Sonntag, 18.11.2018

|

Wird die Ludwig-Siebert-Straße umbenannt?

Stadtrat möchte am 30. April in öffentlicher Sitzung entscheiden - 07.04.2015 12:18 Uhr

Viele Stimmen sprechen für eine Umbennenung der Ludwig-Siebert-Straße. © oh


Schon viel ist gesagt und geschrieben worden über das Thema und die Frage, ob sich Rothenburg in seiner Offenheit und Toleranz als Fremdenverkehrsstadt und Ort der Vielfalt noch die nach einer NS-Größe benannte Straße leisten kann. Viele sagen darauf ein klares Nein. Berichte in der überregionalen Presse und die Bemühungen Gußmanns sowie Beiträge der Lokalzeitung brachten den Stein erneut und diesmal möglicherweise endgültig ins Rollen: in öffentlicher Sitzung am 30. April soll im Stadtrat entschieden werden.

Pfarrer Gußmann verwies in seiner Leinwandpräsentation auf die aktuelle Personenforschung und legte die Dissertationsarbeiten von Daniel Rittenauer, München, und von Dr. Daniel Bauer, Vilseck, vor. Wie schon berichtet, war der 1874 in Ludwigshafen geborene und 1942 gestorbene Ludwig Siebert von 1908 bis 1919 Rothenburgs rechtskundiger amtierender Bürgermeister und hat sich als solcher auch Verdienste erworben. 1931 wurde er, wie Gußmann erläuterte, der erste NSDAP-Oberbürgermeister in Bayern in Lindau, 1932 Landtagsabgeordneter. Er war SA-Obergruppenführer und 1933 bis 1942 Bayerischer Ministerpräsident.

Daniel Rittenauer schreibt, dass Siebert wo er konnte die Umwandlung des Rechtsstaates in ein totalitäres System gefördert habe. © oh


Als „Multiplikator der NS-Propaganda“ bezeichnete Daniel Bauer in seiner Doktorarbeit Ludwig Siebert. Er stiftete ein Ehrendenkmal mit dem Hakenkreuz-Symbol im Burggarten und setzte sich für Alt-Rothenburg ein, da Rothenburg ideologisch als Zeuge deutscher Vergangenheit galt. Unter den Enteignungen durch die NS-Machthaber war auch die Immobilie des amerikanischen Staatsbürgers Johann Martin Friedle am Nuschweg 7, wobei Siebert versucht haben soll, seinem Freund Baron von Löffelholz das Anwesen zuzuspielen. Es erscheint Dr. Bauer „befremdlich, dass heute noch eine Straße den Namen dieses NS-Funktionärs trägt”. Das widerspreche der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Totalitäres System gefördert

Daniel Rittenauer schreibt, dass Siebert wo er konnte die Umwandlung des Rechtsstaates in ein totalitäres System gefördert habe. Bis zum Tod habe er „bedingungslose Treue zu seinem Führer“ gezeigt. Er verei­nigte neben dem Ministerpräsidenten auch noch das Amt des Finanzministers und des Wirtschaftsministers sowie Staatskanzleichefs in seiner Person. Rittenauer kommt zu dem Schluss: „Mindestens bei Kriegsausbruch 1939 ist Siebert als einer der zentralen Machtfaktoren im nationalsozialistischen Bayern zu bezeichnen”. Lediglich Lindau und Rothenburg hätten die Erinnerung an ihn auch nach 1945 wachgehalten. Auch für Rittenauer steht die 1955 vom Stadtrat erfolgte Wiederbennung der Oberen Bahnhofstraße nach Ludwig Siebert im Gegensatz zur demokratischen Gesellschaft.

Außer in Rothenburg seien alle Straßenbenennungen (Lohr, Speyer, Weißenburg, Neustadt a.d.Weinstraße, Annweiler und Lindau) dauerhaft zurückgenommen worden, machte Dr. Oliver Gußmann deutlich. Er wies auch sachlich auf Verdienste bei der Verbesserung der städtischen Infrastruktur und in der Denkmalpflege hin. Aber die Bombardierung der Stadt sei letztlich dem Regime zu verdanken, für das sich Siebert eingesetzt habe.

Gußmann favorisiert eine Rabbi-Meir-Straße. Er nannte auch: Johann Rößler, Moses Hofmann, Pharamund-Straße, Ludwig-Straße (nach dem König) oder wieder Bahnhofstraße. Sogar die örtliche SPD hatte 1955 Sieberts Verdienste höher als seine NS-Verstrickung gewertet und für die Namensumbenennung gestimmt. 

diba

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Rothenburg