Dienstag, 11.12.2018

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5000 Besucher: Schwabacher Eiersammlung mit Rekord

Schönes Abschiedsgeschenk für scheidenden Stadtmuseumsleiter Jürgen Söllner - 29.03.2016 08:07 Uhr

„Es ist schön, das Haus mit diesem Erfolg zu verlassen", kommentierte Jürgen Söllner das Besucherergebnis.

Vielen Schwabachern wird sein Name vielleicht gar nichts sagen. Schließlich stand er nicht unbedingt regelmäßig im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Und doch war der 60-Jährige in den vergangenen 31 Jahren ein überaus wichtiger Mann für Schwabach. Als Leiter des Stadtmuseums hat Jürgen Söllner die Stadt zur Eier-Hauptstadt des gesamten Globus gemacht.

Einmal mehr ein echter Hingucker: Vor allem die Kinder beobachteten ganz genau, wie die jungen Wachteln im Brutkasten aus ihren Eiern schlüpften. © Foto: Robert Schmitt


Einmalige Sammlung

Aus kleinsten Anfängen hat der Kunsthistoriker eine Schau von Format rund um die kulturgeschichtliche und naturwissenschaftliche Bedeutung des Eis gemacht. Obwohl sie ganzjährig zu sehen ist, steht sie vor allem zum Frühjahrsauftakt im Mittelpunkt bundesweiter Aufmerksamkeit.

An Ostern lockt die Eierausstellung Jahr für Jahr Tausende Besucher und Medien aus ganz Deutschland nach Schwabach. Die weltweit größte Eier-Sammlung bietet dem Publikum mit über 10.000 ausgestellten Exponaten eine Weltreise rund ums Ei. Spektakulärstes Objekt ist das Gorbatschow-Friedens-Ei des russischen Juweliers Fabergé.

„Eier aus aller Welt“

Mit der naturkundlichen Eier- und Vogelsammlung des Schwabacher Fabrikanten und Umweltschützers Carl Wenglein war seit 1957 bereits eine große Sammlung im Besitz des Museums. Ein Glücksfall war dann, dass dem Stadtmuseum 1986 eine umfangreiche völkerkundliche Eier-Sammlung mit zahlreichen dekorierten Eiern sowie Eier-Kunstwerken, Kitsch und Kuriositäten angeboten worden ist. Jürgen Söllner griff zu. „Eier aus aller Welt“, hieß dann die erste Ausstellung 1987.

Damals noch unter sehr beengten Verhältnissen in einem Haus in der Pfarrgasse im Zentrum Schwabachs.

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Strauß bis Fabergé: Schwabach zeigt Ei-Ausstellung

"Hexeneier", Dinosauriereier und ein Riesen-Ei: Über die Osterfeiertage zeigt das Stadtmuseum Schwabach eine große Osterschau mit dem Titel "Eier aus aller Welt".


Als Museums-Depot war es fast bis unters Dach mit Exponaten gefüllt, bot aber kaum Möglichkeiten, sie adäquat zu präsentieren. Die Entwicklung hin zur größten Eier-Schau der Welt begann 1994, als das Stadtmuseum nach Abzug der US-Truppen in ein ehemaliges Kasernengebäude umzog. Das war der Startschuss für die eigene Eier-Abteilung im Schwabacher Stadtmuseum, die heute fast ein gesamtes Stockwerk umfasst. Dinosaurier-Eier, ein versteinertes Vogelnest und das Riesenei des Elefantenvogels beleuchten die „Biologie des Eis“. Seltene internationale Briefmarken mit Eiermotiven zeigt die „Eierwelt im Zackenkranz“.

Jürgen Söllner hat das Schwabacher Stadtmuseum für Ostern auch zu einem Erlebnisort für Kinder gemacht. Seit 15 Jahren ist der Verein der Vogelliebhaber Schwabach Partner des Stadtmuseums. Am Brutkasten können die Kids beobachten, wie der Wachtelnachwuchs schlüpft. Im Laufstall unter der Infrarotlampe flitzen brandneue Hühnerküken umher. Manchmal so heftig, dass sie vor Müdigkeit in eine der zahlreichen Kinderhände purzeln, die sich für Streicheleinheiten begierig nach den Wollknäuel strecken.

Mit Blattgold veredelt

Ein buntes Bastelprogramm bietet etwas Ruhe für den Nachwuchs. Dort werden nicht nur Ostergeschenke gefertigt. Unter fachmännischer Leitung verbinden sich auch die Schwabacher Besonderheiten: Eierschau trifft Goldschlägerhandwerk. Die Kinder erweisen sich als äußerst geschickt, wenn sie echte Hühnereier mit hauchdünnem Schwabacher Blattgold veredeln.

Dürers berühmter Hase als Einkaufstüte: Die stellvertretende Stadtmuseumsleiterin Ulrike Kummer präsentiert dieses neue Ausstellungsstück. © Foto: Robert Schmitt


Unterdessen können Eltern und Großeltern durch den Oster- und Schmuckbasar bummeln. Allerdings ist manchmal auch eine Geschlechtertrennung festzustellen. „Die Männer suchen die Fleischmann-Modelleisenbahnausstellung, die Frauen gehen zu den Eiern und beim Kükenschlüpfen trifft man sich wieder“, sagt die stellvertretende Museumschefin Ulrike Kummer.

Dem Schwabacher Stadtmuseum werden regelmäßig private Sammlungen rund um das Ei und seine Verwendung an Ostern angeboten. Im vergangenen Jahr konnte man so erstmals eine große Sammlung zum Thema „Schokoladen-Überraschungs-Ei“ präsentieren. Diesmal hat Ulrike Kummer aus den 1000 Objekten der Hasensammlung einer Nürnbergerin eine Auswahl getroffen. Hasen in zahlreichen Materialien und Formen sind zu sehen. Zinn, Speckstein, Holz.

Prunkstück ist der Dürer-Hase als Tüte. Das Musterstück ist allerdings ein großer Schwabacher Hase auf einem Fahrrad, der viele Jahre vor einer örtlichen Eisdiele stand.

Von der Eisdiele ins Stadtmuseum: der radelnde Osterhase. © Foto: Robert Schmitt


Neuer Leiter

Am 16. April übernimmt Tobias Schmid, der schon im Februar seinen Dienst angetreten hat, alleine die Leitung des Stadtmuseums. Der 37-jährige Historiker hat beim Bamberger Stadtmuseum gearbeitet und freut sich auf die neue Aufgabe. „Ich habe mich gezielt hierher beworben, weil das Schwabacher Museum einen guten Ruf hat und ich es von eigenen Besuchen kenne“, sagt er. „Ich bin froh und stolz, hier arbeiten zu dürfen“, so Schmid.

Dass das Stadtmuseum einen hohen Grad an überregionaler Bekanntheit genießt, das weiß auch Schmid, ist vor allem der von Jürgen Söllner zielgerichtet und planmäßig zur größten Sammlung der Welt ausgebauten Eierabteilung zu verdanken.

Das Museum ist wegen der Osterferien auch am Dienstag, 29. März, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Küken-Nachzügler gibt es dann auch noch zu sehen (ohne Garantie). 

ROBERT SCHMITT

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