald-Lausitz) auch durch seine Klage gegen die Stadt Rothenburg auf sich, als es um Außenbestuhlung beziehungsweise Zulassung eines Biergartens im Bären-Gästehaus in der Hofbronnengasse/Burggasse ging. Tatsächlich brachte er damals den restriktiven Altstadtbebauungsplan in der alten Fassung zu Fall.

Kappelt gab schon damals zu, dass er Fehler gemacht hat, schiebt aber bis heute noch einen erheblichen Teil seines betrieblichen Niedergangs der früheren Stadtpolitik in die Schuhe. „Inzwischen lebe ich länger in Berlin, als ich einstmals in Rothenburg gewesen bin“, stellt er fest und betont als Autor mehrerer Bücher, dass er bereits ein Rothenburg-Buch begonnen hat: „Aber damit werde ich wohl erst im Rentenalter fertig“, meint der 59-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Was in Rot­henburg der Marktplatz ist, das ist in Berlin der Pariser Platz, wo sich die Touristen aus aller Welt tummeln“, schmunzelt Olaf Kappelt, der sich gut eingerichtet hat in seinem zweiten Leben als Friedrich der Große. In einigen Büchern und Schriften begibt sich der Dr. phil auf eine Zeitreise durch 300 Jahre Berlin-Brandenburgische Geschichte.

Kellermeister aus Hohenlohe

Und in einem andern Buch verrät er die Koch- und Küchengeheimnisse des Alten Fritz. Dabei entdeckte er sogar einen direkten Bezug zur Rothenburger Gegend, denn Johann Simon Habel, der 42 Jahre im königlichen Kellereibetrieb diente und zwar seit 1797 als Kellermeister, stammt aus Hachtel bei Rot­henburg im Hohenlohischen. Die Weingroßhandlung der Gebrüder Habel von 1779 ist seit jener Zeit ein Begriff über Berlin hinaus. Im Weinhaus Habel lebt heute die alte Tradition der „Probierstube Preußens“ auf.

Vor zehn Jahren war Kappelt arbeitslos beim Berliner Arbeitsamt gelandet, ehe er die Idee umsetzte einfach für die Touristen den Alten Fritz zu spielen. Inzwischen ist er nicht nur in in- und ausländischen Zeitungen damit vertreten, sondern wird auch in Fernseh-Gesprächsrunden eingeladen und saß bei Giovanni di Lorenzo in illustrem Kreis mit Starkoch Schuhbeck, der Schauspielerin Gaby Dohm und anderen, wo er über seine Leibspeise und die Kartoffel ebenso munter plauderte wie über die Liebschaft mit der Prinzessin Amalie von Britanien und einer Potsdamer Kantorstochter – Stoff wie fürs „Talk-TV“ gemacht.

Sogar Spiegel-Online widmete dem „Dr. phil. Alter Fritz“ (so der Titel) einen längeren Beitrag und lobt das schauspielerische Talent mit Theaterstimme. Einst als Staatsfeind in der DDR verfolgt hatte er als Dissertation das spannende Thema „Die Entnazifizierung in der SBZ sowie Rolle und Einfluß ehemaliger Nationalsozialisten in der DDR als soziologisches Phänomen“ gewählt. Aber ob als Hotelier, Schriftsteller oder Historiendarsteller – noch immer knappert der Alte Fritz an den Folgen seines Rothenburger „Bären-Abenteuers“, doch als wiederverheirateter Familienvater ist er in seinem Berlin zufrieden und meint: „So geht die Zeit ins Land, aber wir müssen froh sein, wenn wir mehr oder weniger gesund und munter den Alltag gestalten und geniessen dürfen“.

Das aber ist etwas, was der studierte und geistig vielseitig engagierte Berliner nach Art eines Lebenskünstlers durchaus beherrscht. Auf Fotos plaudert er ebenso locker mit Udo Lindenberg wie mit Gerhard Schröder als der noch Kanzler war. Friedrich der Große wird im Himmel vielleicht zum 300. Geburtstag über seinen irdischen Vertreter Dr. phil. Olaf Kappelt geschmunzelt haben, der den preußischen König wieder so lebendig werden lässt. 

diba

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