Montag, 24.09.2018

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Andrea Nahles: Rückenwind aus der Backstube

SPD-Bundesvorsitzende zu Gast in der Bäckerei Lederer in Rednitzhembach — Probleme des Handwerks thematisiert — Berufe attraktiver machen - 04.09.2018 06:00 Uhr

Zuerst dachte Andrea Nahles (Mi.), sie beißt hier in einen Berliner. Es stellte sich dann aber als fränkisches Küchle heraus. Für die Politikerin aus Rheinland-Pfalz eine neue Erfahrung. Umringt ist die SPD-Bundesvorsitzende von Manfred Lederer, Sven Ehrhardt, Marcel Schneider und Birgit Lederer (v.li.).Foto: Gerner


Ein SPD-Bundesvorsitzender im Landkreis? Sven Ehrhardt, der Kreisvorsitzende der Genossen und Bezirkstagskandidat, muss überlegen. Möglicherweise war Willy Brandt in den 1980er-Jahren mal in der Rother Stadthalle. Ansonsten? "Die SPD-Chefs haben zuletzt ja recht häufig gewechselt. Da verliert man den Überblick", sagt Ehrhardt mit einem Augenzwinkern.

Mit Andrea Nahles steht der ältesten Partei Deutschlands seit einigen Monaten erstmals eine Frau vor, und die machte auf dem Weg von Abensberg nach Berlin in Rednitzhembach Station, um ein bisschen die Werbetrommel zu rühren für den Landtagskandidaten Marcel Schneider und den Bezirkstagskandidaten Sven Ehrhardt.

Hoffen auf Rückenwind

"Ich hoffe, dass Du uns ganz viel Rückenwind bringst", sagt Schneider, der einen roten Schirm spazieren führt und sich in Anlehnung einer alten CSU-Kampagne rote Socken angezogen hat. Rückenwind können die Sozialdemokraten gut gebrauchen. Aktuelle Umfragen sehen die SPD derzeit bei zwölf Prozent. Weit hinter der CSU, und auch hinter Grünen und AfD. Auf Platz vier des Parteienspektrums.

"Klar, wir müssen noch eine Schippe drauflegen", gibt Andrea Nahles zu. Doch mit Natascha Kohnen habe die SPD "die beste Alternative" zu Markus Söder. Und die SPD habe auch die richtigen Themen gesetzt, die den Menschen unter den Nägeln brennen: Sozialer Wohnungsbau, Kampf gegen explodierende Mieten, faire Löhne.

Im Verkaufsraum der Bäckerei Lederer und in der Backstube wird Nahles noch mit anderen Problemen konfrontiert. Zum Beispiel dem Problem vieler Handwerker, Lehrlinge zu finden. Manfred Lederer geht es da wie vielen seiner Kolleginnen und Kollegen. "Ich hatte einen Bewerber für eine Bäckerlehre. Den hab’ ich natürlich auch genommen." Der Markt ist leergefegt, inzwischen kommt auf einen Bewerber eine Vielzahl unbesetzter Ausbildungsstellen.

Nicht attraktiv genug

Das liege nicht nur an geburtenschwächeren Jahrgängen. Das liege auch daran, dass die Handwerksberufe nicht attraktiv genug seien. Da müsse auch die Politik etwas tun, fordert Lederer.

Ein Beispiel: "Es kann nicht sein, dass ein Studium weitgehend kostenlos ist und ein Geselle für die Meisterausbildung fünfstellige Beträge investieren muss." Das leuchtet Andrea Nahles ein. "Gebührenfreiheit von der Kita bis zum Meisterbrief" sei Ziel der SPD. Und in der Großen Koalition werde man auch die ersten Schritte in diese Richtung gehen.

Hausaufgaben für Nahles

Ein paar andere Dinge kann die 48-Jährige ebenfalls mit nach Berlin nehmen: den Vorschlag, die Ausbildungsvergütung anzuheben (aber nicht soweit, dass die Azubis schon Lohnsteuer zahlen müssen); oder die Klagen über Wettbewerbsverzerrung durch unterschiedliche Förderprogramme in anderen (ost-)europäischen Ländern.

Was Nahles zurücklässt, ist ihr erster Versuch, in der Backstube selbst eine Breze zu schlingen. "Das ist ja nur ein Krüppel geworden" kommentiert sie, als ihr Erstling aus dem Backofen kommt. Vor allem Landtagskandidat Schneider zeigt hier unter Anleitung von Manfred Lederer etwas mehr Geschick. Nahles staunt: "Der Marcel hat halt doch ein bisschen mehr Brezelblut intus." 

ROBERT GERNER

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