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Wie er es geschafft hat zu überleben? Es waren im Wesentlichen zwei Dinge: Zum einen war er in Auschwitz-Birkenau Betreuer im Kinderblock des so genannten tschechischen Familienlagers, also in einem abgetrennten Bereich, in dem er sich mit 50 anderen Häftlingen um die Kinder im KZ gekümmert hat.
Das war sein Glück, da er nicht ständig den schlimmen Wetterverhältnissen und der schweren körperlichen Arbeit ausgesetzt war. Auch meint er, dass die Arbeit mit den Kindern ihn zumindest zeitweise vom Alltag im KZ abgelenkt habe. Dabei wollte er die Kinder vergessen lassen, was um sie herum Grausames passiert: Die Gaskammern waren ganz in der Nähe und man habe immer wieder unzählige Fünferreihen hineingehen und nicht wieder herauskommen sehen.
Die Älteren hätten sich darüber unterhalten und viel diskutiert, die Kleineren dagegen nahmen Worte wie Gas, Tod oder Selektion nicht in den Mund. Auch die Betreuer hätten darauf geachtet, in Anwesenheit der Kinder nicht darüber zu sprechen. Sie führten mit den Kindern kleine Theaterstücke auf, die immer ein optimistisches Ende hatten.
Meist saß während der Vorführungen auch der KZ-Arzt Josef Mengele im Publikum, der die kleinen Kinder auf den Schoß nahm, ihnen über das Haar strich und sagte: „Nennt mich Onkel!“ Danach schickte er die Kinder ohne mit der Wimper zu zucken in die Gaskammern.
Der zweite Grund, weswegen er überlebt hat, war die Liebe zu seiner Frau Vera. Mit 17 lernte er sie kennen. Nachdem sein Vater, der die schrittweise Demütigung der Nationalsozialisten den Juden gegenüber nicht mehr aushielt, sich umgebracht hatte, wurde er mit seiner Verlobten Vera und deren Eltern in das Ghetto Theresienstadt gebracht. Als er nach Auschwitz-Birkenau abtransportiert werden sollte, heirateten Pavel und Vera, um zusammenbleiben zu können.
Die Hochzeitsreise ging — eingepfercht in einem Viehwagon stehend - zwei Nächte und einen Tag in das größte Vernichtungslager Auschwitz. Nicht wissend, dass seine Mutter längst von den Nazis vergast worden war, hoffte er auf ein Wiedersehen mit ihr.
Im tschechischen Familienlager wurden die Häftlinge ein wenig besser behandelt, da es als Alibi für die SS gegenüber dem Roten Kreuz dienen sollte. Vera war für den Küchendienst eingeteilt. Da sie mit ein paar anderen Frauen das Essen tragen musste, hatte sie das Privileg, hinterher die Reste aus dem Topf zu kratzen, was sie abwechselnd ihm oder ihrer Mutter zugesteckt hat. „Außerdem hat sie mir einfach enorme mentale Kraft gegeben.“
Nach zehnmonatiger Zwangsarbeit in einer Fabrik für die Wehrmacht in Schwarzheide wurde er schließlich 1945 auf einem der Todesmärsche zurück nach Theresienstadt geschickt. Die SS war bereits geflohen. Dort warnte ihn seine Cousine, eine Krankenschwester, davor, sich nach der Befreiung mit Wurst satt zu essen, sondern nur Weißbrot mit Margarine, da sein Magen keine normalen Mahlzeiten mehr gewohnt war. Viele, die sich nicht an diesen Rat hielten, starben. Durch großes Glück überlebten sowohl er als auch Vera.
Nach dem Krieg heirateten sie ein zweites Mal. Vor 14 Jahren ist seine Frau gestorben. „Dies war der schlimmste Tag in meinem Leben.“
Sa. 27.04.13
Fr. 26.04.13
Do. 18.04.13
Do. 11.04.13
Sa. 23.03.13