Sonntag, 18.11.2018

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Windelsbacher feiern Neueröffnung ihrer Kirche

Gotteshaus steht Gemeinde nach Renovierungsarbeiten wieder zur Verfügung - 20.03.2018 11:45 Uhr

Der gemischte Chor unter der Leitung von Jörg Kolbinger umrahmte den Gottesdienst in der voll besetzten Kirche. © Schwandt


Und diese Feier war überaus gelungen, wurde zu einem großen Fest, an dem alle mitwirkten. Gemeinsam mit Pfarrerin Barbara Wirsching und Dekan Hans-Gerhard Gross zogen die sechs diesjährigen Konfirmantinnen in das Gotteshaus ein, gefolgt von einer frohen Kinderschar aus dem Windelsbacher Kindergarten.

Der Posaunenchor unter der Leitung von Klaus Horn eröffnete den feierlichen Gottesdienst mit einer Bläserintrada, während die Konfir-mantinnen die Kerzen im Altarraum entzündeten. Der Kindergartenkinderchor stimmte das Lied "Du bist ein Ton in Gottes Symphonie" an und erntete anhaltenden Applaus für die frische Darbietung. Pfarrerin Wirsching segnete die große Kinderschar und lud sie zum eigens gestalteten Kindergottesdienst ein.

Baustopp durch Fledermausbaby

Bereits vor einem Jahr hätten Schwalben den Kirchenraum für sich entdeckt, zudem habe die Aufzucht eines Fledermausbabys einen Baustopp bewirkt, so Pfarrerin Wirsching. Doch jetzt sei für die Gemeinde alles bereit. Sie dankte nachdrücklich für die gute Zusammenarbeit mit den Vertretern des Staatlichen Bauamtes, die sowohl die Pflege des historischen Erbes als auch die sinnvolle Nutzung der Kirche für den Gottesdienst im Blick hatten.

Der liturgische Chor unter der Leitung von Claudia Schauer intonierte den 84. Psalm an und der gemischte Chor unter der Leitung von Jörg Kolbinger, begleitet von Jürgen Strauß, brachte den Lobpreis "Singt Gott, unserm Herrn" zu Gehör. In seiner Ansprache betonte Dekan Gross, die St. Martinskirche sei ein Symbol für Beständigkeit und für Treue. Unser Leben brauche ein festes Fundament, einen tragenden Grund. Unser Fundament sei bereits gelegt, es trage den Namen Jesus Christus. Gott habe für uns ein Haus errichtet, es liege an uns, daran weiterzubauen.

Prächtigste Kathedrale bleibt ohne Menschen ein leerer Raum

Gotteshäuser dürften nicht sich selbst überlassen werden, sondern müssten als Orte gepflegt werden, wo Gott gelobt und gepriesen wird. Die prächtigste Kathedrale bleibe ein leerer Raum, wenn sich nicht Menschen im Vertrauen auf Gottes Schöpfermacht dort versammeln. Der Dekan endete mit dem Choral "Kommt her, ihr Christen voller Freud", wo es im vierten Vers heißt: "O Herr, noch eines bitten wir: Lass uns auch künftig für und für allhier zusammenkommen, bewahre Kirche und Gemeinde und die darinnen Lehrer sein; so werden dir die Frommen singen, bringen schöne Weisen und dich preisen für die Gaben, die sie zu genießen haben."

Dekan Hans-Gerhard Gross erinnerte daran, dass Gotteshäuser nicht sich selbst überlassen werden dürften. © Schwandt


Er sprach das Einweihungsgebet für die Kirche, dann beteten die Gläubigen gemeinsam das "Vater unser", bevor der gemischte Chor mit den Worten "Dona Pacem Domine" den Friedensgedanken im Gottesdienst verankerte. Pfarrerin Wirsching rief zum Frieden auf, nicht nur in der Gemeinde, sondern darüber hinaus.

Sie dankte den Handwerkern für ihre vorbildliche Arbeit und zeigte sich überaus glücklich, solch hervorragende Firmen in der Region zu haben. Stellvertretend für das Staatliche Bauamt würdigte Anja Buttolo, die Abteilungsleiterin für Westmittelfranken die gelungene Renovierung der Kirche. Sie sei jetzt weniger bunt, der Raum sei ruhiger geworden und man habe im Chorraum die Fresken wieder herausarbeiten können, dabei manche Überraschung entdeckt. 700.000 Euro seien verbaut worden, so Buttolo, eine gewaltige Summe.

