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60 Jahre Kirchengemeinde Unterreichenbach

Pfarrer Werner Konnerth hat ein Jubiläumsjahr ausgerufen - 20.02.2016 11:48 Uhr

Unterreichenbach ist und bleibt ein besonderer Stadtteil. Zum einen hat es die älteste Kirche der Stadt, die bereits vor 1282 errichtet worden ist. Zum anderen ist es die jüngste eigenständige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, die heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiern kann.

Grund genug für den Kirchenvorstand und Pfarrer Werner Konnerth, dafür ein Jubiläumsjahr unter dem Motto „...einiges fiel auf gutes Land“ nach dem Lukas-Evangelium (Kapitel 8, Vers 8) auszurufen, das am Sonntag, 21. Februar, mit einem Festgottesdienst um 9.30 Uhr eröffnet wird. Stadtheimatpflegerin Ursula Kaiser-Biburger hat die Geschichte der Kirchengemeinde zusammengefasst:

Die evangelische Kirchengemeinde Unterreichenbach feiert heuer ihr 60-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsjahr. © Foto: oh


Bis zum Jahre 1956 gehörte die evangelisch-lutherische Gemeinde Unterreichenbach zu Schwabach und war als Kirchensprengel eingeordnet. Die ersten Unabhängigkeitsbewegungen erfolgten bereits 1952, wobei die Unterreichenbacher Kirchenstiftung mit einer eigenen Kirchenverwaltung nach Aussagen von Pfarrer Ernst Ludwig Schmidt schon seit Jahrhunderten bestand.

Klarheit brachte das offizielle Schreiben vom Landeskirchenrat Dr. Schattenmann. Darin heißt es: „Mit Entschließung vom 27.8.1952 haben wir aus den Ortsfluren Unterreichenbach und Oberreichenbach der bürgerlichen Gemeinde Unterreichenbach im Anschluss an die Evang.-Luth. Pfarrkirchengemeinde Schwabach eine Tochterkirchengemeinde Unterreichenbach gebildet.“ Das bedeutete, dass man Unterreichenbach ein gewisses Maß an Selbstständigkeit mit eigens gewähltem Kirchenvorstand, eigener Rechnungsführung und Vermögenstrennung zur „Mutterkirchengemeinde“ Schwabach zubilligte.

„Exponiertes Vikariat“

In einem amtlichen Schreiben vom damaligen Landeskirchenrat wurde erklärt: „Mit Wirkung vom 1. Februar 1956 wird ein Exponiertes Vikariat mit dem Sitz in Unterreichenbach zum Dekanatsbezirk Schwabach gehörig, errichtet“. Weiter heißt es: „Im Hinblick auf § 8 II des Kandidatengesetzes vom 27.4.1939[. . .] wird zu-
gleich ohne Änderung bestehender Rechtsverhältnisse die Verbindung mit der Muttergemeinde Schwabach gelöst, so dass die Tochterkirchengemeinde insoweit eine eigenständige Kirchengemeinde ist.“

Dies war möglich geworden, weil die Landeskirche für Unterreichenbach die Errichtung eines Exponierten Vikariates beschlossen hatte. Damit ist eine selbstständige Vikarsstelle gemeint. Für diese „Töchterkirchengemeinden“ hieß das aber auch, dass sie „die Verpflichtung der unentgeltlichen Bereitstellung einer Dienstwohnung“ hatten.

Wohnungssuche für den Vikar

Dieser Bedingungen wurde in Unterreichenbach zugestimmt, obwohl sich gerade die Frage der Wohnungsbereitstellung als äußerst problematisch erwies. Man hatte für den vorgesehenen Vikar nur die Möglichkeit gesehen, ihn im sogenannten alten Schulhaus unterzubringen. Allerdings war dies in einem schlechten baulichen Zustand und hätte erst einer Renovierung bedurft, ehe es für den Vikar bezugsfertig war. Zudem waren der eine große Raum, die fünf kleineren sowie die beiden kleinen Kammern von drei Mietparteien belegt gewesen.

Zweigeteiltes Zuhause

Damit schied dieser Wohnraum aus. Letztlich fand der neue Vikar Ernst Ludwig Schmidt, der am 1. März 1956 seinen Dienst antrat, eine andere Wohnstätte. Die war jedoch zweigeteilt auf zwei benachbarten Häuser: In dem einen Haus waren Küche und Schlafraum untergebracht, im anderen die Wohnräume. Für heutige Verhältnisse undenkbar!

Der Prozess zur Eigenständigkeit ging weiter. Allerdings wollte man nun doch nicht die junge Kirchengemeinde so schnell eigenständig werden lassen und stellte sie zunächst unter die „Obhut“ eines Schwabacher Sprengelpfarrers.

