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Zugezogene beim Neujahrsempfang begrüßt

Gruppen und Vereine stellen sich vor - Nachwuchssorgen bei den Schützen - 21.01.2014 10:40 Uhr

Erlöse des Adventsmarktes gingen an die Kindertagesstätte. © mes


„Es bedarf nur eines Anfangs, dann erledigt sich das Übrige“, zitierte das Gemeindeoberhaupt den römischen Historiker Sallust beim Neujahrs­empfang im Neusitzer Rathaus. Diese Worte waren besonders an die eingeladenen Neubürger gerichtet, von denen jedoch nur relativ wenige der Einladung auch nachkamen. Mit dem Umzug nach Neusitz haben sie den ersten Schritt getan. Im Idealfall folgt darauf die Integration in das Gemeindeleben.

„Durch das Engagement in einem Verein wird der Zugang zur  Dorfgemeinschaft erleichtert“, betonte Burkhard Moser bei der Vorstellung der Vereine. Und dabei spricht er aus Erfahrung: Vor 27 Jahren ist er selbst von Oberbayern nach Mittelfranken gezogen und heute ist er Erster Kommandant  der Freiwilligen Feuerwehr Schweinsdorf. Dieses „Übrige“, also das Eingliedern in die Gemeinschaft, erledigt sich allerdings nicht automatisch. Beide Seiten müssen aufeinander zugehen.

Die bestehenden Vereine und Gruppen haben einen Beitrag dazu geleistet, in dem sie sich und ihre Aktivitäten vorgestellt haben. Das Angebot steht und die Neubürger sind nun am Zug darauf zu antworten. Auf unsere Nachfrage hin bestätigten einige Vereinsvorstände, dass es zwar immer mal wieder Neueintritte in die Vereine gibt, doch die Tendenz geht eher in Richtung sinkender Mitgliederzahlen. Die Vorstellungen am Neujahrsempfang zeigte, dass es eine erstaunliche Vielzahl an Beteiligungsmöglichkeiten gibt.

Viele Vereine, wenige Mitglieder

Vom Gesangsverein, Geselligkeitsverein, dem Obst-und Gartenbauverein über Pausenchor und Kirchenchor, Landjugend, Freiwilliger Feuerwehr, Gestaltungskreis, Diakonieverein, Frauengymnastik, Eltern-Kind-Gruppe bis hin zum Alb-Team Neusitz, dem Schützenverein und dem Seniorenkreis reicht die Palette.

Erfahrene Schützen mit Pistole und Gewehr – die Jugend lässt sich kaum dafür begeistern. © mes


Viele Vereine und Gruppen, aber teilweise sehr wenige Mitglieder. Das muss nicht zwingend an einem grundlegenden Desinteresse der Einwohner oder einem unpassenden Angebot liegen. Die Frauengymnastikgruppe von Marianne Christ schrumpfte im Laufe der Jahre auch auf einen überschaubaren „harten Kern“. Verpflichtungen im familiären oder beruflichen Bereich, sowie Krankheit sorgen dafür, dass man nicht regelmäßig an dem jeweiligen Freizeitangebot teilnehmen kann.

Auch der Neusitzer Schützenverein hat Nachwuchssorgen. Um die Jugend für den Schießsport zu begeistern braucht man am besten eine befreundete Gruppe junger Leute, die das dann zusammen macht, meint Erster Schützenmeister Rudi Uhl. Einzelkämpfer verlieren sonst die Motivation, weil unter anderem die Herausforderung durch andere Jugendschützen fehlt. Mithinein spielt auch ein gewisses negatives Image, dass durch Amokläufe wie in Winnenden entstanden ist.

Wohngebiet mit wenig Gewerbe

Neben den eigentlichen Tätigkeiten wie beispielsweise Sportschießen, Gymnastik, Instrumente spielen und Singen, geht es aber vor allem auch um ein geselliges Beisammensein. So veranstalten viele Gruppen eigene Feste für die Gemeinschaft wie etwa der Feuerwehrverein mit dem traditionellen Maibaumaufstellen am Vorabend des 1. Mai oder das Sommerfest des Schützenvereins. Manchmal tun sie sich auch zusammen wie beim Sportplatzfest und dem Neusitzer Adventsmarkt.

Dieser Markt der „leisen Töne“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass die verschiedenen Gruppen nicht nur um ihrer selbst Willen existieren, sondern für die Gemeinschaft wichtig sind. Der Erlös wird jedes Jahr für einen guten Zweck in der Gemeinde gespendet. Zum neunten Mal fand der Markt vergangenes Jahr statt und brachte insgesamt 4478 Euro ein. Wie in den Jahren zuvor rundete die Gemeinde den Betrag auf, so dass der Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Neusitz ein Scheck über 4500 Euro überreicht werden konnte.

Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung aus dem Jahr 2011 belegt, dass unter anderem ein derartiges bürgerschaftliches Engagement und ein reges Vereinsleben die Zukunftsfähigkeit eines Dorfes positiv beeinflusst. Im Falle Neusitz ist es sicherlich auch die Nähe zu Rothenburg, die für viele bei der Entscheidung aufs Land zu ziehen mitausschlaggebend ist. Man profitiert von der Infrastruktur der benachbarten Stadt, hat aber unter anderem die Möglichkeit auf mehr Raum für weniger Geld zu wohnen.

Der Nachteil: Das Dorf entwickelt sich immer mehr zu einem überwiegenden Wohngebiet mit ein wenig Gewerbe. Bäckerei, Metzgerei, Lebensmittelladen – Fehlanzeige. Ebenso gibt es keinen Arzt im Dorf und Banken und Post haben im Laufe der Jahre ihr Personal aus Neusitz abgezogen. Ein kleiner Lichtblick am Horizont ist, dass zum Jahresbeginn der Gasthof „Neusitz“ von Familie Böhm wiedereröffnet wurde.

Darüber hinaus ist Neusitz gerade für Familien aufgrund der Kindertagesstätte, der Kinder- und Jugendbibliothek, der Montessori-Schule und den drei Kinderspielplätzen plus Sportanlage attraktiv. Der Leitspruch der Kindertagesstätte sollte idealerweise für alle Bürger, hinzugezogene und alteingesessene, gleichermaßen gelten: „Wo ich mich geborgen fühle, da kann ich mich entwickeln.“ 

mes

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