Donnerstag, 15.11.2018

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Zieht Schillingsfürst den Kürzeren?

Verlagerung des Rettungswagen-Standplatzes nach Wörnitz droht - 30.10.2018 11:49 Uhr

Die bisherige Rettungswache (die beiden rechten Tore). © privat


Bürgermeister Michael Trzybinski will das nicht hinnehmen und drängt darauf, die bisherige Konstellation zu belassen wie sie ist. Sein Bürgermeisterkollege Karl Beck in Wörnitz weist jeden Verdacht von sich, die Nachbargemeinde habe dabei die Hand im Spiel.

In der Stadt Schillingsfürst ist seit der Schließung des örtlichen Krankenhauses ein Rettungswagen-Standplatz des Roten Kreuzes untergebracht. Im Zuge eines neu geplanten Feuerwehrgerätehauses in der Bahnhofstraße, hat die Stadt die Situation erkannt und die Weichen dafür gestellt, dass die Feuerwache aus der Mitte der Stadt heraus direkt an der Umgehungsstraße angesiedelt wird. Analog dazu sollte auch der Rettungswagenstandplatz mit in die Bahnhofstraße "umziehen".

Die Synergien für zwei verschiedene Hilfseinrichtungen am gleichen Standort seien nicht von der Hand zu weisen. Mit Grundstückskäufen, Vermessungsarbeiten, geologischen Un­tersuchungen ist Schillingsfürst im Vertrauen auf positive Aussichten für den Standort einer neuen Doppelwache in Vorleistungen gegangen, betont der Bürgermeister der Schloss-Stadt.

Bei der Standortwahl zur Versorgung von Rettungswachen lässt sich das  Innenministerium vom Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM) beraten und entsprechende Ergebnisse vorlegen. In Artikel 5 Absatz 1 des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes (BayRDG) ist die  Zuständigkeit geregelt.

Für den Versorgungsbereich der Rettungswache Feuchtwangen – dem der Stellplatz Schillingsfürst zugeordnet ist, kennt der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Ansbach eine Überschreitungen der 12-Minuten Hilfsfrist in einigen Gemeinden. Deshalb wurde bereits Anfang 2017 eine weitere Gesamtnachbetrachtung für den Rettungsdienstbereich (RDB) Ansbach beantragt.

In erster Linie geht es dabei darum, den "weißen Flecken Schnelldorf" in eine medizinische Erstversorgung einzubinden. Das Ergebnis wurde laut einer Trend- und Strukturanalyse Trust III Rettungswagen-Stellplatz Schillingsfürst vom Ende August der Stadt mitgeteilt. Im Ergebnis bedeutet das Gutachten anhand von "Routenoptionen" eine Verlagerung weg von Schillingsfürst in das nur drei Kilometer entfernte Wörnitz.

Kehrseite der Medaille

"Was das Gutachten nicht belegt, ist die Tatsache, dass bei etwaigen Einsätzen in Schnelldorf dann automatisch eine Unterversorgung des bisherigen Einsatzgebietes des bisherigen Standortes in Schillingsfürst und der umliegenden Kommunen erfolgt," betont Trzybinski. Das Gutachten stütze sich dabei auf Meldungen der Krankenkassen. Seitens der Stadt seien diese Einsätze "weder bekannt noch präsentiert worden." Vor dem Hintergrund eines neu angedachten Rettungswagen-Standortes in Schillingsfürst trifft diese "Empfehlung" des Institutes für einen Neubau in Wörnitz auf Unverständnis. Selbst Bürgermeisterkollege Karl Beck habe sich bei der Information durch Landrat Dr. Jürgen Ludwig an alle Beteiligten überrascht gezeigt, berichtet das Schillingsfürster Stadtoberhaupt.

Gegenüber unserer Redaktion bestätigt der Wörnitzer Bürgermeister, es habe bisher keine Verhandlungen mit seiner Gemeinde bezüglich einer Ansiedlung der Rettungswache gegeben. Allerdings sei aufgrund des Trust-Gutachtens bezüglich möglicher Standorte angefragt worden und er habe einer Delegation eine Handvoll Flächen in seiner Gemeinde gezeigt, die sich für ein solches Projekt eignen könnten.

Er habe weder den Ehrgeiz, die Rettungswache nach Wörnitz zu holen noch habe sich seine Gemeinde darum beworben, betont Karl Beck. Hintergrund sei, dass aufgrund besagten Gutachtens zwei neue Standorte im Zweckverband eingerichtet werden sollen, einer davon im Herriedener Ortsteil Neunstetten.

Damit wäre Leutershausen, das bisher von Schillingsfürst aus mitversorgt ist, neu abgedeckt. Und der Einzugsbereich der bisher für diese Fläche zuständigen Rettungswache verschiebt sich nach Südwesten, um der Unterversorgung von Schnelldorf entgegenzuwirken.

In Wörnitz sei doch noch gar kein passendes Grundstück vorhanden, weder von der Gemeinde gekauft noch  erschlossen, heißt es von Schillingsfürster Seite. Bürgermeister Beck spricht von einer Reihe von Optionen, die er sich vorstellen könne, falls seine Gemeinde liefern müsse.  

Mit der Wucht einer Keule treffe die Standortwechsel-Empfehlung des INM, so Trzybinski. Das gelte wowohl für den Stadtrat, für die Mitarbeiter des Rettungswagen-Standplatzes als auch für die zahlreichen ehrenamtlichen Rotkreuz-Mitglieder. Der  Schillingsfürster Bürgermeister  ist nicht bereit, die Verlagerung zu aktzeptieren und kündigt eine Reihe von Gesprächen mit Entscheidungsträgern an.

Sämtliche Mitglieder des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Ansbach (ZRF AN) mit den Mitgliedern aus dem Landkreis Ansbach, Landkreis Neustadt – Bad Windsheim und der Stadt Ansbach sind von ihm über die Argumente für den Standort Schillingsfürst schriftlich und teilweise mündlich informiert worden.

In einem Schreiben kommt der Landrat zum Schluss, dass die von der Stadtspitze und von Ansbacher Rotkreuzseite vorgetragenen "unumgänglichen Argumenten" ein Beschlussvorschlag "gegen die Empfehlung aus dem Bedarfsgutachten zu stimmen" der Verbandsversammlung bei deren nächster Sitzung am Mittwoch, 7. November, in Neustadt nicht vorgelegt werden kann.

Bürgermeister Trzybinski will trotzdem nichts unversucht lassen, und hat einen entsprechenden Brief an Innenminister Joachim Herrmann und die Mitglieder des Landtages aus dem Stimmkreis verfasst.

Schließlich setze man auf die Vernunft, die Stadt Schillingsfürst zu stärken und nicht durch eine drei Kilometer entfernte Verlagerung zu schwächen. Weder die Bürger, noch die ehrenamtlich engagierten Mitglieder von Vereinen und der Steuerzahler könnten so eine Verlagerung nachvollziehen. Man setze auf eine menschliche und vernünftige Entscheidung für den Standort Schillingsfürst. 

-ww-

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