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Ausgelassene Stimmung zum Abschluss

Noch besser, noch kauziger, noch witziger: Die „Black Bottom Skiffle Group“ - 08.05.2012 08:56 Uhr

WENDELSTEIN  - Die Münchner „Black Bottom Skiffle Group“ war noch besser, noch kauziger und noch witziger als voriges Jahr. Da blieb kein Auge trocken. Der Auftritt der „Black Bottom Skiffle Group“ im vorigen Jahr überzeugte so viele Zuhörer, dass heuer der Stadel im Restaurant „Leo’s Goldener Stern“ in Kleinschwarzenlohe brechend voll war.

Die Skiffler aus München entpuppten sich als regelrechte Musikclowns. Sie verballhornten bekannte Nummern mit ihren bayerischen Texten.
Die Skiffler aus München entpuppten sich als regelrechte Musikclowns. Sie verballhornten bekannte Nummern mit ihren bayerischen Texten.
Foto: Unterburger
Die Skiffler aus München entpuppten sich als regelrechte Musikclowns. Sie verballhornten bekannte Nummern mit ihren bayerischen Texten.
Die Skiffler aus München entpuppten sich als regelrechte Musikclowns. Sie verballhornten bekannte Nummern mit ihren bayerischen Texten.
Foto: Unterburger

Die Skiffle-Group, die viele Lieder auf „gschert-bayerisch“ singt und die hohe Kunst des Derbleckens wie keine andere Formation versteht, schaffte es zum zweiten Mal, bei den Zuhörern – die teilweise bis aus Berlin angereist waren – Begeisterungsstürme auszulösen.

Nach drei Stunden war das Publikum schier aus dem Häuschen über die wunderbare Musik dieser ungewöhnlichen Formation, deren Markenzeichen es ist, auf boarisch zu skiffeln.

Skiffle ist Musik, die auch auf unkonventionellen Instrumenten gespielt wird. Neben der Gitarre steht das Banjo im Mittelpunkt. Der Skiffle basiert sowohl auf der anglo- als auch auf der afro-amerikanischen Folk-, Country-, Blues- und Jazzmusik. Ab 1959 verschwand diese Art von Musik weitgehend aus der Popmusik und wurde ab 1962 von der so genannten Beatmusik verdrängt. Doch inzwischen gibt es wieder Gruppen, die diese Art von Musik spielen. Die „Black Bottom Skiffle Group“ ist eine dieser Bands.


Seit 40 Jahren spielt die „Black Bottom Skiffle Group“ den Skiffle und ist vermutlich die einzige und letzte verbliebene Skiffle-Band im süddeutschen Raum, die ihren musikalischen Wurzeln treu geblieben ist. In der urigen Atmosphäre des Stadels zündeten die fünf Herren ein Feuerwerk an Musik großer Klassiker der New-Orleans-Musik, die sie äußerst originell coverten oder auf witzige Weise mit bayerischen Texten versahen. Aber auch eigene bayerische Songs der Band wurden präsentiert.

Die Skiffler aus München zeigten sich nicht nur als außergewöhnliche Könner auf ihren Instrumenten, sondern entpuppten sich zeitweise als Musikclowns, die hemmungslos blödeln können und dadurch die Zuhörer zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen. So parodierte der Banjo-Spieler Wolfgang Bartmann, den alle „Obi“ nennen, einen ganzen Shanty-Chor auf so umwerfende Weise, dass kein Auge trocken blieb. Der stille „Obi“ entpuppte sich als ein Musikclown und Parodist, der es faustdick hinter den Ohren hat.

„Seemann, lass das Träumen“

Er war es auch, der „das schlechteste Stück des Abends“ (Hans Jörg Rossa) sang. Ohne Vorwarnung verließ er die Bühne, um mitten im Publikum den Hans-Albers-Klassiker „Seemann, lass das Träumen“ zu parodieren. Und – siehe da —: Die Welt stand Kopf, als die Zuhörer eines New-Orleans-Festivals (!) mit Begeisterung in den Refrain einstimmten: „Deine Heimat ist das Meer, deine Sehnsucht ist die Ferne…“ Man konnte sich wegschmeißen über so viel Blödelei.

Faustdick hinter den Ohren hatte es auch der musikalische Chef der Skiffle-Band, Hansjörg Rossa, der vor über 40 Jahren als gebürtiger Oberpfälzer die Band gründete und über all die Jahre am Leben erhielt. Seine Stimmlage erinnert frappierend an Johnny Cash, seine Fröhlichkeit war ansteckend, und sein komödiantisches Talent trieb den Zuhörern die Lachtränen ins Gesicht, als er beispielsweise einen Song über des Pfarrers Töchterlein auf deutsch, englisch, französisch und japanisch präsentierte. Und wenn aus Johnny Cashs Erfolgstitel „Ring of fire“ ein bayerischer Song mit dem Refrain „Heit hom mir a große Feier – die Leit und i und der Niedermeier“ wird, ist die Gaudi perfekt.

Die „Black Bottom Skiffle Group“ sang nicht nur über die Bourbon Street von New Orleans, sondern auch über den Schorschi, der im Hamburg-Mobil fährt, über den eigenen Vater, der zwar „ein fauler Hund“ ist, jedoch viel Durst hat, oder über München-Moosach, über „Bergeshöhen“ und über „Preißn“, die die Autobahn verstopfen.

Kabarettistischer Höhenflug

Zu einem kabarettistischen Höhenflug geriet auch die kurze Rede von Landrat Herbert Eckstein, der spätabends hereinschneite und über „die Oberbayern“ frozzelte. Durch sein Kommen bewies er der Band seine Wertschätzung.

Es war ein wunderbares Kneipenkonzert mit einer umwerfenden Skiffle-Group. Die Band verabschiedete sich mit einer tollen Version von „Bye bye love“ der Everly Brothers.

Und wenn die „Black Bottom Skiffle Group“ wieder mal zum Festival eingeladen wird, wird ein Stadel vermutlich nicht mehr reichen, um all die begeisterten Zuhörer aufzunehmen. 

ROBERT UNTERBURGER


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