75.000 Euro muss die Gemeinde selbst übernehmen

Zudem wurde bei den Renovierungen immer wieder das Landesamt für Denkmalpflege hinzugezogen. Die Kirche ist in "staatlicher Baupflicht", so Buttolo, der Staat ist damit für die "Hülle" zuständig. Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa 400.000 Euro. Für das Innere des Gotteshauses muss die Gemeinde aufkommen. Nach Abzug von Zuschüssen bleibt ein Restbetrag von etwa 75.000 Euro, den die Gemeinde selber finanzieren muss, eine große Summe für die knapp 1000-Seelen-Gemeinde.

Der Windelsbacher Bürgermeister Alfred Wolz wünschte der Kirchengemeinde, dass das Gotteshaus mit Leben erfüllt wird, dass die Menschen dort Antworten auf ihre Fragen finden. Er erinnerte an seine Tätigkeit als "Läutbue": Er musste als Kind an jedem Sonntag in den Gottesdienst, ebenso zu Taufen und Beerdigungen, denn er durfte an den Glockensträngen ziehen und das Geläut zum Erklingen bringen. Diese Zeit möchte er keinesfalls missen. Er wünscht sich eine lebendige Kirchengemeinde – das Fundament sei gelegt.

Neue Beleuchtung am Altar

Pfarrerin Wirsching richtete mit der Gemeinde den Blick auf den Altar aus der Schule des Nürnberger Künstlers Michael Wohlgemuth: Man habe von hinten eine Beleuchtung angebracht, auch um das Fresko besser betrachten zu können. Mit Blick auf den Bürgermeister bemerkte sie, dass dabei abgebrochene Altarspitzen entdeckt worden seien, die die "Läutbuben" wohl mit ihren Glockensträngen erwischt hätten.

Die Kirche St. Martin bildet in Windelsbach ganz natürlich und zwanglos den Mittelpunkt des Geschehens, so Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Sie strahlt eine sehr anrührende Ruhe und Gelassenheit aus und scheint zu beobachten, was die Menschen um sie herum gestalten. Rund um St. Martin entsteht, blüht und vergeht Leben. Die Kirche ist eng mit den Menschen und Familien in Windelsbach verbunden, sie vermittelt Beständigkeit und Orientierung. Im Fresko ist die Zahl 1513 zu sehen, die Kirche hat die Reformation erlebt, den Dreißigjährigen Krieg und zwei Weltkriege mitgemacht.

"Ich kann mir denken, dass dankbare Heimkehrer aus den Weltkriegen und deren erleichterte Familien den Weg in diese Kirche gesucht haben", so Ludwig. Viele andere hatten dies herbeigesehnt, verstarben aber fern der Heimat. Der Landkreis werde die Renovierung bezuschussen, so der Landrat. Er wünschte der Gemeinde stets so gut besuchte Gottesdienste wie beim feierlichen Wiedereinzug, dazu alles erdenklich Gute und Gottes reichen Segen.

Besondere Orgel

Gudrun Utz brillierte an der historischen Steinmeyer-Orgel und die Gemeinde stimmte froh in den Choral "Nun danket alle Gott" mit ein, den die Organistin im Wechsel mit dem Posaunenchor begleitete. Einen gelungenen Schlusspunkt setzte der gemischte Chor mit einem Halleluja. Zum großen Auszug erklangen das Präludium und die Fuge in g-moll von Johann Sebastian Bach.

In der herrlich renovierten Kirche findet sich ein weiteres Kleinod: Die Orgel op. 478 aus dem Jahr 1893. Das Instrument hat acht Register, verteilt auf das Manual und das Pedal und sie ist etwas ganz Besonderes, so die Organistin: Während das Manual über eine mechanische Traktur verfügt, funktioniert das Pedal bereits elektropneumatisch. Dem feierlichen Auszug folgte eine Begegnung im Gemeindehaus, wo ein reichhaltiges Buffet aufgebaut war. Und es gab die Möglichkeit, sich an den Schautafeln mit der Renovierung der Kirche zu befassen, die grün-rote Farbgebung des Gotteshauses vor der Renovierung und den "Jetzt-Zustand" zu vergleichen. Auch Alt-Landrat Rudolf Schwemmbauer war unter den Gästen.

Kirche wohl bereits um 1100 erbaut

Bereits seit dem Jahr 1241 besteht die Pfarrei Windelsbach als selbstständige Pfarrei, die Kirche ist jedoch älter: So lassen Reste eines romanischen Kreuzgratgewölbes vermuten, dass die Kirche schon um 1100 erbaut worden ist. Der Kirchenpatron St. Martin findet sich zweimal im Gotteshaus: einmal im Fresko rechts neben der Jahreszahl 1513, in gelb-rotem Gewand und ein zweites Mal im Altar rechts von der Marienstatue. Mit der feierlichen Wiedereröffnung am Sonntag Judika ist die Martinskirche wieder der lebendige Mittelpunkt des gottesdienstlichen Geschehens und des Gemeindelebens. 

sw

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