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Bindeglied zwischen Verein und Behörde

Bruno Liebermann (Gaulnhofen) ist seit drei Jahren der „Koordinator Verkehr“ beim BDR - 03.01.2012 08:29 Uhr

Bruno Liebermann kümmert sich um die Sorgen und Nöte der Radsportler im Straßenverkehr. © Marr


Wozu gibt es einen „Koordinator Verkehr“ beim Bund Deutscher Radfahrer und welche Aufgaben hat er?

Liebermann: Neben dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC), der alle Radfahrer vertritt, will der BDR vor allem seine sportliche Klientel über die Landesverbände und die vielen Vereine noch intensiver in die aktuelle Verkehrsthematik einbeziehen. Ich bin im Auftrag des BDR als Bindeglied und Kontaktmann zwischen den Behörden, den Landesverbänden und den Vereinen im Einsatz.

Im Hinblick auf den immer umfangreicheren Straßenverkehr wurde dem Straßenrennsport schon vor Jahrzehnten ein baldiges Ende vorausgesagt. Ist es auch ein Verdienst des BDR, dass diese Prognose nicht zutraf?

Liebermann: Ja, sicher, denn man hat sich immer der jeweiligen Problematik erfolgreich gestellt und schon lange erkannt, dass bei allen Straßenrennen eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden die wichtigste Voraussetzung für eine reibungslose Abwicklung und einen möglichst unfallfreien Verlauf ist. Eventuelle Unstimmigkeiten über bestimmte Auflagen müssen im Vorfeld restlos geklärt werden. Ich vermittle in solchen Fällen als Koordinator zwischen den Behörden und dem Veranstalter.

Der Trend zum Rennradfahren und zum sportlichen Mountainbike hält weiter an. Bringt das auch mehr und größere Probleme mit sich?

Liebermann: Nein, eigentlich nicht, denn man wächst auch hier mit den Aufgaben. Der BDR organisiert pro Jahr bundesweit über 1000 Breitensport-Veranstaltungen mit weit über einer Million Teilnehmer. Etwa drei Millionen sind im Sommer regelmäßig mit technisch bestens ausgestatteten Rennrädern unterwegs. Für sie und ihre Sicherheit setzt sich der BDR ein.

Was sollte Ihrer Meinung nach bei der Planung und bei dem Bau von Radwegen mehr als bisher beachtet werden?

Liebermann: Für viele sportliche Radfahrer ist zwischenzeitlich das Fahrrad auch ein ganzjähriges Verkehrsmittel, das sie täglich nutzen. Der BDR moniert deshalb, dass das Radfahren im Geschwindigkeitsbereich zwischen 20 und 40 km/h in der Planung und in der praktischen Umsetzung von neuen Radwegen zu wenig Beachtung findet. Gerade das zügige Radfahren, auch über längere Distanzen, wird in der Zukunft eine noch viel größere Rolle spielen als bisher. Dieser Trend wird sich nach den hohen Verkaufszahlen von über 300000 E-Bikes und Pedelecs sicher noch deutlich verstärken.

Welche Empfehlungen gibt der BDR im Hinblick auf eine neue Straßenverkehrsordnung an die Verkehrsministerien der Länder?

Liebermann: Die Behörden für den Straßenverkehr, die Stadt- und Straßenplaner sollten bei ihren Überlegungen zu einer neuen Straßenverkehrsordnung für Radfahrer von einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit der Rennradfahrer von etwa 25 km/h ausgehen. Der BDR fordert deshalb seit längerem, auch unter dem Gesichtspunkt der Unfallverhütung, die Teilung beziehungsweise Trennung des Verkehrsraums nicht nur ausschließlich nach Kraftfahrzeugen, Radfahrern und Fußgängern, sondern auch nach Geschwindigkeit.

Man hört, dass eventuell auch eine Höchstgeschwindigkeit auf Radwegen eingeführt werden könnte. Was halten Sie davon?

Liebermann: Die Festlegung einer Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h lehnt der BDR ab. Ein benutzungspflichtiger Rad-Fußweg ist zu besonderen Zeiten, zum Beispiel im Berufsverkehr oder bei Schulbeginn zwar immer problematisch, doch auch mit der Festlegung einer Höchstgeschwindigkeit lassen sich kritische Situationen zwischen Fußgängern und Radfahrern nie ganz vermeiden.

Man sieht immer wieder Rennradfahrer, die Radwege meiden, anstatt sie zu benutzen. Sprechen Sie auch diesen Punkt an?

Liebermann: Ja natürlich, und dann kommt zurecht meist die Klage, dass der Altbestand vieler innerörtlicher Radwege in Qualität und Sicherheit erbärmlich ist. Hinzu kommt in vielen Orten eine unverständliche Regelungswut der Behörden. Die Radwegbenutzungspflicht und die daraus resultierenden Probleme sind leider nach wie vor ein leidiges Dauerthema.

Sehen Sie bei dem heiklen Thema Radwege auch positive Aspekte?

Liebermann: Ja, doch. Der BDR und die vielen sportlichen Radler finden es sehr erfreulich, dass sich inzwischen im Radwegebau eine deutliche Qualitätsverbesserung abzeichnet. In Nürnberg wurden zum Beispiel auch Radwege von den Gehwegen auf Straßen verlegt. Mit der Konsequenz, dass dem Kfz-Verkehr für eine Richtung nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung steht.

Dabei kommt den weißen Schutzstreifen eine wichtige Bedeutung zu. Hat sich diese Lösung bewährt?

Liebermann: Nach den bisherigen Beobachtungen werden die Schutzstreifen von den Kraftfahrern überwiegend gut beachtet.

Welchen Beitrag leistet der BDR als größter Verband der Radsportler zur Verbesserung der Situation auf den Straßen?

Liebermann: Der BDR gewährleistet durch seine Vereine und Trainer im Nachwuchsbereich seit vielen Jahren eine kontinuierliche und gute Verkehrserziehung. Er legt dabei höchsten Wert auf regelkonformes und sicheres Radfahren.

Wie lautet ihre persönliche Empfehlung für sportliche Rad- und Autofahrer?

Liebermann: Ich würde beiden Seiten ein bisschen mehr Geduld und Gelassenheit empfehlen. Von etwas mehr Rücksichtnahme und gegenseitigem Respekt können beide Seiten profitieren.

  

Interview: Manfred Marr

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