Mittwoch, 12.12.2018

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Altes „Stahlhaus“ kommt im Museum zu neuer Blüte

Seltenes Stück aus Nerreth ist im Bad Windsheimer Freilandmuseum zu besichtigen — „Super-8-Filme“ informiert - 11.08.2012 10:36 Uhr

Das MAN-Stahlhaus, das ursprünglich im Wendelsteiner Ortsteil Nerreth stand, ist nun im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim zu besichtigen. © Jörg Ruthrof


Wenn spätestens im Jahr 2017 das „Badhaus“ als Museumshaus wiederaufgebaut und eingerichtet sein wird, ist die Gemeinde Wendelstein sogar mit zwei ganz besonderen Häusern im Freilandmuseum in Bad Windsheim vertreten: Seit diesem Jahr ist der Wiederaufbau des sogenannten „Stahlhauses“ aus Nerreth abgeschlossen, und ein seltenes Stück Architekturgeschichte der Nachkriegszeit macht die Geschichte und den Alltag der Wirtschaftswunderzeit jetzt wieder hautnah erlebbar.

Für Mitarbeiter errichtet

Das kleine Haus stand ursprünglich in dem Weiler Nerreth im Wald zwischen Wendelstein und Röthenbach/St. Wolfgang und wurde dort 1949 „ab Werk“ auf einem vorbetonierten Kellergeschoss von der MAN errichtet. In diesem Haus, wie in den beiden erhaltenen älteren Bauernhöfen des Weilers Nerreth, wohnten damals Firmenmitarbeiter, da der Wald samt Weiler seinerzeit der MAN Nürnberg gehörte. Diese hatte während der Zeit des Dritten Reichs der Firma Faber-Castell große Waldteile abgekauft, um eine unterirdische Industrieanlage zur bombensicheren Herstellung kriegswichtiger Produkte zu bauen.

Das Besondere des Stahlhauses aus Nerreth sind die Art der Herstellung und die Bautechnik: Alle Wand- und Dachelemente des Hauses wurden als Stahlplatten serienmäßig vorgefertigt und beim Hausaufbau miteinander verschraubt. Diese Art des „Fertighausbaus“ erlebte durch die damals moderne Bauhausarchitektur eine erste Blüte mit Holz und Stahl. Nach 1945 machte die Nürnberger MAN dann aus der Not eine Tugend und begann, Stahlhäuser zu fertigen. zumal die Knappheit an Wohnraum in Folge der großen Kriegszerstörungen einen erfolgreichen Neuanfang versprach.

Unter Denkmalschutz

Bis 1953, als die Herstellung der Stahlhäuser aufgegeben wurde, waren insgesamt etwa 230 Stahlhäuser gefertigt worden, von denen heute noch etwa 40 erhalten sind und teilweise wegen ihrer besonderen Baugeschichte und Gestaltungsidee sogar unter Denkmalschutz gestellt sind.

Das Nerrether Stahlhaus im Freilandmuseum wurde 2005 von seinem ursprünglichen Standort im Wald abgebaut und zum Jahresbeginn 2012 im Museum wieder neu aufgebaut sowie zeitgenössisch eingerichtet. Im Inneren ist der Bau einfach, aber nach zeitgemäßem Bedarf durchaus gutbürgerlich gegliedert: Bei der Originaleinrichtung 1949 war eines der Zimmer sogar als „Dienstbotenzimmer“ eingeplant.

Über einer vorbetonierten Betonplatte mit den Kellerräumen gibt es in dem eingeschossigen Haus ein Bad mit Wanne, WC und Waschbecken sowie ein kombiniertes Ess- und Arbeitszimmer, ein Wohnzimmer sowie je ein Schlafzimmer für die Eltern und die Kinder.

Die Mitarbeiter des Freilandmuseums fanden zudem ehemalige Bewohner des Hauses, das bis in die 1980er Jahre bezogen war. Die früheren Mieter wurden als Zeitzeugen befragt, und ihre Erfahrungen und Erinnerungen wurden für die Rekonstruktion der früheren Inneneinrichtung ausgewertet.

Kirchweih im Film

In den jetzt wieder zugänglichen Räumen des Hauses gibt es zudem Heimat- und Zeitgeschichte in Wort und Bild zu erleben: Einer der im Haus anzuschauenden Filme, von der Familie Richter als ehemaligen Bewohnern als „Super-8-Film“ gedreht, zeigt Szenen von der Röthenbacher Kärwa anno dazumal, und persönliche Erinnerungen an Schule, Freizeit oder den Alltag sind als Hörstationen in einem der Zimmer abrufbar.

Weitere Informationen zur Bau- und Gestaltungsgeschichte des Stahlhauses aus Nerreth finden sich im Jahrbuch des Freilandmuseums Bad Windsheim, „Franken unter einem Dach“, Band 34/2012.

Das Jahrbuch ist an der Museumskasse im Freilandmuseum zu den regulären Öffnungszeiten erhältlich.
  

jör

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