Am 3. Februar schrieb der damalige Dekan: „Nachdem das exponierte Vikariat Unterreichenbach errichtet ist, beauftragt das Dekanat Herrn Pfarrer (Arthur) Schmidt, Schwabach III, mit der Verwesung des exp. Vikariats in Unterreichenbach bis auf weiteres.“

Doch die Unterreichenbacher gaben nicht nach. Bedingt durch die geplante Umgemeindung von Unterreichenbach aus dem Landkreis Schwabach in die Stadt Schwabach wurde im Januar 1960 der Antrag auf Umwandlung dieser Vikariatsstelle in eine Pfarrstelle gestellt. Begründet wurde dies nicht allein mit den vorgesehenen politischen Veränderungen. Vielmehr wurde mit einem Anstieg der Bevölkerung gerechnet, der sich auch auf das bestehende, lebendige Gemeindeleben auswirken würde.

Seit der Errichtung des Exponierten Vikariats gab es regelmäßige Sonntagsgottesdienste, die durchschnittlich von 100 bis 150 Gläubigen (bei 920 Gemeindemitgliedern) besucht wurden. Zur politischen Gemeinde Unterreichenbach gehörten ebenso die Orte Volkersgau und Putzreuth.

Wachsende Gemeinde

Nach der Volkszählung von 1950 zählte man hier 1066 Personen, davon gehörten 920 zur Kirchengemeinde. 1992 waren es 1160 Gemeindemitglieder. Im Gründungsjahr 1956 wurden 14 Kinder getauft, 16 Jugendliche konfirmiert, neun Paare getraut und zehn Menschen beerdigt. 59 Gottesdienste wurden gefeiert und 591 Gemeindeglieder erhielten das Abendmahl. 97 Schulkinder aus Ober- und Unterreichenbach erhielten in den drei Schulklassen im alten Schulhaus elf Stunden evangelischen Religionsunterricht. Es gab bereits einen Kindergarten, der wegen seiner Enge nur 30 Kinder aufnehmen konnte. Zudem wurden schon etliche Bauprojekte angegangen wie die notwendige Errichtung eines Pfarr- und Gemeindehauses.

Schließlich teilte das Landeskirchenamt am 4. Februar 1961 per Urkunde den Unterreichenbachern mit, dass das Exponierte Vikariat aufgehoben sei und dafür ab sofort die Pfarrei Schwabach-Unterreichenbach, zum Dekanat Schwabach gehörig, errichtet worden sei. Die Tochter-Pfründe-Stiftung für Schwabach-Unterreichenbach werde für die evangelisch-lutherische Pfarrstelle umbenannt in Kirchenstiftung Schwabach-Unterreichenbach.

„Volljährige“ Tochtergemeinde

Damit verbunden war auch, dass Ernst Ludwig Schmidt, der als Exponierter Vikar in Unterreichenbach tätig war, zum Pfarrer erhoben wurde. Damit war die Tochtergemeinde „volljährig“, das heißt eigenständig und unabhängig von Schwabach. Dafür war man nun der Landeskirche direkt unterstellt.

Mittlerweile ist die Gemeinde auf über 1600 Gemeindemitglieder angewachsen. Sie verfügt über ein vielfältiges und lebendiges Gemeindeleben. Dazu gehört insbesondere der Posaunenchor, der auf Initiative von Pfarrer Arthur Schmidt zustande kam, dem 1956 zuständigen Schwabacher Sprengelpfarrer für die Tochtergemeinde Unterreichenbach. Die Leitung übernahm der junge Exponierte Vikar Ernst Ludwig Schmidt.

Chor ist gewachsen

So manche mögen sich auch noch an das erste Lied „Ich will den Herren loben allezeit“ aus dem Gesangbuch erinnern, das einstudiert wurde. Zehn Jahre später, am 1. September 1966, wurde dann auch der Kirchenchor von Hans Fulda gegründet, dem damaligen Lehrer an der Unterreichenbacher Schule. Er war bereits seit 1958 Organist in der Unterreichenbacher Kirche. Der gemischte Chor bestand damals aus etwa acht bis zehn Frauen und fünf Männern. Heute gehören ihm rund zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger an. Beim Jubiläums-Eröffnungsgottesdienst wirken beide Musik-Chöre mit.

Der Gottesdienst am morgigen Sonntag wird vom Unterreichenbacher Pfarrer Werner Konnerth zelebriert und zwar zusammen mit Dekan Klaus Stiegler, der die Predigt hält. Zudem wird eine „Jubiläumsüberraschungswette“ vorgestellt.

Der Jubiläumsauftakt selbst wird mit einem kleinen gemeinsamen Empfang nach dem Gottesdienst abgerundet, zu dem alle Unterreichenbacher Gemeindemitglieder herzlich eingeladen sind. 

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