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A-Junioren-Kreisklassen sind Geschichte

Nachwuchsmangel und die Folgen: Der Fußballkreis Neumarkt/Jura beschließt gravierende Änderungen bei der U 19 — Trendwende bei den jüngeren Jahrgängen? - 25.07.2018 13:36 Uhr

Die Vertreter der Meistermannschaften nahmen bei der Vereinsjugendleitertagung die Urkunden entgegen. © Fotos: Robert Schmitt


Allein im Kreis Neumarkt-Jura werden in der bevorstehenden Saison über alle Altersklassen hinweg 55 Mannschaften weniger antreten als 2017/2018. Im Bezirk fehlen laut Bezirksjugendleiter Thomas Zankl 208 Teams. "Das sind über 2000 Jugendspieler weniger", rechnete er vor und erklärte, man könne nur hoffen, dass es nicht so weitergehe. "Wir jedenfalls werden alles tun, um diesem Trend entgegenzuwirken", kündigte der Bezirksjugendleiter an.

Gründe für die Entwicklung gibt es nach Einschätzung der Kreisjugendleitung mehrere. Zum demographischen Wandel kämen noch das geänderte Freizeitverhalten der Jugendlichen und ihrer Eltern sowie die wachsende Belastung in Schule oder Beruf hinzu.

Keine Kreisklassen mehr

Zunächst wird der Kreis Neumarkt-Jura deshalb in nächster Zukunft insbesondere seine Klasseneinteilung samt Spielsystem der U19-Teams überarbeiten. Kreisjugendleiter Andreas Kienlein stellte dafür drei Varianten vor. 67 von 123 Vereins-Jugendleitern entschieden sich bei der Abstimmung für jenes Modell, bei dem sowohl die Absteiger aus der Bezirksoberliga als auch die Meister der Kreisgruppen für die Kreisliga gesetzt werden sollen. Bei der Besetzung der restlichen Plätze wird die Eigeneinschätzung der Trainer eine bedeutende Rolle spielen. Denn sie sollen je nach der Spielstärke entscheiden, ob sie ihre Mannschaft für die Kreisliga oder die Gruppen melden.

Die fairsten Mannschaften der abgelaufenen Spielzeit werden alljährlich von der Sparkasse besonders geehrt.


In einer Qualifikationsrunde vor Beginn der Saison sollen diese Vereine dann die Besetzung der Kreisliga komplettieren. Einen Abstieg wird es nicht mehr geben. Vor jeder Saison wird die Qualifikation neu ausgespielt, und zwar mit jenem Jahrgang, der dann auch die Saison bestreiten wird.

Dadurch passt man Ligastruktur und Spielsystem nicht nur dem geringeren Zustrom an neuen Spielern an. Man entschärft auch das Problem der wechselnden Leistungsstärke in den unterschiedlichen Jahrgängen.

"Wir hinken hinterher"

Die Abschaffung der Kreisklassen ist in anderen Kreisen bereits seit längerem vollzogen. "Hier hinken wir etwas hinterher", so Kienlein.

Sollte sich das neue System bewähren, fügte er hinzu, könne man es auf andere Altersklassen übertragen.

Von Seiten des Bayerischen Fußballverbands aus München hieß es dazu, dass Bezirke und Kreise in dieser Sache "eigenständig entscheiden". Der Verband schalte sich lediglich ein, wenn es um die Verzahnung mit der Landesebene gehe.

Zum Nachwuchsmangel erklärte Pressesprecher Fabian Frühwirth, dass die Entwicklung über ganz Bayern hinweg ähnlich aussehe. Lediglich im Ballungsraum München sei gegenteiliges festzustellen. In der Landeshauptstadt fehlten Sportplätze. "Aufgrund hoher Zuzüge reicht die vorhandene Infrastruktur nicht, so dass Vereine manche Mannschaft gar nicht anmelden, weil sie nicht trainieren und spielen könnten", erklärte er.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer für die ländlichen Gebiete sah er in den steigenden Geburtenraten der jüngsten Vergangenheit. "In den unteren Jahrgängen ist ein gewisses Wachstum festzustellen", sagte Frühwirth. Ferner sei es gelungen Flüchtlinge für Fußball zu begeistern. Seit 2013 hätten bayernweit 4500 junge Migranten in die Junioren-Mannschaften des BFV integriert werden können.

Spielen auf vier Tore

Jugendleiter Andreas Kienlein und BFV-Kreisvorsitzender Thomas Jäger (re.) verabschiedeten Harald Bahr.


Die Jugendleiter-Versammlung sprach sich in diesem Rahmen mehrheitlich für eine weitere Änderung aus. "Funino" heißt das neue Spielsystem in der G- Jugend, das viele Erfolgserlebnisse und regelmäßigen Einsatz aller Kinder fördern soll. Die Kleinsten spielen dabei auf einem Achtel des großen Felds. Vier kleine Tore und regelmäßiges Auswechseln garantieren großen Spaß durch viele Erfolgserlebnisse und den Einsatz aller.

Traditionell werden bei der Kreisjugendleitertagung sowohl die Urkunden an die Vertreter der Meistermannschaften als auch jene für die Gewinner der Fair-Play-Wertungen der Sparkassen vergeben. Bei den U19-Junioren lag hier die SG Oberferrieden vorne. Der TSV Berching und die DJK Pollenfeld belegten Platz zwei und drei. Die Wertung der U17 hat der TSV 04 Feucht gewonnen. Die JFG Reichswald und die SG Thalmässing folgten auf den Plätzen. Die DJK Grafenberg, die JFG Wendelstein und die SV Mühlhausen stellten die fairsten Mannschaften unter den U15- Teams. Alle drei Teams haben während der gesamten Saison nicht einmal eine einzige gelbe Karte erhalten.

Ehrung für Bahr

Außerdem saß ein Schwabacher zum letzten Mal offiziell als Mitglied der Kreisjugendleitung auf dem Podium. Der 63-jährige Harald Bahr hat dem Gremium 20 Jahre lang angehört. Fünf Jahre lang hatte er zuvor bereits informell geholfen, den Jugendspielbetrieb des damaligen Kreises Jura zu organisieren. Nun nimmt er einen ersten Abschied. "Er wird uns noch ein Jahr lang bei den Kleinfeld-Mannschaften unterstützen und helfen", erklärte Kreisjugendleiter Andreas Kienlein und überreichte ihm die Urkunde, die Bahr zum "Ehrenjugendspielgruppenleiter" machte. 

ROBERT SCHMITT

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