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Als Schriftstellerin und Jazz-Sängerin voll überzeugt

Sabine Weigand trat mit der Rotenberg-Swing-Society in der Jegelscheune auf und stellte dabei auch ihren aktuellen Roman vor - 06.02.2013 09:33 Uhr

WENDELSTEIN  - Einen musikalisch-literarischen Abend der besonderen Art erlebte das Publikum in der restlos ausverkauften Jegelscheune. Dr. Sabine Weigand aus Schwabach erbrachte zusammen mit der „Rotenberg-Swing-Society“ den Beweis, dass sie nicht nur historische Bestsellerromane schreiben, sondern auch singen kann.

Sabine Weigand und die Rotenberg-Swing-Society traten in der restlos ausverkauften Jegelscheune auf.
Sabine Weigand und die Rotenberg-Swing-Society traten in der restlos ausverkauften Jegelscheune auf.
Foto: Unterburger
Sabine Weigand und die Rotenberg-Swing-Society traten in der restlos ausverkauften Jegelscheune auf.
Sabine Weigand und die Rotenberg-Swing-Society traten in der restlos ausverkauften Jegelscheune auf.
Foto: Unterburger

Sabine Weigand erwies sich als ausgezeichnete Jazz-Sängerin, die mit großem Können Standards und Balladen der 1950er und 1960er Jahre bis hin zu großen Big-Band-Klassikern drauf hat. Ganz egal, ob es der frühe Swing von Benny Goodman oder Louis Armstrongs „What A Wonderful World“ war, stets sorgten die Sängerin und die Band für  entspannte, witzige und lockere Interpretationen.

Wie vielseitig Sabine Weigand und die „Rotenberg-Swing-Society“ sind, bewiesen sie mit Songs wie „Somewhere Over The Rainbow“, „Sunny“, dem Swingstück „Bei mir bist du schön“ von Shalom Secunda und Jakob Jacobs (1932) oder „Summertime“ von George Gershwin, dem meistgecoverten Jazz- und Popstandard.

Aus dem Roman


Zwischen den Musikbeiträgen stellte die Romanautorin Sabine Weigand ihren neuen historischen Roman „Die Tore des Himmels“ vor, der im Herbst 2012 erschienen ist. Nach den Büchern „Die Markgräfin“ (2004), „Der Perlenmedaillon“ (2005), „Die Königsdame“ (2007), „Die Seelen im Feuer“ (2008) und „Die silberne Burg“ (2010) setzt sich „Die Tore des Himmels“ mit Elisabeth von Thüringen, der berühmtesten Frau des deutschen Mittelalters, auseinander.

Bereits fünf Jahre nach ihrem Tod sei Elisabeth von Thüringen heilig gesprochen worden, berichtete Weigand. Normalerweise sei die Geschichtsschreibung aus dieser Zeit spärlich, doch im Fall der Elisabeth sei das ganz anders. Es gebe Berichte von ihren Zofen, eine Lebensbeschreibung ihres Beichtvaters und eine Reihe von Zeitzeugenberichten, die ein differenziertes Bild der Elisabeth von Thüringen ermöglichen.

Wer war Elisabeth von Thüringen? Eine Rebellin, ein Störenfried? „Sie war dem religiösen Wahn verfallen“, meinte Sabine Weigand, „meine Wahrnehmung deckt sich nicht unbedingt mit der Meinung der Kirche.“ Elisabeth sei „eine Frau mit Brüchen, Ecken, Kanten und Fehlern“ gewesen.

Mit einem Jahr verlobt

Als Tochter des ungarischen Königs sei Elisabeth 1207 in Ungarn geboren worden. Kaum ein Jahr alt, habe man sie mit dem Sohn des Landgrafen verlobt. Als Vierjährige habe man sie nach Thüringen verbracht. „Das war ein sehr tiefer Einschnitt in das Kinderleben, verbunden mit einem Trennungstrauma und Entwurzelung“, kommentierte die Autorin.

Der Landgraf von Thüringen sei der größte Mäzen des damaligen Reiches gewesen, der alle Minnesänger von Rang und Namen, beispielsweise Walter von der Vogelweide, an seinen Hof eingeladen habe. Jeden Tag sei gefeiert worden, habe es Gelage, Völlerei und Sangeswettbewerbe gegeben.

„Elisabeth ist anders als alle anderen Mädchen“, sagte die Autorin. „Sie ist einfach nur fromm, will immer bloß in die Kirche und bleibt ein Fremdkörper am Thüringer Hof.“ Als sie zehn Jahre alt ist, stirbt ihr Verlobter. Elisabeth soll heimgeschickt werden, aber sie will nicht mehr zurück nach Ungarn. „Sie passt nirgends hin, ist isoliert und flüchtet sich immer mehr in die Religion“, folgerte Sabine Weigand.

Leben als Abwärtsspirale

Mit 14 heiratet Elisabeth den 21-jährigen Ludwig, den Zweitgeborenen am Thüringer Hof. Sie haben drei Kinder miteinander. Als Elisabeth sich um die Armen, Kranken und Aussätzigen kümmert, sieht man das am Hof gar nicht gern. Keiner versteht sie. Sie geißelt sich selbst, wird magersüchtig und leidet an einem übersteigerten Helfersyndrom. „Ihr Leben war eine ständige Abwärtsspirale“, meinte Weigand, „sie geriet in einen Strudel der Selbstverleugnung und kümmerte sich nicht mehr um die eigenen Kinder.“ Ihr „Berufsziel“ sei gewesen, „posthum eine Heilige zu werden“.

„Elisabeth geriet voll in den Einfluss ihres Beichtvaters Konrad von Marburg, eines Sadisten, der Ketzer verbrennen ließ und Elisabeth gequält, erniedrigt, entwürdigt und verprügelt hat“, so Weigand weiter, „doch Elisabeth wollte das so.“ 1231 sei Elisabeth im Alter von 24 Jahren, völlig isoliert, an Magersucht gestorben. 

ROBERT UNTERBURGER


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