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Der Mann, der die Pfunde purzeln lässt

Dr. Thomas Horbach operiert in Schwabach stark übergewichtige Menschen - 07.06.2011 10:00 Uhr

Symbolbild © colourbox.com


Herr Dr. Horbach, acht bis zehn Kilos weniger – das wär’ schon was... – Bin ich damit ein Fall für Ihren OP-Tisch?

Horbach: Nein, Ihr Problem ist durch eine Änderung der Essgewohnheiten und das Erhöhen der körperlichen Aktivität gut in den Griff zu bekommen. Entsprechend den Leitlinien der Fachgesellschaften sind operative Eingriffe erst ab einem Body-Maß-Index von 35 kg/m2 und Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, nächtlichen Atemaussetzern oder ausgeprägten Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen, beziehungsweise ab einem Body-Maß-Index von 40 kg/m2 indiziert.

Es ist aber nicht so, dass Ihre Patienten eine Diät aus Gründen der Bequemlichkeit ablehnen?

Horbach: Meine Patienten haben in der Regel etliche Diäten hinter sich. Eine dauerhafte Gewichtsreduktion hat sich trotzdem nicht erreichen lassen. Das Phänomen ist ja praktisch jedem bekannt, der irgendwann versucht hat, mit einer Diät sein Gewicht zu reduzieren: Alle diese Patienten haben schon vielfach unter dem bekannten Jojo-Effekt gelitten.

Kriegt man denn bei Ihnen die Gewichtsreduktion garantiert ohne Jojo-Effekt?

Horbach: Auch eine chirurgische Intervention gegen krankhaftes Übergewicht führt nicht automatisch zur Gewichtsabnahme. Es handelt sich dabei nur um ein „Hilfsmittel“, das die Patienten unterstützen soll. Erfahrungsgemäß gilt aber für die überwiegende Mehrzahl, dass sie eine Reduktion ihres Gewichts von 50 Prozent oder mehr mit einem solchen Verfahren schaffen. Verlieren die Patienten nach der OP doch die Kontrolle über ihr Essverhalten, sind in der Regel keine Gewichtszunahmen zu erwarten, wie sie nach Diäten eintreten. Garantien gibt’s aber nicht.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem sogenannten Magenband und einem Schlauchmagen?

Horbach: Beim Magenband handelt es sich um ein Essmengen begrenzendes Verfahren: Durch die Schaffung eines sogenannten „Vormagens“ mit 15 Milliliter Fassungsvermögen, wird die Portionsgröße jeder einzelnen Mahlzeit drastisch reduziert.

Bei der Schlauchmagenbildung wird das Magenvolumen ebenfalls auf ein Zehntel der Ausgangsgröße verkleinert und der überschüssige Magenanteil entfernt. Damit entnehmen wir auch Magenareale aus dem Körper, in denen Appetit anregende Hormone gebildet werden. So lassen Essantrieb und Heißhunger nach.

Und was hat es mit einem Magen-Bypass beziehungsweise dem Magenschrittmacher, den sie ja neuerdings auch einsetzen, auf sich?

Horbach: Der Magen-Bypass ist eine Kombination aus Magenverkleinerung und der teilweisen Umgehung des Dünndarms. Dadurch ändern sich Stoffwechselvorgänge. Der Eingriff hat somit auch effektive Auswirkungen auf die Zuckerkrankheit. Durch die partielle Dünndarmumgehung wird nämlich die Fähigkeit des Darms, Nährstoffe in den Körper aufzunehmen, reduziert — ein weiterer Grund für die Gewichtsreduktion. Von Nachteil ist, dass auch wichtige Substanzen, wie Vitamine und Spurenelemente, nicht mehr ausreichend aufgenommen werden können. Darum bedarf es einer lebenslangen Nahrungsergänzung.

Der Magenschrittmacher verändert im Wesentlichen das Essverhalten. Durch das Einsetzen des Schrittmachers und die elektrische Stimulation des Magens wird ein Völlegefühl erzeugt, der Magen entleert sich langsamer. Die mit dem Schrittmacher erreichbare Gewichtsabnahme reicht aber nicht an die anderen Verfahren heran.

Wer zahlt denn die Eingriffe?

Horbach: Die Kriterien für eine Operation werden streng geprüft. Dazu sind bestimmte Angaben des Patienten, der vorbehandelnden Ärzte und eine psychosomatische Begutachtung erforderlich. Die Prüfung der Voraussetzungen findet in einem entsprechend spezialisierten Zentrum statt. Sind alle Kriterien erfüllt, wird ein individueller Kostenübernahmeantrag bei der Krankenkasse eingereicht. Die prüft dann zusammen mit dem Medizinischen Dienst, ob die Übernahme möglich ist. Dieses Verfahren findet in gleicher Form bei nahezu keiner anderen Erkrankung statt. Dadurch ist es nur einem Teil der Patienten möglich, sich operieren zu lassen. Denn die Operationskosten bewegen sich für Selbstzahler zwischen 5000 und 15000 Euro.

Was tun Sie selbst, wenn der Zeiger Ihrer Waage zu weit ausschlägt?

Horbach: Das macht er schon. Mein aktueller Body-Maß-Index liegt bei 26, und ist damit zu hoch. Leider halte auch ich mich nicht an alle Vorgaben einer gesunden Ernährung. Die Tatsache, dass der Beruf des Chirurgen durchaus auch körperlich anstrengend ist, hilft mir einerseits.

Andererseits unterstützen mich Freunde aus der Rother Triathlonszene bei einem Minimalmaß körperlicher Ertüchtigung. Rennradfahren findet zwar oft nur abends auf dem Rollentrainer statt — aber besser, als nur auf der Couch zu landen. Insgesamt würde ich mir mehr Zeit für sportliche Aktivitäten wünschen. Mein Patient Martin Schwerdtner schickt mir ja regelmäßig E-Mails, um mich für unser gemeinsames Trainingsziel, den New York Marathon, zu motivieren...

  

Interview: PETRA BITTNER

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