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Bunte Schau der Schlepper-Raritäten

Bei der Kirchweih in Gauchsdorf waren 205 über 30 Jahre alte Traktoren zu sehen - 17.05.2016 08:31 Uhr

Trotz des miesen Wetters fanden sich etliche Traktor-Besitzer und viele Schaulustige in Gauchsdorf ein. © Foto: Hess


Die alten Bulldogs standen wieder einträchtig nebeneinander. Der Hof des alten Gasthauses, die Straße zum Festzelt und Holzplatz des Sägewerks hatten vielleicht in den ersten paar Jahren ausgereicht, doch inzwischen stehen Bulldogs am Rand der Hauptstraße und sogar in der Wiese jenseits der Aurach. Die Palette war breit und bunt, wahrscheinlich waren von den 205 Traktoren keine zwei gleichen.

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Historische Traktoren defilieren in Gauchsdorf

Für Freundinnen und Freunde historischer Schlepper gab es am Pfingstsonntag in Gauchsdorf einiges zu bestaunen: Mehr als 200 Traktoren und deren Besitzer gaben sich in einem großen Umzug die Ehre.


Die Dorfbewohner legten sich wieder mächtig ins Zeug. Alfred Gärtner und Ehefrau Renate hatten die Organisation des Schleppertreffens übernommen und die Einladungen geschrieben, die Männer zapften und schenkten aus, die Frauen hatten etliche Kuchen gebacken, die sie verkauften.

Sie waren wieder alle vereint: Ferrari und Porsche (Höchstgeschwindigkeit jeweils um die 20 km/h), Allgaier, Bautz, Schlüter, Ursus, McCormick, Fendt, Lanz, Holder, MAN, Hanomag, IHC-International, IFA, Ursus, Güldner, Deutz, Zetor, Bührer, Fahr, Gutbrod, Röhr, Jrus, Hela, Fordson, Ford und Normag. Und jede Menge Eicher-Schlepper.

Gefeiert hat Gauchsdorf eigentlich Kirchweih. So richtig, mit Baumaufstellen, Bieranstich, Verlosung und Gottesdienst im Festzelt. Zum Erfolg der „Gauerschdorfer Kärwa“ trugen viele Vereine bei, die in zum Teil beträchtlicher Stärke vertreten waren. So waren zum Beispiel die Schlepperfreunde Rednitzhembach mit 20 Mann zu Gast. Die Schlepperfreunde Oberreichenbach hatten weniger Teilnehmer. Der Rohoelzug
Wallesau fehlte diesmal leider ganz, von den Eicher-Freunden Brombachsee, die voriges Jahr ein Dutzend Teilnehmer beziehungsweise Schlepper stellten, war nur einer da. Erstmals dabei waren die Eicher-Freunde Jura. Der „Eicher-Willi“ von diesem Verein hatte gleich drei Eicher-Schlepper dabei, einen von 1954 mit 16 PS, einen von 1969 mit 52 PS („Königstiger II“) und einen von 1981 mit 100 PS. Der jüngste und PS-stärkste zog die beiden anderen, die auf einem Anhänger mitgereist waren. Das war allerdings nur ein Teil des Bestands vom „Eicher-Willi“, denn er ist Eigentümer von insgesamt zehn Schleppern, wie er erklärte.

Die Oldtimerfreunde Fränkisches Seenland waren dabei, die Büchenbacher Kärwaboum und -madli, die Schwander Kolbenquäler, die Eibacher Bulldoggerer und die Oldtimerfreunde Mitteleschenbach sowie die Bulldogfreunde Mamberch.

Nicht vertreten war diesmal von Werner Sept aus Wildenbergen der Landini, Baujahr 1935. Dafür hatte Sept seinen bestens restaurierten
Hanomag (Baujahr 1951, 28 PS) mitgebracht. So durften sich um den Rang des ältesten Schleppers streiten: ein Allgaier-Kaelble von 1949, ein Porsche von 1948, ein weiterer von 1949 und ein MAN von 1949. Dieser 49er MAN gehört Erich Lebegern aus Neuses, war tiptop restauriert und frisch lackiert. Dieser Schlepper zeigte noch Spuren der Nachkriegswirtschaft: Die Vorderreifen waren von Willys Jeep. Der MAN-Ackerdiesel hatte lediglich in den Jahren 1988 bis 1995 keinen TÜV gehabt. Die ganze übrige Zeit lief er klaglos.

Die Freiwillige Feuerwehr Rothaurach hatte wieder eine Pumpe dabei und förderte damit Wasser aus der Aurach. Die historische Pumpe mit Handschwengeln von 1914 durfte diesmal allerdings daheim bleiben. Die Rothauracher hatten auch einen Heuwagen von 1886 dabei. Allerdings war an dem nicht mehr allzu viel von 1886, er war mehr oder weniger ein Nachbau.

Patina oder frischer Lack

Natürliche Patina der in die Jahre gekommenen Bulldogs oder frischer Lack – die Geister scheiden sich. Zu sehen war beides und beides hatte seinen Reiz.

Vertreten war auch wieder ein metallic-blau lackierter Lanz. Der Eigentümer hat ihn ziemlich auffällig hergerichtet, mit reichlich Chrom und einer Batterie von Zusatzscheinwerfern.

Vertreten war ein extrem kurz gebauter Knubbel-Deutz von 1955 mit 15 PS, der Nachfolger vom „Bauerndeutz“.

Eine weitere Rarität: Johann Schuler aus Schwarzenbruck war gekommen mit einem Hela. Das steht für Hermann Lanz, Aulendorf. Nein, nicht der Lanz. Der hieß nämlich Heinrich mit Vornamen und seine Schlepper lediglich Lanz. Die beiden Hersteller namens Lanz waren nicht einmal miteinander verwandt. Die Hela-Bulldogs sind zwar selten, doch gibt es davon durchaus noch welche. Ein Besucher aus Hüttendorf bei Erlangen hat so etwas zu Hause stehen, wie er erzählte. Er hat einen Schlepper Baujahr 1954, den er damals vom Schwiegervater bekommen hat. Und einen weiteren Baujahr 58, einen Baujahr 60, einen 64er und einen 83er. Dabei gehabt hat er allerdings keinen einzigen.

Weitere Bilder unter www.nordbayern.de/schwabach 

GUNTHER HESS

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